In eigener Sache: Ein neues Kapitel.

Schon lange suche ich nach einem Geschäftsmodell, das in seiner Art Win-Win-Win Situationen schafft und fundamental neue Technologie nutzt. Wie oft, wenn man etwas lange sucht, merkt man erst relativ spät, dass es eventuell sehr nahe liegt. Ging mir nicht anders.

(Lesedauer: 3 Minuten)

Buchhaltung wie vor 100 Jahren

Es gibt wohl kaum eine Branche, die in den letzten Jahren weniger Erneuerung erfahren hat als die Buchhaltungsbranche. Der Markt ist intransparent, von vielen kleinen Anbietern geprägt und hochpreisig. Buchhaltung als solches wird von den meisten Menschen als komplex wahrgenommen, ist aber in Tat und Wahrheit in weiten Teilen erstaunlich banal.

Auf der anderen Seite ist Machine-Learning (ML) als Technologie und Methodik enorm unterschätzt und vor allem «unter-angewendet». Das gilt für die gesamte Software- und Digitalbranche. Ich wollte und will noch immer einen Artikel über Machine Learning schreiben. Allein, es mangelt mir an Beispielen für die Anwendung in konventionellen Applikationen. Buchhaltung und Machine-Learning teilen diese allgemeine Wahrnehmung, von wegen sie wären wahnsinnig komplex. Beide sind es aber in der Tat nicht.

execution matters

Ab Oktober: Accounto Technology AG

Und so werde ich mich ab Oktober als CEO um mein neues Startup Accounto Technology AG kümmern. Der Startschuss zu dieser Unternehmung fiel zwischen Weihnachten und Neujahr letzten Jahres, nachdem ich bereits über 2 Jahren eine kleine Buchhaltungsfirma betrieben habe. Es waren auch deren Mitarbeiterinnen, die mich im Herbst letzten Jahres gepusht haben, mich doch auch mal diesem Business zu widmen. Was ich dann, eher widerwillig, aber mit «digitalem Blick» auch getan habe. Viel Zeit habe ich in die Multi-Step-Strategie, da schreib ich bald was dazu, die Entwicklung und das Testen des Businesmodells investiert.

Erstaunlich schnell war ein Team gefunden. Mein Co-Founder und CTO Jan-Hendrik Heuing kenne ich aus der TYPO3 Community und hat vom allerersten Tag an mitgezogen. Und bisweilen mich gezogen, wenn ich nach fünf 20-Stunden-Tagen am Stück manchmal gerade überhaupt nix mehr wissen wollte von diesem Startup. Nach und nach sind alle Puzzle-Teile zusammengekommen: Mehr Mitarbeiter, neue Kunden, Investoren, Sparringpartner. Heute, gut 6 Monate später, haben wir eine Plattform, die unseren Kunden die Buchhaltung komplett abnehmen und Machine-Learning in die Buchhaltungsbranche bringen wird.

Ich bin überzeugt, dass in 5 Jahren Belege selber Verarbeiten und selber Vuchen so antiquiert ist, wie heute in ein Reisebüro zu gehen, um einen Flug zu buchen. Unsere Kunden sehen das bereits heute so. Es ist Zeit, nun viel breiter Kunden anzunehmen und unsere erste Expansion, nach Deutschland, vorzubereiten.

Digitalbranche ade?

Um Accounto richtig zu machen, muss ich schweren Herzens meine bisherige Aufgabe bei AOE an den Nagel hängen. Die Arbeit mit den @aoepeople war das bislang Beste, was ich in meinem beruflichen Leben machen durfte.

Was Founder und CEO Kian Gould bei AOE zusammen mit seinen GL-Kollegen Daniel Pötzinger (CTO), Steven Bailey (VP Sales) und Joern Bock (VP PMO) erreicht, ist herausragend. Sie schaffen es seit Jahren, mit Augenmaß und Herz ein Team zu formen und weiterzuentwickeln, das an Professionalität in der Digitalbranche nicht zu überbieten ist und dem auch ein übergreifender Spirit, trotz starkem Wachstum, nicht abhanden kommt.

Ihre Vision des selbst organisierten, agilen Unternehmens und eines „Team & Method“-basierten Geschäftsmodells halte ich für führend. AOE zeigt, auch heute mit rund 300 Mitarbeitern, dass es für diese Organisationsform gegen oben keine Grenzen gibt. Komplett verloren geht mir die AOE zum Glück nicht ganz: Ich werde für ausgewählte Projekte und Initiativen im Rahmen eines neu geschaffenen Boards weiterhin zur Verfügung stehen. Unberührt vom Jobwechsel bleibt mein Engagement im Board der TYPO3 Association und bei der TYPO3 GmbH.

Weiterhin versuche ich wöchentlich über Dinge des digitalen Lebens zu schreiben und verschiedene Stimmen zu Wort kommen zu lassen. Kritisch zu sein. Digitalisierung nicht einfach als Trend oder Buzz zu beschreiben, sondern zu versuchen, den Dingen auf den Grund zu gehen und Debatten anzustossen. Wohl oder übel werden aber auch Machine-Learning und Start-Up Themen Einzug halten. Sorry.

Und last but not least werde ich auch zukünftig partiell als Sparring Partner und Coach für Führungskräfte, Unternehmer und Digital Professionals in Sachen Strategie und Businessmodell-Entwicklung zur Verfügung stehen. Auch die rund 40 Impulsreferate letztes Jahr haben Spaß gemacht und interessante Einblicke gewährt. Und ich habe viel gelernt.

“Success is one of the possible outcomes”

Natürlich bedeutet Accounto auch erhebliches Risiko. Aber ich denke, es muss jetzt gemacht werden. Der Schlüssel zum Gelingen, das mag jetzt überraschen, liegt nicht primär in der Technologie, denn Machine-Learning-Technologie ist schon sehr viel vorhanden. Sie liegt in der Anwendung der Technologie. Ich denke, wir haben ein Modell gefunden, mit dem wir Machine-Learning extrem wirtschaftlich in die Buchhaltungsdomäne, und wohl darüber hinaus, bringen können.

Man muss bei allem Einsatz und Enthusiasmus nüchtern bleiben: Dass Accounto ein durchschlagender Erfolg wird, ist nicht gegeben, es ist nur ein möglicher Ausgang des Unterfangens. Es ist sogar eher wahrscheinlich, dass Accounto nur mäßig erfolgreich sein wird und auch eine, zum Glück, kleinere Wahrscheinlichkeit besteht, dass es für alle Beteiligten zum Desaster wird. Die Chance, dass wir mit Accounto wirklich die menschliche Arbeit aus der Buchhaltung entfernen können, ist aber zu hoch, um es nicht zu versuchen.

In diesem Sinne: Danke für das Lesen meines Blogs, es ist mir eine Ehre. Und auf zu neuen Ufern.

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6 Kommentare zu In eigener Sache: Ein neues Kapitel.

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