Tesla und der brennende Journalismus.

Es tut mir leid Sie gleich zu Beginn enttäuschen zu müssen. Dieser Artikel hier handelt nicht wirklich von Tesla. Er handelt von Journalismus, von der individuellen Beurteilung von Informationen und von einem Geschäftsmodell, das immer mehr auf Grund läuft. Und von den Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.

(Lesedauer 5 Minuten)

Ein Unfall. Ein Feuer. Ein Elektroauto

Tesla bekommt seit einiger Zeit in den Medien sein Fett weg. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Meldung zu allen möglichen Themen rund um Tesla zur Geschichte gemacht wird. Welche Blüten das bisweilen treibt, zeigte sich exemplarisch am Beispiel eines tragischen Unfalls in der südlichen Schweiz.

Ein Tesla eines Mannes aus Deutschland kollidierte mit der Strassenbegrenzung, das Auto fing Feuer und brannte aus. Der Fahrer kam dabei ums Leben. Ein, man muss das so schreiben, leider ganz gewöhnliches Vorkommnis. Auf unserem Planeten sterben pro Jahr rund 1.25 Mio Menschen im Verkehr. Pro Stunde rund 140.

Früh am Morgen des 15. Mai hatte das Schweizer Gratis-Blatt «20Minuten» eine Meldung der Schweizerischen Depeschen Agentur übernommen. Titel: „Brannte der Tesla wegen einem überhitzten Akku?“

In diesem Artikel stand an jenem Morgen:

„Der tödliche Unfall auf der A2 im Tessin von letzter Woche könnte laut der Feuerwehr von Bellinzona durch die Batterie im Tesla ausgelöst worden sein.“

Dumm nur, genau das hatte die Feuerwehr mit keinem Wort gesagt. Sondern:

Sinngemäß übersetzt:

«10. Mai – # Autofeuer auf der Autobahn.

Im Einsatz vom vergangenen Donnerstag wurden unsere freiwilligen Feuerwehrleute mit einem Elektrofahrzeug in Flammen konfrontiert. Der heftige Aufprall von Lithium-Ionen-Batterien könnte wahrscheinlich ein Phänomen namens #thermalrunway verursacht haben, das einen gleichmäßigen und unaufhaltsamen Temperaturanstieg bedeutet.

Einen interessanten Einblick in das Thema gibt es unter http://antincendio-italia.it/il_risk-incendio-nei-veico…/ #firefighting #anticendio #pompieri»

 

Die Kausalität ist in dieser Sache von entscheidender Wichtigkeit

Die Kausalität zwischen Unfall/Kollision des Fahrzeugs und des Feuers entscheidet hier über eine journalistische Sensationsmeldung oder über einen (leider) ziemlich normalen Vorfall.

Denn so wie es im Artikel anfangs dargestellt wurde, wäre der Akku der Auslöser des Unfalls: Man muss sich das mal vorstellen; man fährt also in so einem Auto mir nichts Dir nichts und plötzlich bricht ein höllisches Feuer aus, in dem man im Auto gefangen qualvoll verbrennt. Das ist ein Skandal – eine ungeheuerliche Sache.

Oder, stellt man es so dar wie von der Feuerwehr gezeichnet, ist die Kollision selber der Auslöser des Unfalls. Man baut also einen Unfall welcher mit einem heftigen Aufprall einhergeht, das Auto beginnt in der Folge zu brennen und der Fahrer stirbt. Ein ziemlich normaler Unfall, wie schon erwähnt sehr bedauerlich und tragisch, aber heute in der Regel keine Meldung in nationalen Medien wert. Weil es, so hart das tönt, niemanden interessiert.

Schluddrige Arbeit oder bewusstes Verdrehen?

Die Frage, die sich mir und anderen an diesem Morgen stellte war, warum der Autor diesen Artikel so publiziert hatte. War es einfach eine Copy-Paste Aktion des SDA Rohmaterials oder hat der Schreiber dieses Artikels ebendiesen bewusst verschärft.

Es gibt wohl für beides gute Gründe. Vielleicht war es auch eine Mischung aus beidem. Der Artikel wurde in verschiedener Ausprägung auch in anderen Medien publiziert. Einzig die NZZ hat sich am Morgen des 15.5. offensichtlich die Mühe gemacht, die Dinge zu hinterfragen und einen weitgehend den Tatsachen entsprechenden Artikel zu publizieren.

