Winter. Krypto-Winter.

Der Krypto-Hype ist vorbei. Niemand fliegt mehr zum Mond. Die „Lambos“ sind vor den tiefroten Krypto-Depots parkiert. Und die ganz Dummen hoch verschuldet. Und wie so oft; viele Leute wiederholen gerade den selben Fehler wie vor einem Jahr. Einfach in entgegengesetzter Richtung.

(Lesedauer 4 Minuten)

What goes up must come…

Bereits Ende Dezember musste jedem klar sein, dass die rasante Aufwertung der Kryptowährungen nicht gut gehen konnte. Entweder wird das ganze Finanzsystem innert einem Jahr auf den Kopf gestellt, oder aber die Spekulation um die Kryptowährungen mussten sich wieder beruhigen.

Ich schrieb damals sinngemäß, dass die rasche Adaption von Kryptowährungen nun entscheidend ist für deren langfristigen Erfolg. Ich sah einen grossen Player, namentlich Apple oder Amazon, in der Führungsrolle dieser Adaption. Zudem dachte ich, das ist im Artikel nicht erwähnt, dass die Banken viel schneller zum Beispiel Ripple nutzen werden. Nun, beides ist nicht passiert. Zwar ist Ripple unter dem Strich nicht so schlecht unterwegs. Von einer Ablösung von Swift ist man aber meilenweit entfernt.

Es ist wohl der übermäßigen Lust an Veränderungen und Umbruch geschuldet, dass ich davon ausging ein schneller Wandel könnte tatsächlich stattfinden. Ich habe den enormen Einfluss der Finanzwelt auf diese Themen offensichtlich unterschätzt. Ich dachte schon, Kryptowährungen könnten in 2018 eine erheblichere Rolle spielen.

Fraud

Was sicher stark hineingespielt hat, sind die zahlreichen Betrugsfälle rund um ICOs. Sie haben die ernsthaften und ehrlichen Projekte in ein schlechtes Licht gestellt. Auch offensichtliche Fun- oder Nonsense-Projekte haben dem Ansehen der Kryptoszene nicht gerade geholfen. Und dass verschiedene prominente Irrlichter wie McAfee sich mit dem Thema prostituierten in Szene gesetzt haben war und ist einfach nur katastrophal. Diese Gemengelage führte dazu, dass z. Bsp. Schweizer Banken Krypto-Unternehmen nicht einmal mehr ein normales Bankkonto eröffnen ließen.

Lambo

Und da gingen offensichtlich ganz viele mit der Sache nicht vertraute Leute davon aus, dass das einfach so weiter gehen wird mit den Kurszuwächsen. Mit Korrelationen in Statistiken ist das ja so eine zweifelhafte Sache – lustig ist jedoch allemal, dass laut Google Trends der Begriff «lambo» just in denselben zwei Wochen im Dezember 2017 am meisten nachgefragte wurde, in denen auch der Bitcoin Kurs sein Allzeit-Hoch erreichte (seit 5 Jahren wohlgemerkt).

(Google Trends Suchbegriff „Lambo“ – 5 Jahres Vergleich)

 

(Bitcoin Kursentwicklung – 5 Jahres Vergleich – https://www.buybitcoinworldwide.com )

Beide Werte haben sich mittlerweile gewissermaßen wieder relativiert. Der Bitcoin und mit ihm viele Kryptowährungen, haben in der Langzeitentwicklung trotzdem gewonnen. (Ja ich weiß, dass wenn es die nächsten Wochen so weitergeht auch das wieder weg ist).

Hodl bis es wehtut

Ich habe in den letzten Wochen einige Leute getroffen, die ihre Coins nun mit Verlust verkauft haben. Ich glaube, das ist genauso falsch, wie damals diese in der Euphorie en masse gekauft zu haben.

Denn die langfristige Transformation des Finanzsystems ist überhaupt nicht abgesagt worden. Es ist nur gerade Krypto-Winter. Es dauert einfach alles länger und es wird wohl, so gerne das viele unter uns hätten, keine Revolution geben.

Wahrscheinlich ist das auch besser so, die Kräfte die wir alle ins heutige System geben, lassen sich nicht einfach ableiten. Viel zu wenige Sollbruchstellen sind vorhanden.

Es ist gut möglich, dass es ganz ähnlich wie bei der Dot-Com Blase erstmal zu Auswüchsen und dem Beschreiten von Irrwegen kommen musste – um dann nachgelagert die Vorteile der Technologie umfassend zu entfalten. Und ja, dass die Ethers, XRPs und Bitcoins dieser Welt dann noch Wert haben – wer weiß es schon wirklich?

Ein Szenario, das oft kolportiert wird ist, dass die Kryptowährungen im Falle einer Finanzkrise als Ausweich-Anlagemöglichkeit profitieren könnten. Das halte ich nicht für abwegig grundsätzlich, auch sehe ich einige Anzeichen für eine Krise. Ein tolle Perspektive ist das aber so oder so nicht.

Es wird wieder Frühling

Eines hingegen ist sicher; Blockchain-Technologie ist nicht mehr wegzudenken. Es braucht noch massive Verbesserungen und ich glaube auch, dass sie ganz grundsätzlich ihren Platz noch finden muss in der Wirtschaft. Aber der Einsatz zur Schaffung von elektronischen Währungen ist mitunter ganz sicher zielführend. Es gibt nur leider, wie so oft, keine Abkürzung zu Orten zu denen es sich lohnt zu gehen. Jetzt wo die fiebrigen Goldgräber langsam den Fluss verlassen, beginnt die eigentliche Arbeit. Und die Spreu trennt sich vom Weizen.

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