Digitalisierung: Was, wenn jetzt alles gesagt ist?

Hurra! Ich glaube wir sind mit der Digitalen Transformation an einem Ziel angekommen: Selbst der hinterletzte CXX hat begriffen, dass die Digitalisierung tatsächlich stattfindet und für sein Business wichtig wird. Das ist für uns Digital-Berater/Arbeiter/Enthusiasten eine tolle Sache. Denn die letzten 15 Jahre mussten wir uns allerlei Schwachsinn anhören. Tagtäglich: Dieses Internetz werde nicht richtig wichtig, SocialMedia könne Markenwelten nicht ersetzen, Experience könne nur im stationären Ladengeschäft stattfinden und so weiter und so fort. Und nun im 2016 das: Alle so „Digitalisierung, yeah!“

(Lesedauer 5 Minuten)

Digital Maturity

Immer wieder lustig fand ich in den letzten Jahren diese Digital Maturity Einstufungen. Ursprünglich als Sales Tool von uns Beratern erfunden, nahmen und nehmen das unglaublich viele Firmen sehr ernst. Ich sah altbackene Firmen solche Assesments durchgehen und dachte mir, sieht aus als wenn man einem offensichtlichen Beinbruch erstmal Fieber misst.

Denn bei ganz vielen Unternehmen ist die Sachlage völlig klar. Das Management hat weniger Erfahrung mit Digitalen Dingen als ihre Kunden. Da braucht man kein MBA um zu erkennen was zu tun ist.

Und besonders perfide wird es jeweils, wenn dann ein Branchenvergleich angestellt wird. Als würde eine bestehende Branche mittelfristig wirklich Benchmark sein. Ich denke, das ist einer der großen Lernschritte die viele Firmen noch machen müssen: Sich wirklich am Kunden ausrichten.

Erkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung

Und ich glaube dieser erste Schritt ist nun gemacht. Als ich vor einem Jahr auf Twitter gegen die immer gleichen Studien zu Digital Awareness wetterte, holte mich Peter Diekmann blitzschnell auf den Boden zurück: „bis auch der letzte Stakeholder es kapiert hat“ sei es unsere Pflicht, gewissermaßen, aufzuklären. Und ja da hatte er Recht.

Ich denke aber die Zeit muss nun langsam vorbei sein. Ich bin die Rolle des Mahners leid.

Verstehe ja, dass es schwierig ist, jüngeren Leuten zu glauben, dass man die Feuerwehr rufen soll, wenn nur ein wenig Rauch im Haus ist. Bei vielen Unternehmen aber stand die Hütte sprichwörtlich in Flammen – und man diskutierte noch ob es eventuell nicht doch zu früh wäre, „jetzt schon anzurufen“. Um dann, wenn es zu spät war, zu rufen: „Nun tut doch endlich was!“.

Digitalisierung - es ist alles gesagt

Es ist alles gesagt

Nein, ich denke es ist jetzt diesbezüglich wirklich alles gesagt. Wer es als Führungsperson heute nicht geschnallt hat, der wird es wohl nicht mehr hinkriegen. Und ganz ehrlich, das muss auch so sein.

Denn das Prinzip der natürlichen Auslese gilt auch in der Wirtschaft und das ist gut so. So entsteht permanent Raum für Neues. Und ich habe das dieses Jahr oft gesagt: Es ist schlicht die großartigste Zeit um ein neues Unternehmen zu gründen.

Was nun?

Eine Entwicklung die mich doch ziemlich erschüttert, ist, dass obwohl die Erkenntnis da ist, dass in der Digitalisierung Handlungsbedarf besteht, trotzdem einfach nach altem Muster weitergemacht wird.

So lässt sich z. Bsp. Reto Braegger, Chef einer kleinen Modekette in der Schweiz zitieren:

Nur der physische Laden bietet dem Kunden ein Einkaufserlebnis und die Vorteile des direkten Kontakts

Das sollte er mal meiner Frau erzählen, die keine Digital Native ist, eigentlich lieber in Boutiquen shoppen geht aber trotzdem mehr als irgendwo sonst bei Zalando einkauft. Wenn das Einkaufserlebnis nicht stimmt kauft die gar nix.