Man konnte und kann an den Kommentaren zu den Artikeln sehen, dass die Leser zu Recht empört über den Unfall waren. Zu Recht in dem Sinne als, dass die Version, die sie wahrgenommen hatten jene ist, dass das Auto selbst (resp. eben die Batterien) am Umfall schuld war. Auch wenn das nicht so war.

Es sind ganz kleine feine Unterschiede die eine lahme Story zu einer großartigen Story machen

Dadurch, dass Tesla polarisiert und fast niemand keine Meinung zu Tesla hat, ist der alleinige Umstand, dass Tesla im Titel des Artikels steht, ein Garant für erhöhten Traffic (sprich Leserzahlen). Das wird übrigens mit dem Artikel, den Sie hier gerade lesen nicht anders sein. Alles mit Tesla im Titel wird stark geklickt.

Warum die Medien, und es scheint kein Blatt vor dieser Versuchung gefeit, am laufenden Band positive wie negative Artikel zu Tesla bringen, hängt stark damit zusammen. Was Klickzahlen noch erhöht und worauf alle die im Internet publizieren scharf drauf sind ist, wenn ein Stück Content stark geteilt wird. Stark geteilt wird, was entweder extrem toll, extrem süß oder ein extremer Skandal ist. Tesla trägt zu diesem Effekt natürlich seinen Teil dazu bei, indem sie bewusst oder unbewusst, alle drei Genres immer wieder bedienen.

Journalistisch sauber ist das alles nicht

Dieser Fall zeigt meiner Meinung nach exemplarisch, was im heutigen Journalismus falsch läuft. Die Dinge werden, ob jetzt bewusst oder unbewusst spielt erstmal keine grosse Rolle, verdreht, in kleinen Details abgeändert.

Wenn ich mich nicht intensiv mit dem Elektroauto auseinandergesetzt hätte, ich hätte nach 50 Sekunden Durchfliegen des 20 Minuten Artikels das Gefühl, diese Autos sind sprichwörtlich brandgefährlich und eine echte Gefahr für alle (guck mal wie das Ding lodert!). Schwierig ist eben: Ich kann erst mit erheblichem Fachwissen erkennen, dass der Artikel ein falsches Bild vermittelt.

Es ist nämlich so, dass Elektroautos im Schnitt weniger brennen. Wenn sie brennen beginnen sie sehr langsam zu brennen, man hat also viel Zeit das Auto zu verlassen – sofern man nach einem Unfall dazu körperlich noch in der Lage ist. Wenn Elektroautos aber einmal richtig brennen, können sehr intensive und schwer löschbare Feuer entstehen. Dieser von der Feuerwehr beschriebenen «thermal runaway» ist mit dafür verantwortlich. Weiter spricht vieles dafür, dass das Auto mit sehr hoher Geschwindigkeit unterwegs war, denn ein Tesla kann sich durch den sehr niedrigen Schwerpunkt praktisch nicht überschlagen. Das ist mit ein Grund, warum Teslas zu den sichersten Autos auf dem Markt gehören und regelmässig die besten Ratings bekommen. All das ist nicht einfach greifbar, ohne dieses Wissen, ich wiederhole mich, hätte ich die Story vom brennenden Todes-Elektro wahrscheinlich sofort gekauft (und geteilt).

Was ist mit den Dingen, bei denen ich mich nicht auskenne

An dem Punkt ist es mir am Morgen des 15.5. doch kalt den Rücken runtergelaufen. Was ist, wenn ich andere Artikel lese, die von Dingen handeln über die ich kein vertieftes Wissen habe? Ich tendiere dazu das in Artikeln gezeichnete Bild zu glauben. Wird dieselbe Geschichte in verschiedenen Artikeln in verschiedenen Publikationen erzählt unterstützt das diesen Effekt zusätzlich.

Dieses Vertrauen in die Medien fusst auf der Narrative, dass der Journalismus eine grundsätzlich Hehre, weil der Wahrheit und Sache verpflichtete, Kaste sei. Und vielleicht war sie das auch wirklich einmal – ich denke aber heute ist das nicht mehr so. Denn es ging dem Journalismus das Geld aus.

«Es ist immer einfach, unabhängig und kritisch zu sein solange genug «Fxxx-you-money» vorhanden ist.»

Im Journalismus muss heute Geld verdient werden und das verdient man bei Volumenblättern in großem Masse durch – Klicks.

