Die unvermeidliche emotionale Reise bei der Erreichung jeglicher großartiger Dinge.

Vor rund 2 Jahren schrieb ich einen Artikel mit dem Thema „Start-Ups. Eine Hass-Liebe“. Kernaussage dieses Artikels war, stark verkürzt, dass Durchhaltewille „Inspiration & Motivation“ sozusagen zum Frühstück essen. Seither habe ich unzählige Gespräche mit Start-Up Gründern geführt und dabei beobachtet, dass viele die zum ersten Mal gründen gar nicht so richtig verstehen, dass sich hinter dieser emotionalen Reise ein fast universelles emotionales Muster verbirgt.

(Lesedauer 5 Minuten)

Unbekannte Infografik

In meinem Büro in meinem Haus hängt seit langem ein Ausdruck dieser Infografik:

Ich habe kurioserweise bis heute nicht wirklich ergründen können, wer der oder die Urheberin ist oder auch nur das Bild angefertigt hat. (wer etwas näheres dazu weiß bitte DM). Ich war es jedenfalls nicht. Kudos an dieser Stelle für den werten „Createur“.

Mir hat diese simple Grafik immer wieder gut geholfen zu verstehen, dass das emotionale Jammertal, das man auf dem Weg zur Erreichung von großartigen Dingen erlebt, leider Gottes dazugehört.

Ich habe es oft genauso wie beschrieben erlebt; am Anfang ist man Feuer und Flamme für eine Idee. Allmählich realisiert man wo man sich damit hinbegibt und landet im Jammertal: Das Unterfangen entwickelt sich nicht so toll wie gedacht, neue Herausforderungen werden erkannt, just in dem Moment wo man sie sowieso gar nicht brauchen kann. Oft gibt es auch diese eingezeichnete Hängebrücke nicht, sie ist, so vermute ich, nur zur allgemeinen Aufheiterung der noch Ahnungslosen eingezeichnet. Meist watet man hüfttief im „dark swamp of despair“.

Das ist der „Bestcase“

Die vorherige Abbildung zeigt, wohlgemerkt, den „Bestcase“. Startups, das muss man sich bewusst sein, haben meist eine ganz andere Kurve:

Das Schlimme ist, dass man diesen katastrophalen Ausgang des Unterfangens oft vor Augen hat. Und, ganz nüchtern betrachtet, ist er dieses Ergebnis auch jenes mit der höchsten Eintretenswahrscheinlichkeit.

Wann fertig ist, entscheidet in den meisten Fällen das Emotionale

Was ich auch beobachte ist, dass Start-Up Unternehmer den emotionalen Herausforderungen des „Dark swamp of despair“ nicht gewachsen sind und, nun ja, aufgeben.

Das ist falsch, denn stimmt Strategie und die Ausgangslage, ist oft der Durchhaltewille darüber entscheidend, ob ein Start-Up langfristig erfolgreich ist oder eben nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es jeweils sehr hilfreich ist, parallel eine emotionale und eine rationale Denke getrennt zu pflegen. Das kann, je nach Persönlichkeit hilfreich sein, einfach weiter zu machen, auch wenn man das Gefühl hat, dass man völlig verloren ist. In Tat und Wahrheit ist man das nur ganz selten.

Der Krug und der Brunnen

Denn oft gibt es, schafft man es das Negative aus dem Kopf zu bekommen, erstaunlich viele Handlungsoptionen. Viele dieser Handlungsoptionen sind wahrscheinlich ein wenig unkonventionell. Ich habe es aber in der Tat ganz selten erlebt, dass Startups bei denen Strategie und grundsätzliche Eckpunkte einigermaßen stimmen, die Optionen reell ausgegangen wären.

„Meist bricht der Krug auf dem Weg zum Brunnen nicht, sondern er bleibt ganz und geht einfach nicht mehr zum Brunnen hin.“

Damit will ich nun nicht sagen, dass man sich bis zum persönlichen Niedergang für eine Sache aufopfern soll – ganz im Gegenteil eigentlich – aber es ist nach meiner Beobachtung schon so, dass in den sprichwörtlich dümmsten Situationen aufgegeben wird.

Die Spreu trennt sich vom Weizen

Fragt man Investoren, was die Hauptmerkmale sind, welche sie bei der Qualifikation eines Start-Ups berücksichtigen, wird oft das Team genannt. Ich habe – ich bin beileibe kein konventioneller Investor – genau diese Fähigkeit im Blick, wenn ich mir überlege mit wem ich für neue Start-Ups zusammenarbeite. Leute die, ganz unabhängig von Start-Ups, diesen „dark swamp of dispar“ bereits durchgehen mussten, sind in der Regel viel bessere Unternehmer. Das gilt übrigens auch für VCs, die nicht selten auch in der dümmsten Situation aufgeben. Auch hier trennt sich der Spreu vom Weizen.

The torture never stops

Man könnte jetzt meinen, dass wer diese Situation schon erfolgreich durchschritten hat, sozusagen dagegen immun ist. Dem ist leider nicht so. Ich habe in regelmäßigen Abschnitten Episoden dunkelster Stimmung hinsichtlich mindestens eines meiner Ventures durchlebt. Was mich in diesen Situationen weitermachen lässt, ist die Überzeugung, dass nur jene gewinnen, die nicht aufgeben. Es wäre schon arg gebluffed zu behaupten, das hätten dann noch mit Motivation oder Inspiration zu tun.

Und dann ist es auch nicht so, dass man nur einmal durchs Jammertal schreitet, nein, es ist oft so, dass man wieder zurück in den „dark swamp“ fällt. Besonders wenn man versucht, mit neuer Technologie neue Geschäftsmodelle am Markt zu etablieren, ist dieser Effekt besonders, naja, brutal. Wenn Sie das bei Ihrem Start-Up noch nie erlebt haben, ist das ein recht guter Indikator, dass sie nicht radikal und innovativ genug sind. Oder, dass sie zu den ganz wenigen Genies der Gründerszene gehören.

Am Anfang unterschätzt man immer alles

Warum das so ist, glaube ich ist simpel; man unterschätzt ein Unterfangen fast immer fundamental. Wenn Sie jetzt denken das ist schlecht dann glaube ich liegen sie falsch. Denn vieles würde man gar nicht beginnen, wenn man das wahre Ausmaß an Herausforderung kennen würde. Dieser Zauber des Anfangs – er ist großartig.

Nur noch zu übertreffen vom Gefühl die ganze Reise durchgegangen und das Ziel erreicht zu haben. Schafft man es, ist dieses Durchhalten das worauf man am meisten stolz ist. Und das ist nicht mehr als logisch; das Durchhalten ist die größte emotionale Leistung auf dem Weg, um großartige Dinge zu erreichen. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal kurz davor sind, aufzugeben. Ganz egal ob nun im Start-Up, im Job oder im Privaten. Wer durchzieht gewinnt. Eventuell.

 

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