OroCommerce – The next big thing in eCommerce?

Es gibt sie noch immer, die schwarzen Löcher auf der Landkarte der Software-Produkte. Anwendungen, für die es zwar eine Nachfrage aber keine guten, einfachen Lösungen gibt. Ein solches schwarzes Loch ist der B2B Commerce. Zwar gibt es im proprietären Bereich Lösungen welche auf diesen Teilmarkt abzielen, aus verschiedenen Gründen hat sich bis jetzt keine durchgesetzt. OroCommerce hat sich nichts weniger als die Eroberung dieses Marktes auf die Fahnen geschrieben – und die Chancen stehen gut. Gestern wurde nun die erste Alpha-Version veröffentlicht. Eine Standortbestimmung.

(Lesedauer 4 Minuten)

Prominente Väter

Ich denke Oro Inc. muss man nicht weiter erklären. Die Oro Plattform und OroCRM als erstes Produkt finden in vielen Projekten Einsatz und wachsen stark. OroCommerce ist dabei ein neuer Spross in der Familie. Eine Familie mit prominenten Eltern: Yoav Kutner, Jary Carter, Dima Soroka und Roy Rubin kennen wir von Magento. Hintergrundinfos und Einschätzungen zu OroCommerce habe ich im April in diesem Artikel zusammengefasst.

Be part of the revolution!

Ein paar OroCommerce Alpha Highlights

B2B Rollenkonzept aka „Master-Slave-User-Konfiguration“

Ein richtiggehend traditioneller B2B Painpoint: Eine oder mehrere Kundengruppen sollen verschiedene Firmen beinhalten können. Die Firmen halten verschiedene User von welchen ein paar selbständig neue User
anlegen und spezielle Rechte wie Rabattpreislisten ansehen können sollen (Master), andere User sollen quasi fremdverwaltet z. Bsp. nur Bestellungen vorbereiten oder aber Produkte einsehen können (Slave). Backend-Ansicht Kunde in der Administrationsoberfläche

In Dutzenden B2B Projekten ist mir diese Anforderung in den letzten Jahren untergekommen und kein System kann das so richtig einfach und modular lösen. Meist ist irgendeine Anpassung notwendig. OroCommerce löst das durchgehend und elegant. Zusätzlich ist auch das Abbilden von mehreren Standorten möglich. Auch so eine Sache die bislang eher mühsam war.

B2B Shopping Frontend

Auch wenn immer mehr Einflüsse von B2C eCommerce in den B2B-Bereich Einzug halten unterscheidet sich das „Beschaffungs-Shopping“ doch fundamental. In der Demo von OroCommerce sehen wir eine saubere, einfache Front-End Integration.

Product-View OroCommerceFeatures wie eine baumbasierte Navigation, einfache Filter, die Möglichkeit mehrere Artikel auf einmal dem Warenkorb der Shoppinglist hinzuzufügen erleichtern typischerweise die Arbeit des Purchase Managers.Und ja, liebe Marketing-Leute, das kann der geneigte Integrator sicher auch noch so umstylen, dass Sie es „sexy“ finden.

 

B2B-Order Workflow

À propos Shoppinglist: Das klassische Add to Cart gibt es in OroCommerce logischweise nicht. Artikel werden einer Shoppinglist hinzugefügt und diese können verwaltet und in eine Bestellung überführt werden.Shopping Lists in OroCommerce

Das löst eine ganze Reihe von typischen B2B-Shopping-Szenarien in denen Bestellungen in der Regel allerlei Workflows, Approvals und Verifizierungen durchlaufen müssen. OroCommerce hat da alle Rezepte bereit, die man braucht um auch komplexe B2B Anforderungen umzusetzen.

 

Gute Demo verfügbar

Das Format eines Artikels reicht nicht aus, um OroCommerce in seiner Fülle gerecht zu werden. Ich habe daher nur 3 wichtige Punkte aufgegriffen. Ich kann nur jede und jeden ermuntern sich eine Stunde mit der Demo von OroCommerce auseinander zu setzen. Sie ist wirklich gut und hat vorkonfigurierte Rollen die man direkt auswählen kann.