Ein System das «Fake news» begünstigt

Hören wir «Fake news» denken wir oft an komplett falsche Meldungen und an Donald Trump der den Begriff für sich gepachtet hat und jede kritische Einschätzung direkt als Fake-News abtut. Das ist schade.

Verheerend sind in der Tat Geschichten wie diese über den brennenden Tesla. Eine kleine Verschiebung der Faktenlage – ohne dass man so genau sagen kann, ob das nun absichtlich geschah oder nicht – und schon wird ein komplett anderes Bild gezeichnet. Viele Tesla-Fans sind der Meinung, dass sich die Medien gegen Tesla verschworen hätten und/oder Tesla schlechtschreiben müssten, weil die traditionellen Hersteller ihnen das bewusst oder unbewusst mit ihren großen Werbeetats aufdrängen würden. Ich halte das für völligen Schwachsinn. Es ist viel simpler: Der Journalismus braucht schlicht und einfach die Klicks und das Geld. Tesla ist dafür ein idealer «Partner».

Bonus für Klicks

In welche Richtung das geht, können wir zum Beispiel an einem Versuch den Tamedia, ein Medienhaus in der Schweiz letztes Jahr startete: Mitarbeiter sollen für die meistgelesenen Artikel einen Bonus bekommen. Mark Eisenegger, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Zürich lässt sich in einem Radiobeitrag des SRF folgendermaßen zitieren: Er befürchte, dass vor allem der Anreiz darin besteht, die Titel zuzuspitzen und zu übertreiben. Eisenegger weiter: «Geschichten, die vielleicht gar nicht so wahnsinnig dramatisch sind, würden effekthascherisch aufbereitet.»

Dieser Versuch, von dem ich übrigens nicht weiß wie er für Tamedia ausging, zeigt exemplarisch wo sich die gesamte Branche hinbewegt. Auch große Häuser, wie zum Beispiel der Spiegel, scheinen davor nicht gefeit. Ob sie Ihre Mitarbeiter Prämien ausrichten oder nicht ist dabei zweitrangig. Wenn die Zahlen das sind, was zählt und nicht mehr diese Debattenführerschaft wie vor ein paar Jahrzehnten, dann ersetzt der Hype und das Spektakel systematisch den thematischen Tiefgang.

Auf in etwas Neues

Da stehen der Journalismus und die Medien immer schräger in der Landschaft. Viel Glaubwürdigkeit ist mittlerweile in der breiten Bevölkerung verloren gegangen. Aber wer offen diese Punkte anspricht – so wie ich es gerade tue – wird allzu schnell in die Trump-Ecke geworfen. Und, dass das auch gesagt sei; natürlich gibt es den rechtschaffenden Qualitätsjournalismus auch noch. Und viele gute Leute.

So wie zum Beispiel Peter Knechtli mit seinem Portal Online Reports in der Region Basel. Einer der ersten Journalisten, der sich in der Schweiz ins Internet wagte und der bis heute mit qualitativ hochwertigen, differenzierten Artikeln von sich Reden macht. Damit anständig viel Geld verdienen kann man wahrscheinlich nicht. Schon nur, weil man nicht gleichzeitig ambitionierter Unternehmer und der Sache verpflichteter Journalist sein kann.

Ich denke die Medien müssen sich neu gebären. Mich erstaunt nicht, dass nur wenige Medien-Startups den Weg in die Realität finden. Es ist nicht leicht sich vom Alten zu lösen und komplett neue Modell zu erfinden in dem Bereich. Ein Vertreter dieser Gilde ist REPUBLIK, ein Online-Magazin, das ohne Werbung finanziert ist und 3 Artikel pro Tag veröffentlicht. Qualität: sehr hoch. Ob das die Zukunft ist? Fraglich. Ob es für die Medien und den Journalismus wie wir mit ihnen aufgewachsen sind überhaupt eine Zukunft gibt? Sehr fraglich. Ob es diese Zukunft geben muss? Überhaupt nicht. Alles kann nichts muss.

«Wir brauchen weder Medien noch Journalismus – wir benötigen aber sehr wohl einen faktenorientierten und -basierten, ehrlichen, gesellschaftlich breit aufgestellten Diskurs. Wenn der in Zukunft bidirektionaler, demokratischer stattfinden kann, umso besser»

Wie wir dahin kommen, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Meine Einschätzung ist, dass wir zuerst noch viel tiefer fallen müssen als Gesellschaft. Bis auch der oder die Hinterletzte begriffen hat, das man sehr wohl seine eigene Meinung haben darf – eigene Fakten aber nie verhandelbar sind.

