Ein paar persönliche Gedanken zu den Entwicklungen der letzten Wochen im TYPO3-Universum!

An der 10. General Assembly der TYPO3 Association (T3A) von letztem Dienstag in Essen wurde für eine Professionalisierung der Strukturen der Association und ganz allgemein für einen stärkeren Business Background im TYPO3 Projekt gestimmt. Da ich in den letzten Tagen von vielen Leuten kontaktiert wurde, sich Fragen auftun und anscheinend meine Meinung und Sicht gefragt ist, möchte ich hier kurz meine ganz persönliche Meinung und Sicht auf die Dinge vor uns erläutern.

(Lesedauer – 5 Minuten – English Version)

Eine Wahl für Szenario 3 – und nun?

In erster Linie wurde entschieden, dass die Association einen konkret durchführbaren Plan erarbeiten soll, um sich neu zu strukturieren. Diese Massnahme soll grundsätzlich dafür sorgen, dass die TYPO3 Produkte permanent weiterentwickelt werden können und alle kommerziellen Aspekte, die der Markt fordert, geboten werden können. Ich weiss, das tönt sehr konzeptionell. Wie das im Detail aussehen wird, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Szenario 3 ist dabei erstmal eine Vision. Wie weit wir gehen können und was davon alles machbar sein wird, ist im Moment noch unklar. Olivier und ich zusammen mit dem Board und EAB haben in den letzten Monaten sehr viel Energie hineingesteckt, um zu erfahren, was die Basis der Mitglieder wirklich will und wir denken, sie will in der Mehrheit Szenario 3. Die Wahl hat das gewissermaßen zum Glück recht klar bestätigt.

Dabei geht es nicht darum, mit der Professionalisierung und dem Schritt in Richtung kommerziellerer Themen das, was wir bis jetzt in der Community hatten, zu ersetzen. Im Gegenteil. Wir möchten die kommerzielle Seite mit ins Projekt bringen, ganz einfach darum weil es offensichtlich ist, dass man das im heutigen Marktumfeld machen muss, um langfristig zu überleben. Gleich wichtig ist jedoch auch, die bestehenden Werte zu behalten und weiterzuentwickeln.

Wir werden also in den nächsten Monaten sehen, was sich aus diesem Impuls hinaus kristallisiert und was wir daraus machen können. Ich, und ich denke auch die Kollegen vom Board und EAB, werden in den nächsten Monaten hart daran arbeiten, um etwas Gutes zu erreichen. Und erste sehr positive Ansätze ergaben sich schon Freitag, etwa rund ums Thema Funding.

And suddenly, it feels like TYPO3 is reactivated!

Der Zeitpunkt der GA war zudem äusserst glücklich. Mathias und Benni hatten die letzten Monate unglaubliche Arbeit in CMS gesteckt und damit viel erledigt, neu gebaut und, fast noch wichtiger, wieder Leute eingebunden. Dass das Konzept Full-Time-Product-Owner fruchtbar ist, sehen wir bereits mit Mathias. Wobei er ein extremer Glücksfall ist. Ich habe zu Beginn unterschätzt, was das für einen Drive reinbringen kann. Und wie schnell das auf die Wahrnehmung der Kunden durchschlägt. Ein paar Tage vor der GA hatte ich ein Telephonat mit einer Vertreterin eines potentiellen Kunden, wo es unter anderem um CMS ging. Als ich TYPO3 erwähnte, meinte diese; „Ah sehr gut, da geht ja jetzt grad wieder sehr viel.“ Natürlich ist das ein Einzelbeispiel, aber ein ungemein motivierendes.

Die Dialogue Days und der Entscheid fallen also auf fruchtbaren Boden. In den letzten 3 Tagen wurde ich von mir bis dato fremden TYPO3 Leuten angeschrieben und angesprochen. Vereinzelt wurde auch gratuliert und gedankt, was mir peinlich ist, denn ich verstehe mich und Olivier nur als Advokaten des Wandels, der Integration und des Friedens. Wir glauben daran, dass sich ganz unterschiedliche Leute auf ihre Gemeinsamkeiten fokussieren und zusammen grossartige Dinge an den Start bringen können.

Man muss ganz klar sein: Die Strategie einen Nachfolger von CMS zu bauen, ist nicht aufgegangen, stattdessen haben wir nun 2 CMS und diese ganzen Diskussionen ohne Resultate über Positionierung und wie es mit CMS weitergeht, lähmten die Weiterentwicklung dieser Community maßgeblich. Und die T3A hatte es nicht geschafft, die schwelenden Konflikte in der Community zu lösen.

Eigentlich wollten wir ja nie zwei CMS, sondern wir wollten TYPO3 auf einer neuen Basis mit modernen Features. Die Unklarheit der letzten Jahre hat uns in diesen Downturn gebracht und Neos hat es bedauerlicherweise nicht geschafft, die Fackel für die gesamte Community zu übernehmen. Trotzdem ist mit Neos ein Produkt entstanden, dass sehr interessant ist und Anerkennung findet.

