Social Media – Die Super-Zeitverschwendung

Vor ein paar Jahren habe ich einen Beitrag darüber geschrieben, wie ich aufhörte TV zu schauen und wieviel Zeit ich dadurch für mich gewonnen habe. Der Impuls ging damals von meinem Kollegen Søren Schaffstein aus, der mich inspirierte mich kategorisch vom TV abzuwenden. Ende letzten Jahres passierte mir dasselbe mit Social Media, Søren konnte diesmal allerdings nix dafür. Der Grund war ein anderer: Erst ärgerte ich mich zunehmend, dann langweilte ich mich.

(Lesedauer 5 Minuten)

Die naive Illusion

Ich war einmal ein ganz großer Fan von Facebook. Die Diskussionen bereicherten mich, ich hatte das Gefühl, die Welt rückt näher zueinander. Es entstünde sowas wie ein globaler Stammtisch, an dem jeder einen Platz bekommt.

Diese Art von Austausch war interessant, manchmal lustig, manchmal aufreibend, manchmal erkenntnisreich. Ich und Facebook hatten eine gute Zeit. Auch Instagram und Snapchat hatte ich mal und dieses komische Foursquare, von dem niemand so recht wusste was es eigentlich sollte. Diese großartigen Geschenke der heutigen Zeit nahmen immer mehr meiner Zeit ein.

Private „Slacktime“ füllte ich konsequent damit; entweder waren meine Augen auf der gerade aktuellen Tätigkeit oder auf dem Screen. Etwas dazwischen gab es nicht. Das war für jemand der so oder so sein ganzes Leben damit verbringt in Bildschirme zu schauen erstmal nichts Besorgniserregendes. Schleichend, ganz langsam, wurde ich damit jedoch unzufrieden.

Als Meinung unantastbar wurde

Meine Einstellung zu Social Media schlug in dem Moment um, als ich realisierte, dass Meinung unantastbar wurde. Wobei ich das jetzt falsch frame, nicht Meinung per se wurde unantastbar, das war sie eigentlich ja schon immer. Nein, in Meinung verpackte falsche Fakten wurden unantastbar.

Da ich teilweise auch in der Tesla/Elektroauto-Community unterwegs bin, habe ich das ungeschönt abbekommen. Dinge welche nachweislich einfach falsch waren, wurden als Meinung kolportiert und sobald man diese versuchte mit Fakten in Frage zu stellen, wurde man darauf verwiesen, dass das nun mal seine eigene Meinung sei. Und man sich das Recht auf eigene Meinung sicher nicht nehmen ließe!!!1l!

Nun ist es nicht so, dass ich unbedingt Recht behalten muss – ich glaube ich kann ganz gut etwas einfach stehen lassen.

Wenn aber in Diskussionen der Kampf um die Oberhand wichtiger wird als die Sache der Diskussion selbst, wird die ganze Diskussion wertlos.

Daran ist nicht Facebook schuld, sondern das ist leider ein allgemeiner Trend. Ohne Daten und Fakten zu kennen wird geurteilt und entschieden, vom ganz Kleinen bis ins ganz Große. Donald Trump hat zudem die Lüge salonfähig gemacht und eine ganze Armee an Kleingeistern auf dem ganzen Planeten hat das dankbar aufgenommen. Das ist unsere heutige westliche Kultur, wir reden oft daher, ohne die Fakten zu kennen und lügen, ohne rot zu werden.

Noch nie war es so einfach…

Das ist besonders paradox, denn noch nie war es so einfach wie heute, über ein Thema möglichst diverse Informationen zu besorgen. Information die wichtig ist, kann heute fast nicht mehr geheim gehalten werden.

Man müsste meinen, dass das ganz allgemein zu differenzierten Ansichten und Einschätzungen führen würde, da die Realität ja ganz selten nur schwarz oder weiß ist. Genau das passiert aber eben nicht, weil die Leute kaum Zeit in Informationsbeschaffung stecken. Wohl weil sie diese durch das permanente Abhängen in Social Media nicht haben.

Die Diskussionen und der Austausch wurden zunehmend mühsam und irgendwann einfach nur noch langweilig. Und ich fragte wo meine Zeit bleibt.

Adieu Facebook, Instagram und Snapchat

Also habe ich Ende Jahr einfach beschlossen, dem Spuk ein Ende zu setzen. Das großartige ist ja, dass man sowas ganz einfach beenden kann: Man hört einfach damit auf.

Twitter, die heimliche Liebe

Twitter bin ich jedoch treu geblieben – ja ich weiss, das ist auch Social Media. Twitter langweilte mich einfach nie so richtig. Twitter ist ja so etwas wie der Social-Media-Kanal der Intellektuellen oder jenen die das gerne sein würden. Die Absurdität und schräge Kultur die Twitter seit jeher mitbrachte, fand ich immer spannend.

Muss meine Firma auf TikTok sein?

Ich bekomme diese Frage (aus mir nicht erfindlichen Gründen) immer wieder gestellt und nein, um Gottes Willen, das muss die Firma natürlich nicht. Die Firma muss besorgt sein, dass sie großartige Produkte liefert, die Angestellten gut behandelt, Frauen in den Aufsichtsrat wählt aber nein, bitte, sie muss nicht auf jedem Rummelplatz einen Würstelstand haben. Das heißt nicht, dass sie das nicht tun kann, aber es wird nicht der alles entscheidende Faktor sein.

LinkedIn und XING sind nicht Social Media und bitte, bitte, sollen es auch nicht werden

Oft höre ich auch, dass eine Social Media Kampagne in LinkedIn gefahren würde. Rein von der Begrifflichkeit, ist LinkedIn wohl ein Social Media Netzwerk. Ich kann ihnen jedoch nur raten es nicht als das zu sehen und zu nutzen.

LinkedIn (und Xing) ist ein Tool zur Verwaltung, Nutzung und vor allem Begünstigung Ihres Netzwerks. Sehen Sie es als Arbeitsinstrument für geschäftliche Beziehungsarbeit. Für mich ist es eines der wichtigsten Instrumente meiner täglichen Arbeit, die als Unternehmer ganz viel mit Menschen zu tun hat. Gäbe es LinkedIn nicht, würde ich fast den ganzen Tag am Telefon hängen. LinkedIn ist enorm effizient. Damit das so bleibt, wäre es gut, wir alle würden den Anfängen der „Katzenbilderisierung“ Einhalt gebieten.

Was nun mit der Zeit?

Es ist durch die Abstinenz von Facebook & Co. viel Zeit frei geworden. Zeit die mir mehr Ruhe und Gelassenheit gibt, mehr Schlaf und mehr Zeit für meine Arbeit. Es ist als wäre ein neuer Raum aufgegangen, der darauf wartet mit Ideen und Projekten gefüllt zu werden.

Ich kann nur jeder und jedem raten genau zu evaluieren, ob sich die Zeit mit Social Media lohnt. Und dann eine persönliche Entscheidung zu fällen. Ganz so wie mit TV.

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