Tech Companies: Jede Flasche braucht einen Deckel!

Ich werde oft gefragt, was in einer Tech Company wie einer Internetagentur oder einem Tech-Produkt-Startup wichtig sei, um erfolgreich zu sein. Nachdem ich viele solche Unternehmen begleitet und in ein paar gearbeitet habe, denke ich, es gibt eine Reihe von Faktoren, welche sehr wichtig sind. Sie sind jedoch eher allgemeiner Natur wie z. Bsp. gute Mitarbeiter, Qualitätsbewusstsein, Time to Market, Rationalisierung über Technologie und so weiter. Von grundlegender Wichtigkeit ist jedoch das Gründerduo.

(Lesedauer 4 Minuten)

Die Sache mit der Flasche und dem Deckel

Vergleicht man die Unternehmen, auch die bekannten und großen, die in den letzten Jahren extremen Erfolg hatten, fällt auf, dass es in solchen Firmen stets 2 Führungspersonen gibt, die sich gegenseitig ergänzen und die nur zusammen wirklich erfolgreich sein können. Ich nenne sie die Flasche und der Deckel. Zwar ergibt ein Deckel und eine Flasche auch unabhängig voneinander einen gewissen Sinn, aber so wirklich durchschlagend ist nur die Kombination.

Ich denke, diese beiden Teile gehören in der Führung eines Tech-Unternehmens dazu:

Business-Person
Die eine Person eines solchen Duos ist ein begabter Business-Mensch. Er zieht seine Motivation aus dem, wie sich das Business entwickelt (bitte nicht mit Geld verwechseln). Er gestaltet gerne Organisationen, sieht gerne Menschen zu Teams zusammenwachsen. Er erkennt am Markt Möglichkeiten und Limits und weiß diese Erkenntnisse für sein Unternehmen einzusetzen.

Tech-Person
Die andere Person dieses Duos ist ein begabter Tech-Mensch. Er hat Freude an der Technologie, an Herausforderungen und viel mehr an Lösungen, die er und das Team erarbeitet. Er könnte gedanklich auch gut damit leben, wenn seine Lösungen kein Geld abwerfen würden. Er findet auf die Fragen des Business-Mensch Antworten und liefert Lösungen.

Prominente Beispiele

Es gibt für solche Konstellationen ganz viele prominente Beispiele. Z. Bsp. Jobs & Wozniak, Gates & Ballmer, Hewlett & Packard, Page & Schmidt, Zuckerberg & Sandberg und so weiter. Es zieht sich fast wie ein roter Faden durch die Tech-Welt.

Aber auch bei unbekannteren Firmen ist das so. Sehen Sie sich um: Praktisch alle größeren Agenturen sind aus einer solchen Konstellation entstanden. Und die Agenturen, die trotz des massiven, Jahre anhaltenden Booms auf der Stelle verharren, haben in den allermeisten Fällen eine Konstellation, wo eben Flasche und Deckel nicht aufeinander passen. Denn sobald eine Person der anderen in Talent, Effort oder Drive nachsteht beginnt es schwierig zu werden.

Das heißt jedoch nicht, dass die Firmen nicht funktionieren würden. Aber durch die Decke schießen tun sie eben auch nicht.

Wenn mich heute jemand fragt, warum seine Agentur nicht weiterkommt, gucke ich mir zuerst diese Konstellation an. Ist sie nicht ideal, sind meist jegliche anderen Anstrengungen erstmal vergebene Liebesmühe. Das hört niemand gerne, ist aber so.

Wer ist nun Flasche, wer Deckel?

Die Analogie zur Flasche, die ja als Begriff nicht gerade für Exzellenz steht, ist natürlich bewusst gewählt. Denn auch in Zeiten, in denen zum Glück Tech und Business nicht mehr gegeneinander kämpfen (an dieser Stelle Grüsse bitte an den Wasserfall), halten sich die meisten Tech-Leute für den Business-Leuten überlegen. Und umgekehrt. Und sie liegen damit ja grundsätzlich richtig. Tatsächlich kann das Gegenstück im Bereich des anderen kaum was ausrichten. So hält sich heimlich jeder für den Deckel und den anderen für die eigentliche Flasche.

Was diese Partnerschaft trotzdem erfolgreich macht ist, dass sie einen Weg gefunden haben, einander zu respektieren und zu verstehen. Entsprechende Kompromisse zu machen, die ihre gemeinsame Sache besser machen. Das halte ich für eine Art Erfolgsgeheimnis.

Talent-Singularität gibt es nicht

Auch wenn es gegen außen manchmal so scheinen mag, als würde es Leute geben, die überragende fachliche wie auch unternehmerische Fähigkeiten auf sich vereinen, so glaube ich nicht daran. Ich habe es schlicht noch nie gesehen. Zwar sind Unternehmer sehr wohl in der Lage mit der Zeit fachliche Zusammenhänge zu durchdringen, so wie auch Fachleute im Stande sind mit der Zeit gute unternehmerische Entscheidungen zu fällen.

Aber so richtige Experten werden sie nicht. Das kommt für mich daher, dass es für die beiden Bereiche ganz unterschiedliche Veranlagungen braucht. Es ist in gewisser Weise das klassische Intro- vs. Extrovertiertheit-Ding. Natürlich, wie immer, mit Abstufungen und Ausnahmen.

Und wenn die Firma wächst?

Wächst die Firma, müssen solche Unternehmensleiter sich nicht große Sorgen machen. Die Mitarbeiter lernen von dieser Zusammenarbeit intuitiv und verhalten sich über lang und kurz ähnlich. Diese Kultur wird dem Team gewissermaßen eingeimpft. Wie so vieles andere auch.

Nicht nur Tech-Unternehmen

Durch das Begleiten von Start-Ups, auch im Non-Tech-Bereich, weiß ich, dass solche Partnerschaften auch z. Bsp. in traditionellen Handwerksbetrieben erfolgsversprechend sind. Wie viele Kleinunternehmen gibt es die von einem Fachmann gegründet wurden und in denen aber der Ehepartner für den administrativen Teil schaut. Viele dieser Handwerker kämen ohne ihre Frauen, die eben auf Preise, Kalkulation, Mahnungen, Kundendienst und Werbung achten, nicht wirklich weit.

Mein Rat

Daher ist die Antwort auf die Frage nach dem grundlegenden Erfolgsfaktor für den Start einer Tech-Company recht einfach: Sind Sie der Unternehmertyp, suchen Sie sich eine Fachperson. Sind Sie ein Techie, suchen sie sich einen Verkäufer. Damit ist ein Grundstein gelegt. Ein Garant für Erfolg ist es jedoch natürlich nicht. Es ist vielmehr die Basis, auf der Sie alles andere aufbauen müssen. Dinge wie: „Mitarbeiter, Qualitätsbewusstsein, Time to Market, Rationalisierung über Technologie und so weiter.“

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