 

Neos?

Wird es eine Separation geben? Ganz ehrlich: Sie ist doch schon lange da. An den TYPO3 Events sind immer weniger Neos Leute zu sehen, mit der Inspiring gibt es eine (sehr coole) separate Konferenz. Ich habe das Gefühl, das Formale hängt der Wirklichkeit ein wenig hinterher. Und zwischen der T3A und dem Neos Team gibt es diesen unterschwelligen Konflikt, der seit dem Budgetcut vor ein paar Jahren viele Diskussionen erschwert hat. Das nehme ich (auch als Vertreter der T3A) den Neos Leuten überhaupt nicht übel. Im Gegenteil. Die T3A der letzten Jahre mit der konzeptionell verordneten Untätigkeit (Piggy Bank) war in der Tat ein Partner, mit dem sich kaum erfolgreich handeln liess. Umso glücklicher bin ich, dass diese Zeit vorüber ist. Denn man sollte nicht den Fehler machen und die heutige T3A mit der T3A vor 5 Jahren zu verwechseln. Da sind heute komplett andere Leute am Werk, mit einer komplett anderen Philosophie. Und seit ein paar Monaten ist da auch wieder eine Aufbruchstimmung.

Zurück zu Neos: Vor Ostern hatte ich ein Treffen zum Thema „CMS, Neos und die T3A“ organisiert. Es ging zuerst einmal darum, den Dialog miteinander wieder aufzunehmen und ich denke, das hat fürs Erste ganz gut geklappt. Ich lernte an jenem Tag, dass es fernab von 2-Produkt-Strategien, von Fronten, Gruppen und Organisationen wohl viele gute Wege gibt, zusammen zu arbeiten. Und ich wurde bestärkt in der Überzeugung, dass wir gemeinsam eine Lösung für den Konflikt und die weitere Zukunft finden müssen. Dann kommt das gut. Eine einseitige Entscheidung und Lösung hingegen wird wohl schlechte Auswirkungen für alle haben. Ein Follow-Up Meeting ist aktuell grad in Planung. Wer dazu kommen möchte und Konstruktives im Sinn hat, ist herzlich eingeladen.

Führungsanspruch

Die T3A hat nun gewissermaßen einen Führungsanspruch. Das tönt erstmal bedrohlich, ist es aber überhaupt nicht. Denn wir haben in unserer Strategiesession beschlossen, dass wir Führung im Sinne von Dienen verstehen. Wir sehen uns dem Konzept des Servant Leaderships verpflichtet. Das heißt, alle unsere Führungstätigkeit besteht darin, dafür zu sorgen, dass Community-Mitglieder besser arbeiten und leben können. Dies tun wir, indem wir dort Dienstleistungen für unsere Members schaffen, wo niemand einspringen will oder kann und/oder wo man Synergien zwischen den Teams schaffen kann. Wir tun es auch indem wir in Zukunft Geld und Ressourcen allozieren, um die Entwicklung weiterzubringen. Das Ziel muss sein, Volontariatsarbeit und bezahlte Arbeit so zu kombinieren, dass wir tagtäglich Core-Arbeit und Marketing weiterbringen können. Und eben auch so zu kombinieren, dass es dem Grossteil der Leute wohl ist und es für alle fair ist. Ja, natürlich ist das eine Herausforderung.

Gleichzeitig soll die T3A grosse Schritte in Richtung Basisdemokratie machen, damit eben in vielen auch kleinen Entscheidungen die ganze Community maßgebend sein kann. Das war bis jetzt nicht so. Und ja, auch das ist eine Herausforderung. Organisatorisch wie kulturell.

Eine neue Ära

Wenn ich mir bezüglich TYPO3 etwas wünschen könnte, dann das, dass wir es schaffen, in eine neue Ära aufzubrechen. Eine Ära, die geprägt ist von Zusammenarbeit, Kommunikation, Ehrlichkeit, Drive, massivem Erfolg am Markt und einem Umfeld, wo neue und junge Leute einsteigen und erleben können, was diesen Spirit der TYPO3-Gemeinschaft ausmacht. Und dass wir uns international ausbreiten. Basis dafür ist ein gegenseitiger Respekt, der es jedem ermöglicht, seine Meinung zu sagen und gehört zu werden. Respekt aber auch um zu verzeihen, wenn Dinge nicht gut gelaufen sind, ohne dabei dieselben Fehler wieder zu machen. Damit wir in diese Ära aufbrechen können, müssen wir Vergangenes auf eine gute Art und Weise hinter uns lassen können und in neuen Wegen denken. Und endlich wieder machen. Viele haben bereits wieder damit begonnen und ich hoffe, dass möglichst viele Leute sich wieder einklinken und dafür sorgen, dass TYPO3 wieder das wird, was es sein soll: Ein international führendes Open Source Projekt im CMS Bereich.

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