Ob der sich abends vor dem Schlafen gehen manchmal im Stillen fragt warum Zalando in der Schweiz gut dreimal mehr Umsatz macht als seine Gruppe? Ich befürchte, es ist nicht der Fall.

Oder sehen Sie sich die Automobilbranche an und blenden Sie bitte das Thema Elektromobilität direkt aus. Will ich gar nichts darüber schreiben jetzt. Was ohne Elektromobilität thematisch übrig bleibt, ist das digitale Fahrzeug. Das softwarebasierte Auto.

Spätestens 2008 hätte man durch den Boom des iPhones erkennen müssen, welches Potential dieses Konzept bietet und dass es vergleichsweise einfach zu implementieren ist. Dass es günstiger ist, jedem Auto einen Datenplan zu spendieren, als es für jedes Software-Update in die Werkstatt kommen zu lassen.

Dafür gibt es keine Entschuldigung. Aber um entsprechend urteilen zu können, benötigt man eben auch wieder Technologie-Knowhow. Darum reagieren Aufsichtsräte nicht. Sie haben eben meist auch sehr wenig Ahnung von Technologie und Technologieentwicklung.

Eine neue Rolle für Digital Professionals

Wenn wir in den nächsten Jahren etwas wirklich brauchen, dann ist es Digital- und Technologie Knowhow in Management und Aufsicht. Für Leute, welche diese Erfahrung haben, und da gehören wir Digital Professionals ganz vorne mit dazu, ergibt sich die Chance Unternehmen ganz oben mit zu gestalten.

Verdanken wir also die Arbeit der Silberrücken der letzten Dekaden und verabschieden sie ehrenvoll. Oder lassen sie noch alle paar Tage ins Unternehmen kommen um ein wenig „die Post zu sortieren“. Und aufgepasst, Silberrücken erkennt man nicht am Alter, sondern an Ihrer Einstellung zur Zukunft und Chancen und Risiken.

Ich appelliere daher an alle, die momentan in langweiligen Beraterjobs und im Mittelmanagement zu versauern drohen (ja ich weiß schon es gibt auch tolle Jobs da), die Gelegenheit beim Schopf zu packen und sich für die Exekutivstelle zu bewerben oder dieses Start-Up, das Ihnen schon seit Monaten nicht aus dem Kopf geht, zu gründen. Sie können nicht verlieren.

Denn wenn alles gesagt ist, bleibt nur eines: Endlich zu tun.

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4 Kommentare zu Digitalisierung: Was, wenn jetzt alles gesagt ist?
  1. Isa Nark Antworten

    Ich sehe auch das Problem beim Mittelstand. Hier werden vor allem lang im Markt bestehende Unternehmen, die sich sicher fühlen, große Probleme in der Zukunft bekommen…

  2. Michael Hoppe Antworten

    Mir ist Angst und Bange wenn ich an den kommunalen Mittelstand denke. 11.000 Kommunen und ca. 2.5 Millionen KMU Versorger gehen schweren Zeiten entgegen. #kommunenversteher @kommunedigital

  3. […] Hurra! Ich glaube wir sind mit der Digitalen Transformation an einem Ziel angekommen: Selbst der hin... scoop.it/t/socialbusinessdigest/p/4073513226/2017/01/02/digitalisierung-was-wenn-jetzt-alles-gesagt-ist
  4. Manfred Münzl Antworten

    Ich finde in diesem Artikel ist der Zustand der Digitalisierung (in Deutschland) sehr gut auf den Punkt gebracht. Wo ist der Mut und Ehrgeiz geblieben? Gilt auch für die Ableger der Digitalisierung IIoT und Industrie 4.0 http://wp.me/p7MnRe-bd

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