Tesla und die Open Source Patente

Diese Woche wurde bekannt, dass Elon Musk praktisch sämtliche Tesla Patente frei verfüg- und nutzbar machen möchte. De fakto schafft er damit ein Open Source Modell für die Nutzung der von Tesla entwickelten Technologien. Für die einen ist diese Veröffentlichung der Patente schierer ökonomischer Unsinn, für die anderen ein weiterer, bahnbrechender, nie dagewesener Streich des Genies Elon Musk. Lesen Sie hier warum es wohl beides nicht ist.

Patent-Open-Source öffnet Tesla den Massenmarkt

Tesla baut grossartige Autos. Wer schon einmal eine Runde in einem Modell drehen durfte, weiss das. Das Problem von Tesla ist, dass die Akzeptanz von Elektroautos immer noch relativ gering ist. Viele Leute möchten sich zwar grundsätzlich ein solches Auto kaufen, zögern dann aber im Hinblick auf das mangelnde Versorgungsnetz und die im Vergleich zur Verbrennungstechnologie kleineren Reichweite. Zudem, Tesla und Musk in Ehren, geniessen die Elektro-Hersteller noch nicht das Standing bei den Kunden wie die grossen Automobilhersteller. Musk schreibt denn auch in seinem Blog:

Our true competition is not the small trickle of non-Tesla electric cars being produced, but rather the enormous flood of gasoline cars pouring out of the world’s factories every day.

Durch die Freigabe der Patente erhofft sich Tesla, dass die grossen Hersteller die Elektro-Technologie schneller voranbringen und endlich echte Elektro-Fahrzeuge auf den Markt bringen. Tesla erwachsen dadurch verschiedene Vorteile:

  1. Der Markt wird grösser, weil die Akzeptanz der Kunden steigt. Der Anteil, der für Tesla abfällt, wird auch grösser
  2. Die Innovationslast, welche Tesla bislang führend trug, wird auf weitere Unternehmen verteilt, eine Kooperation von Tesla mit den anderen Autoherstellern wird weiter begünstigt (und findet bereits heute statt). Die ganze Branche kann grössere Entwicklungsschritte machen. Das ganze Thema Electric Vehicle profitiert.
  3. Tesla muss keine Kosten für Patentstreitigkeiten aufwenden, kann also schlicht Kosten sparen

Insgesamt wird die Freigabe der Patente Tesla also helfen, ihr Business auszubauen. Es verhält sich damit nicht anders, als bei anderen Produkten, die im Open Source Spirit freigegeben werden.

Ein Patentaustausch in der Automobilbranche gab es bereits

Wer jetzt meint, das sei bahnbrechend und noch nie da gewesen irrt. In den Anfangsjahren der Entwicklung des Automobils um 1890 hat der amerikanische Patentanwalt George B. Selden das Patent für einen Motorwagen registriert, obwohl er selber bis dato gar nie ein Auto gebaut hatte. Er hielt damit de fakto das Patent auf DAS Auto und konnte den damaligen Automobilherstellern Auflagen machen und Tantiemen kassieren. Erst 1911 schaffte es Henry Ford, unter massivem finanziellem Aufwand das Patent auf den im Patentdokument festgehaltenen Zwei-Zylinder Motor zu reduzieren (den damals niemand mehr nutzte) und so die gesamte Industrie von der Bürde zu befreien.

In der Folge wurde die Automobile Manufacturers Association gegründet, welche mit allen US Autoherstellern einen freien Patentaustausch institutionalisierte. Jeder Hersteller entwickelte Technologie und meldete Patente an. Alle anderen Hersteller konnten die Patente jedoch für ihre eigenen Produkte nutzen. Bis zum 2. Weltkrieg wurden so über 600 Patente angemeldet und ohne weitere Hürden von allen Herstellern genutzt. Die US Autoindustrie konnte zu dieser Zeit so einen Technologiesprung bewältigen, welcher eine einzelne Firma wirtschaftlich und hinsichtlich des Know-Hows nicht hätte leisten können.

Genau das versucht Tesla nun mit der Freigabe der Patente wieder zu bewirken. Die Chancen stehen gut, dass dies gelingt. Vielleicht nicht heute und morgen, aber über einen längeren Zeitraum wird wohl die gesamte Automobilindustrie davon profitieren. Wie immer wenn Open Source ins Spiel kommt.

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