Tesla brennt

Und zu guter Letzt; um Tesla mache ich mir keine Sorgen. Zum einen, weil bei Tesla eigentlich alles immer irgendwie gut aufgeht, wenn mal das Drama überstanden ist. Zum anderen, weil Tesla enorm von der (ob jetzt negativen oder positiven) Coverage profitiert. Diese Media-Attention zu kaufen wäre für Tesla unmöglich.

Elon Musk, CEO von Tesla, weiss das genau – und er befeuert dieses Spiel, bewusst oder unbewusst sei mal dahingestellt, mit schöner Kontinuität. Just als ich den Artikel fertig habe, twittert Musk über die Medien und wie falsch alles laufe, füttert die Narrative, dass die Big Oil und Big-Car Firmen die Anzeigen bezahlen und alles beeinflussen. Und spielt mit dem Gedanken eine Anti-Fake-News Plattform zu lancieren.

Viel mehr Öl kann er nicht ins Feuer gießen. Wenn er den Strom von schlechten und überzeichneten oder gar falschen News ernsthaft reduzieren will, muss er mit solchen Aktionen aufhören. Dem Feuer, um bei der Analogie zu bleiben, sozusagen die Nahrung entziehen.

20Minuten hat den erwähnten Artikel seit dem 15.5 verschiedene Male angepasst. Nun steht da: «Der Todesfall auf der A2 im Tessin von letzter Woche könnte mit der Batterie des Autos zu tun haben. Die Polizei ermittelt weiterhin.» Änderungen eines bestehenden Artikels sind bei 20Minuten also locker auch ohne Kennzeichnung möglich. So geht Journalismus heute.

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12 Kommentare zu Tesla und der brennende Journalismus.
  1. Frank Antworten

    @Wolfgang Jenne Nicht nur ‚weniger oft‘ sondern die Gefahr, dass andere Autos durch auslaufende Kraftstoffe Feuer fangen, und sich dadurch (z.B. in Parkhäusern eine fatale Kettenreaktion einstellt, ist geringer.

    Es brennt also seltener, der Brand entwickelt sich langsamer – und das Risiko für die Umgebung ist geringer.

    Es spricht alles für Akku, und sehr viel gegen Benzin und Diesel als Energieträger.

    Ein Punkt noch, den ich aus mehreren Schulungsunterlagen für Feuerwehren entnommen habe: wenn Lithium Ionen Akkus brennen, lässt sich das Feuer zwar mit Wasser allein schwieriger löschen, aber wenn die Feuerwehr vorbereitet ist, und entsprechende chemische Zusätze beimengt, gehr das genauso unproblematisch, wie das Löschen von Benzin/Diesel Bränden. Oftmals verzichtet man aus Umweltgründen auf die chemische Zusätze, und lässt das brennende Fahrzeug kontrolliert abbrennen – ein Totalschaden ist es zumeist sowieso in dem Moment, wo es Feuer fängt.

    Auch mich hat die zitierte Überschrift des sda enorm geärgert, weil suggeriert wurde, dass die Ursache (!) für den Unfall im Akku zu suchen wäre – ganz so, als könne dieser das Auto gegen die Leitplanke lenken.

    Und, noch schlimmer, viele Medien haben (ich wage das so zu behaupten) absichtlich ihrerseits die Artikel in Richtung Clickbait ‚angespitzt‘, indem sie die Information, dass der Tesla mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war, einfach unter den Tisch fallen lassen haben.

    Gleich mehrere deutsche Online Medien bezogen sich auf die Schwäbische Zeitung als Quelle, und haben, ‚Fehler‘ 1, es vermieden die Quelle zu verlinken, und, ‚Fehler‘ 2, dann haben sie die Information über die zu hohe Geschwindigkeit nicht übernommen.

    So funktioniert Clickbait.

    PS: Tage später stellte ich fest, dass das Mnager Magazin zu den Tesla Zahlen den selben Artikel mit zwei Überschriften veröffentlicht hat. Um kurz nach 08:00 Uhr morgens mit einer eher neutralen, sachlichen Überschrift, die allerdings um etwa 10:30 Uhr deutlich schärfer formuliert wurde, sachlich hart an der Grenze zur Unwahrheit, so dass sie deutlich mehr Aufmerksamkeit – und Klicks – produzierte.

