Digitalwirtschaft: Die Revolution wird ihre eigenen Kinder fressen.

Die Digitalwirtschaft ist gut darin, Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Was wird da den Kunden nicht alles erzählt, man müsse dies oder jenes, könne solches und anderes. Und wer jetzt nicht sofort transformiert, ist für immer verloren.

Und ja natürlich stimmt das. Die Unternehmen müssen handeln und das tun sie auch in zunehmendem Masse. Das ist gut so. Dabei vergessen die meisten Softwarefirmen und Agenturen jedoch, dass die Digitale Transformation nicht vor ihnen Halt macht. Entsprechend findet darüber in der Digitalwirtschaft kein Diskurs statt. Jetzt wo wir noch Zeit und Muße hätten.

Die Kosten müssen runter

Auch wenn aktuell viel investiert wird, dürfen wir nicht vergessen, dass es für Unternehmen noch immer sehr teuer ist, wirklich gute, umfassende (online und offline) Lösungen zu erstellen. Dabei fallen die Erstellungskosten für Lösungen zwar auch ins Gewicht. Viel heikler sind jedoch die versteckten Kosten. Der Prozess eine Lösung zu erarbeiten ist für den Kunden extrem aufwändig. Quasi von Beginn weg: Das Finden und Auswählen von möglichen Anbietern ist mühsam, technologische Integration ist kostspielig und das Fehlen von Best-Practice tut das übrige dazu.

Und wir Agenturen und Anbieter spielen da nicht gerade eine rühmliche Rolle. Wir bieten dem Kunden unsere Liefergegenstände an und das war’s. Ok, die meisten Kunden haben auch das Gefühl sie könnten und müssten etwas ganz Besonderes erschaffen – um dann doch nur das Rad neu zu erfinden. Umso teurer wird es subjektiv gesehen.

Das können wir besser!

Besser, von Anfang bis zum Schluss der Wertschöpfungskette von digitalen Lösungen. Bis jetzt sind wir eine Armee von «Einzelanfertigern». Die durchschnittliche Unternehmung ist jedoch derart im Rückstand mit der Digitalen Transformation, dass es viele «No-Brainers» gibt, die einfach mal gemacht werden müssen. Einfach grundlegende Funktionalitäten wie eine kostengünstige, standardisierte Online-Bestellmöglichkeit. Wir liefern sie aber nicht, sondern machen jeweils Riesen-Einzelanfertigungs-Geschichten daraus. Und das ist teuer und mühsam für den Kunden. Schlimmer noch, wir behindern die Kunden damit in Ihrer Digitalen Transformation. Das Ziel wäre ja eigentlich genau das Gegenteil.

Trampelpfade

Und so bewegen wir uns in den immer selben Trampelpfaden. Wir denken in Softwareherstellern, Integrationspartnern, Plattformen, Produkten und Schnittstellen. Wir können schlicht von Glück reden, hat niemand so richtig erkannt, welches Potential in diesem Markt ist und denkt und investiert von Anfang an groß und baut etwas wirklich Neues. Eine Firma die z. Bsp. direkt mit dem Kunden eine Plattform einsetzt, die Softwareprodukte baut. Ohne Entwickler.

Software die Software schreibt

Und kommen Sie mir bitte jetzt nicht damit, das sei nicht möglich. Natürlich ist es nicht möglich in unserem Denkschema. Es ist nicht möglich, außer man tut es. So haben BMW, VW und Audi auch über das Elektroauto gedacht und sie werden ihr ganz eigenes brutales Erwachen erleben, wenn Tesla den 35k EUR Volks-Stromer rausbringt. Alle ist möglich, auch Software die Software schreibt. Gute Software, bessere Software als wir es manuell könnten.

The Next Big Thing

Die grundlegende Idee dahinter ist uralt. Die Gretchenfrage: Wie schnell können wir eine Engine bauen und anlernen, die es ermöglicht, Spezifikation und Development und Produktion zu automatisieren? Was bleiben würde ist Business-Engineering, Konfiguration und Verbesserung. Mit einer solchen Lösung können Berater und der Kunde direkt, ohne den Mittelmann «Developer», Software für Ihre Zwecke produzieren. Zu einem Bruchteil der Kosten und Zeit.

Kosten der Disruption

Ich glaube es ist eine Frage der Zeit bis wir einen Player sehen werden, der sich ernsthaft daranmacht, so etwas zu lancieren. Es wäre im Besten Sinne der Digitalen Transformation. Und wir tun gerade richtig viel, damit es geschehen wird. Denn je länger wir unsere Leistungen kompliziert und teuer verkaufen, desto höher wird der Anreiz, ein krankhaft hohes Investment zu tätigen um eine 100% konfigurierbare Software-Engine zu lancieren. Reissender Absatz ist einem solchen wirklich guten Produkt gewiss.

Besser werden

Was können wir besser machen? Ich bin der letzte der hier auf Protektionismus plädiert. Was wir aber erstmal tun können um den Strukturwandel in der Softwarebranche angenehmer zu gestalten ist, dass wir diesen Anreiz für einen neuen Player diese Branche zur Disruption zu bringen, erheblich verkleinern. Z. Bsp. in dem wir die Kosten für den Kunden drastisch senken. Das tun wir indem wir viel modularer arbeiten, Best Practice für «No-Brainer» entwickeln, schneller liefern und leaner organisiert sind. Und endlich nur noch da Individuallösungen entwickeln wo diese wirklich gefragt sind.

«Wenn Software die Welt auffrisst, warum sollte sie die Softwarebranche verschmähen? »

Strukturwandel in der Softwarebranche

Sie werden denken, er hat sie nicht mehr alle, was soll denn bitte der Strukturwandel in der Softwarebranche sein. Tatsächlich ist davon noch nicht viel zu sehen. Und ich bin wohl mit meinen Ausführungen ein paar Jahre zu früh. Dass aber die Digitale Transformation vor der Software-Branche nicht Halt machen wird, muss jedem einleuchten. Es ist einfach viel zu viel manuelle Arbeit im Prozess und wir sehen in den anderen Branchen genau dieselbe Entwicklung. Anstatt also nur Digitale Transformation zu «predigen» tun wir gut daran, möglichst früh entsprechende Überlegungen und Maßnahmen in Angriff zu nehmen. Dann werden wir von der Digitalen Transformation auch nicht überrascht – wie so viele unserer Kunden. Sondern können als Branche mitgehen und daran wachsen. Sonst werden wir Opfer unseres eigenen Treibers.

t3n - digital pioneers
Dieser Artikel erschien ursprünglich im Rahmen meiner „Transformiert!“ Kolumne auf t3n.

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