B2B ist kein un-beackerter Markt

Beim Testen von OroCommerce in den letzten Tagen hatte ich teilweise ähnliche Feelings wie als ich Magento das erste Mal ausprobierte.  Da ist diese Mischung an Funktionalität auf die man schon ganz lange gewartet hat und das Wissen, dass dies alles OpenSource zur Verfügung steht. Zwar, und das ist so sicher wie der Sonnenaufgang, wird es auch eine Enterprise Version geben, das Gros der ganz vielen KMU hat jedoch nun zum ersten Mal ein Tool zur Hand, dass sie auf einen Schlag ermächtigt, B2B eCommerce zu machen. Und das in einer funktionellen Liga, die vielen großen Anbietern ebenbürtig ist. Darin liegt der Kern dieser Disruption, das war schon bei Magento so. Es hat KMU ermöglicht gleich zu ziehen.

OroCommerce wird den eCommerce Markt umkrempeln – die große Frage ist: Zu wessen Lasten?

Eine Folge dieser Entwicklung wird sein, dass sich auch große Unternehmen allmählich mit OroCommerce auseinandersetzen. Das sind genau jene Unternehmen welche bis jetzt auf Hybris und Co. gesetzt haben. Während Magento funktionell im B2B-Bereich mit z. Bsp. Hybris nur schlecht mithalten kann (aber trotzdem unter dem Strich meist die bessere Wahl ist), hat es im B2C eine wahre Revolution ausgelöst.

Das ging bereits zu Lasten von Hybris – nur dank eines boomenden Marktes konnten (werden) trotzdem alle wachsen (können). OroCommerce zielt aber genau auf diesen Kern-USP dieser Legacy-Hersteller. Für sie könnte sich die Magento-Blamage nun mit OroCommerce schlicht wiederholen. Paradoxerweise mit den selben Schlüsselpersonen am Steuer. Dass die traditionellen Hersteller nicht auf die Barrikaden steigen und radikal etwas dagegen unternehmen, liegt, wie gesagt, daran dass der Kuchen für alle groß genug ist.

Und Magento?

Magento wird wohl ein paar B2B-Projekte verlieren. Das ist auf der einen Seite zu verschmerzen. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass Magento B2B Projekte viel lieber an das OpenSource Produkt OroCommerce verliert als an Hybris. Denn für Magento ist das grundsätzlich gut: Ist der Weg in Sachen OpenSource in einer Unternehmung erstmal geebnet, halten in der Regel auch andere quell-offene Lösungen Einzug. So gesehen ist OroCommerce und Magento ein Türöffner für die jeweils andere Lösung, denn die Anzahl an Unternehmen die B2C und B2B parallel betreiben ist im Handel erheblich.

Die nächsten Monate werden also sehr spannend für den eCommerce, gerade auch in Europa. Die Chancen, dass diese Disruption die Yoav und Co. anstreben, auch gelingt sind sehr hoch.

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Ein Kommentar zu OroCommerce – The next big thing in eCommerce?
  1. Peer Schmid Antworten

    Ich habe mich sehr über die Ankündigung von Oro gefreut, ein Commerce-System zu liefern. Begeistert war ich dann, als klar wurde, dass zum ersten Mal eine Lösung von Grund auf für den B2B-Commerce entwickelt wird.
    Nach dem wir jetzt die ersten Schritte mit OroCommerce machen, wird die Begeisterung nicht kleiner. Im Gegenteil. Nach dem ich sowohl mit hybris und noch intensiver mit Intershop gearbeitet habe, wird sofort klar, wie viel besser die Lösung von Yoav und seinen Kollegen für das B2B-Geschäft passt. Auch wenn Intershop und hybris gute Module für den Handel zwischen Unternehmen liefern, handelt es sich dabei doch „nur“ um Erweiterungen der B2C-Kernfunktionen – das macht Anpassungen für B2B-Szenarien an manchen Stellen komplizierter als nötig. OroCommerce hat mit dieser konsequenten Ausrichtung auf B2B, quelloffenem Code und dem geplanten Pricing Potential, einen Trend zu beschleunigen, den die Kunden schon lange verdient haben: Klare Commitments zu B2B-Commerce. Nicht nur ein Feld neben B2C, nicht nur ein Modul auf der Preisliste, nicht nur das Thema, das man mit macht, weil es langsam hip wird.
    Und das sollte nicht nur auf Herstellerseite passieren, sondern auch bei den Agenturen und Beratern. Denn B2B-Commerce ist ein anderes Geschäft als B2C und nichts, was man mal so mit nimmt, weil es im B2C nicht mehr so rennt.
    Ich bin gespannt, was wir noch erleben, wenn der Markt sich weiter formt und sich von Amazon und Zalando und Co. weiter emanzipiert.

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