    Ein Journalist, zumal ein Profi, der sich der verwendeten Wörter bestens bewusst sein dürfte, ändert nicht aus Versehen eine Überschrift – im Gegenteil: er weiß genau, warum er das tut. Und wenn diese dann ‚reisserisch‘ ist, dann hat das einen konkreten Grund.*

    Ich glaube, da muss man nicht raten: Mehr Einnahmen durch Werbung.

    Ich empfinde das Vorgehen tagtäglich als sehr schlimm, weil solche ‚Storys‘ das grundsätzliche Vertrauen in die Medien untergraben.

    Und auch in diesem Punkt stimme ich Ihnen zu: wer von einem Thema viel versteht, rauft sich täglich vor Ärger die Haare, wenn er sieht, welch hanebüchene Halbwahrheiten von Journalisten verarbeitet werden.

    * Simples Beispiel: wenn nahezu jedes von den Medien besprochene Auto (ob E-Auto oder Verbrenner) in der Überschrift zum „Tesla-Killer“ (oder Herausforderer, etc) stilisiert wird, dann macht das der Journalist ganz bewusst – weil er die Story ‚verkaufen‘ will, mehr Aufmerksamkeit, mehr Klicks, mehr Geld.

    Man muss nur irgendwie ein Tesla oder Apple in der Schlagzeile unterkriegen, und schon klickt es wie wild.

    Am Ende aber fühlen sich die Leser ‚veräppelt‘, und mittelfristig und langfristig wird sich, davon bin ich überzeugt, so eine Verzerrung von Informationen einer höheren Zahl von Klicks wegen bitter rächen.

    Schönen Abend, und danke für den Artikel. Sehe das genauso kritisch.

  2. Martin Antworten

    Ein toller Artikel – nicht übertrieben oder zugespitzt! Ich würde sagen – schlichtweg die Wahrheit!

    Sobald man sich mit irgendeinem Thema tiefer beschäftigt und etwas Hintergrundwissen besitzt – erscheinen Berichte in den Medien immer öfter als oberflächlich und schlecht recherchiert, halbwahr und gekonnt dramatisiert!

    In dem kleine Details verändert werden und Wahrheiten weck gelassen werden – mittlerweile gibt es nicht mehr Wahrheit oder Lüge, sondern eben auch eine Mischung von beiden – Halbwahrheit!

    Ist nicht gelogen also raus damit in die weite Welt!

  3. Daniel Besmer Antworten

    Vielen Dank Alain, für deine treffende Analyse der aktuellen Entwicklung in grossen Teilen der Medienlandschaft.

  4. Denis Matt Antworten

    Nun, bei Elektroautos sind die Leute einfach noch unsicher oder haben schon eine vorgefertigte Meinung, welche sie vehement verteidigen. Ich denke ein Autokauf ist etwas sehr emotionales. Oft entscheidet man sich für das althergebrachte, was für viele andere Fälle sicher gut ist.
    Interessanterweise wird bei Akkubränden immer alles gleich sehr häufig in den News kommuniziert. Es käme ja auch niemandem in den Sinn da gross Fragen zu stellen wenn ein Benzinauto aufgrund eines technischen defekts plötzlich zu brennen anfängt. Man nimmt das Risiko einfach hin.
    Oft gibt es auch verzerrte oder falsche Meldungen bezüglich seltener Erden in Elektroautos oder über das autonome Fahren.

  5. P. Grolig Antworten

    Endlich einmal ein Artikel, der mir voll und ganz aus der Seele spricht. Schon öfters habe ich kommentiert, dass in Deutschland der Journalismus neuerdings per Fern-Hilfs-Akademien gelehrt wird. Das Ergebnis, mit dem wir tagtäglich zugeschissen werden, lässt dies vermuten. richtiger, investigativer Journalismus ist out in den deutschen Medien. Copy and paste ist in.Dass die Intelligenz dabei schon lange auf der Strecke blieb, merken wir leider erst jetzt, da fast alles verloren ist.

  6. Florian Zerfaß Antworten

    Medienkritik ist absolut wichtig, sage ich als Redakteur einer deutschen Sonntagszeitung. Aber diese hier ist leider komplett substanzlos. Wer Medien dafür schelten will, schlecht recherchiert oder absichtlich verdreht zu haben, der sollte selbst saubere Fakten haben. Und die haben Sie nicht. Weil Sie selbst ein kleines Detail nicht recherchiert oder unterschlagen haben: Die Feuerwehr hatte zunächst selbst auf die Batterie verwiesen, das Posting dann aber wieder gelöscht und durch ein neues ersetzt.

    Kann man internetweit nachlesen, z.B. hier: https://www.n-tv.de/panorama/Feuerwehr-zieht-Batterie-Theorie-zurueck-article20434480.html

    „Verwirrung gibt es hinsichtlich der Frage, ob die Batterie des Tesla den Brand nach dem Aufprall beschleunigt haben könnte. Diese Mutmaßung stellte die zuständige Feuerwehr von Bellizona im Kanton Tessin in einem ersten Facebook-Eintrag auf. Wenig später löschten die Rettungskräfte den Beitrag wieder und ersetzten ihn durch einen neuen.“

    Die Prämisse, auf der alles aufbaut – dass die Medien Dinge in einen Feuerwehr-Post hineininterpretiert hätten, die dort gar nicht standen – ist schlicht falsch. Und so werden es auch die nachfolgenden Ausführungen, was man an diesem Beispiel angeblich alles sehen kann.

    Die Berichterstattung über den Tesla-Brand hat NICHTS mit einem System zu tun, das Fake News begünstigt, NICHTS mit Fuck You-Money, NICHTS mit Klickhatz. Das sind alles falsche Schlussfolgerungen basierend auf der falschen Prämisse. Mag ja sein, dass es manche dieser Entwicklungen tatsächlich gibt, die Berichterstattung über den Tesla-Brand taugt aber nicht als Beispiel dafür.

    • Alain Veuve Antworten

      Lesen Sie den Artikel bitte nochmals genau. Es sind eben genau diese feinen Unterschiede die eine ganze Geschichte drehen können. Nochmals im tl;dr Modus:

      Im Lead-In des Artikels stand am Anfang (Morgen des 15.5.) „Der tödliche Unfall auf der A2 im Tessin von letzter Woche könnte laut der Feuerwehr von Bellinzona durch die Batterie im Tesla ausgelöst worden sein.“ Der Facebook-Post der Feuerwehr stellt diese Frage weder in den Raum noch gibt sie das Statement ab, dass die Batterie der Auslöser für den tödlichen Unfall wäre. Das ist schlicht falsch. Den Lead-In so zu gestalten und darunter die Originalaussage zu posten ist schlicht und einfach nicht korrekt weil er die Kausalität Aufprall->Batterieschaden->Brand umkehrt.

      Der Beitrag der Feuerwehr, das habe ich für die Leser ja übersetzt, beschreibt, dass eventuell ein „Thermal Runayway“ für die Intensität des Feuers verantwortlich war. Das liegt auf der Hand und ist auch völlig korrekt. Die Kausalität ist korrekt wiedergegeben. Sogar ausformuliert.

      Warum die Feuerwehr den Post gelöscht hat entzieht sich meiner gesicherten Kenntnisse. Ich selber hätte aber dasselbe getan, weil wenn ich falsch zitiert werde, würde ich eine Richtigstellung verlangen. Dadurch, dass alle Beiträge von der SDA und untereinander abgeschrieben waren, wäre mir das zu mühsam und umständlich. Das naheliegendste wäre für mich gewesen, den Post zu löschen und Schwupp verschwindet er aus allen Artikeln, weil ja nur verlinkt. Ich habe das geahnt und an diesem morgen einen Screenshot gemacht. Leider habe ich es versäumt vom ganzen Artikel immer wieder Screenshots zu machen – weil ich gar nicht davon ausging, dass Artikel einfach so mir nichts dir nichts geändert werden. Ich habe mir aber verschiedene Passagen, wie die erste Version des Lead-Ins, rauskopiert.

      Wie ich geschrieben habe, bin ich mir nicht sicher ob Schluddrigkeit oder Absicht hinter diesem Fehler steht. Beides ist fundamental schlecht. Wenn mir jetzt noch jemand sagt, solche Details wäre einfach zu übersehen, dann akzeptiere ich das von Leuten welche nicht täglich mit Sachverhalten und Texten zu tun haben. Dieses Mindestmaß an Reiseflughöhe sollte jeder der etwas öffentlich publiziert mitbringen.

      Wenn Sie denken, das ist ein Einzelfall dann täuschen Sie sich. Es gibt z. Bsp. massenweise Berichterstattung zu den Finanzen von Tesla wo der Quartalsverlust mit dem Cashdrain verwechselt wird und daraus ein falscher Runway von Tesla extrapoliert wird. Das sind alles keine Details, wer über diese Dinge schreibt, sollte sich auf der Baseline damit auskennen.

      Tesla ist nur ein Beispiel unter vielen. Dieselben Dinge passieren auch mit anderen Stories. Das ist kein Tesla-typisches Phänomen. Wir können natürlich weiterhin so tun als wäre das nicht so wichtig oder einfach großzügig sagen stimmt gar nicht. Ich glaube aber zu sehen, dass das Vertrauen auch von Leuten die noch nie einen Aluhut auf hatten laufend schwindet. Selbst Leute die noch vor 2 Jahren z. Bsp. große renommierte Tageszeitungen ernst genommen haben zweifeln mittlerweile ganz offen, ob das was sie lesen „so stimmen kann“.

  7. Alex Meyer Antworten

    Danke für diese sehr anschauliche Darstellung, wie Online-Journalismus heute oft die Fakten verdreht um Werbeeinnahmen/Klicks zu generieren.

    Beide Daumen rauf für diesen Artikel!

  8. Wolfgang Jenne Antworten

    Vielen Dank Alain für diesen Artikel. Das spricht mir aus der Seele. Das ist es exakt was mich seit Jahren an der aktuellen Berichterstattung stört.

    Eine weitere Tendenz ist die fehlende Neutralität. Auch bei Artikeln die sich tiefer mit einer Thematik beschäftigen wird praktisch immer Stellung bezogen. Es wird dann das Thema so hingestellt wie es die aktuelle Meinung des Autors ist. Auch das erschwert die Meinungsbildung von Leuten die sich nicht so sehr mit den jeweiligen Themen beschäftigt haben.
    Von einem Journalisten würde ich aber etwas Differenzierung erwarten. Die möglichst neutrale Gegenüberstellung von Meinungen und Fakten.

  9. Maximilian Reingruber Antworten

    Guten Morgen, Herr Veuve,

    „Es ist nämlich so, dass Elektroautos im Schnitt weniger brennen. Wenn sie brennen beginnen sie sehr langsam zu brennen, man hat also viel Zeit das Auto zu verlassen – sofern man nach einem Unfall dazu körperlich noch in der Lage ist.“

    Ist das wirklich so? Ich würde das nicht so leichtfertig behaupten, da
    1) die Datenbasis für Elektroautos gar nicht da ist, weil noch zu wenige laufen
    2) die Datenbasis nicht vergleichbar wäre, weil
    a) Elektroautos aufgrund geringerer Reichweite weitaus weniger auf Autobahnen (Unfälle mit hoher Geschwindigkeit -> hohe Brandgefahr) unterwegs sind und
    b) Bei den Verbrennern Generationen an Fahrzeugen unterwegs sind, die die Sicherheitseinrichtungen moderner Fahrzeuge nicht besitzen.

    Im übrigen beginnt ein Verbrenner auch „sehr langsam zu brennen“. Die Explosion eines Kfz ist in Hollywood beheimatet.

    Viele Grüße
    MR

    • Alain Veuve Antworten

      Ja natürlich ist das so. Da gibt es verschiedene herstellerunabhängige Studien und Untersuchungen dazu. Das ist nicht leichtfertig behauptet, ich habe mich damit sehr tief auseinandergesetzt, schon nur aus Eigeninteresse. Ich kann gerne mal einen Artikel darüber schreiben mit allen Quellen etc. Hätte den Rahmen dieses Artikels jetzt gesprengt, zumal es ja auch nicht wirklich darum geht hier.

    • Wolfgang Jenne Antworten

      Da gibt es selbstverständlich schon Daten. Wenn auch noch nicht im gleichen Umfang wie bei den Verbrennern. Schauen Sie mal hier:
      https://autorevue.at/ratgeber/statistik-brennen-elektroautos

      Kurze Zusammenfassung: Fahrzeugbrände werden in Brände pro Milliarden km gemessen. Teslas brennen so gemessen 45 Mal weniger oft wie Verbrenner.
      (Natürlich muss man dies statisch relativieren, aber die Grundaussage „weniger“ kann man auf jeden Fall machen)

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