Warum «Everything as a Service» das Gebot der Stunde ist.

Was als „Irgendetwas as a Service” im Software-Bereich begann, hält nun immer mehr Einzug in Bereichen, in welchen wir uns vor ein paar Jahren noch nicht vorstellen konnten, Produkte im Abo zu nutzen. Vieles deutet darauf hin, dass wir am Anfang eines Paradigmenwechsels des Konsummodells stehen.

(Lesedauer 4 Minuten)

Unterliegende Treiber

Warum wir mehr und mehr Produkte nach Nutzung bezahlen, ist zwei grundlegenden Veränderungen geschuldet:

Zum einen sanken die Kosten für Geld erheblich (1), was es viel einfacher möglich macht, die Produktnutzung zu finanzieren. Zum anderen sorgt der technologische Fortschritt dafür (2), dass die Overhead-Kosten für diese kleinteilige Nutzung zu ermöglichen, ebenfalls rapide sinken (4). Es war zwar schon immer möglich, diese kleinteilige Nutzung manuell – sprichwörtlich mit Papier und Bleistift – zu organisieren. Die Kosten dafür verteuerten aber das Modell so stark, dass es nicht mehr konkurrenzfähig war.

Daraus resultiert ein „Effizienzfenster“ (5) gegenüber dem Besitzmodell. Die totalen Kosten fallen im „as a Service“ Modell vor allem daher, da die Amortisation besser auf die eigentliche Nutzung verteilt werden kann.

Beispielhaft können dafür die „Car as a Service“ Modelle genannt werden. Da die Autos laufend an jene Personen alloziert werden, welche das Auto gerade wirklich haben möchten, entstehen unter dem Strich tiefere Kosten als in einem „Kauf-/Besitz/Verkauf-Modell“, wo die „falsche Allokation“ erstmal geduldig überbrückt wird, bis es so schlecht passt, dass das Auto verkauft und ein idealeres gekauft wird.

Dieser Wechsel ist für den Konsumenten dann wiederum mit erheblichen Kosten (Umtriebe!) verbunden, da er diesen Wechsel nur selten macht.

Befeuernde Faktoren

Zusätzlich befeuern verschiedene Faktoren den Trend zur Teilnutzung im Abo. Ich denke ein wichtiger solcher Faktor ist, dass Menschen heute viel weniger auf Eigentum und dafür aber mehr auf Besitz achten. Galt es nach dem Krieg als erstrebenswert zu sparen und Gegenstände langfristig im Eigentum zu halten, ist heute die situationsgerechte Nutzung viel wichtiger.

Schön beobachten kann man das am Hauskauf; meine Großeltern haben ein Haus gebaut, um es weit über Ihren Lebenshorizont zu erhalten. Es war sinnbildlich vorgesehen, dass die nachfolgenden Generationen es einmal nutzen (und dann die Anschaffung auch schon mal nicht mehr zu gewärtigen haben). Heute hat sich das gewandelt. Viele Familien, die heute ein Haus bauen oder kaufen, sind sich sehr wohl bewusst, dass sie es nur für einen Lebensabschnitt nutzen werden und dass sie, wenn z. Bsp. Kinder ausgeflogen sind, in eine kleine Wohnung umziehen werden. Etwas für einen Abschnitt oder für eine bestimmte Situation zu nutzen, ohne sich eben fundamental zu verpflichten, ist opportuner denn je.

Cash is King

Ein weiteres, wichtiges Element ist, dass die Mehrheit der Leute Kosten von „Cash-out“ nicht wirklich unterscheiden können. Selbst bei Leuten, welche entsprechende betriebswirtschaftliche Ausbildungen haben, erkenne ich immer wieder, dass man grundsätzlich die Variante bevorzugt, bei welcher weniger Cash auf einmal eingesetzt werden muss.

Das hat natürlich auch damit zu tun, dass Sparen per se keine Tugend mehr ist und viele Leute über die Mittel für die Option eines Kaufes gar nicht verfügen. So gesehen, kann man sich als Konsument im „as a Service“ Modell eben auch Dinge leisten, welche bislang fast unerreichbar waren (auch nicht im Leasing).

Altes Modell vs. Neues Modell

Auf jeden Fall hat das Modell „as a Service“ dadurch gegenüber traditionellen Kauf-Modellen fast unschlagbare Vorteile im Markt. Im Software-Bereich sind wir mit dieser Entwicklung schon sehr weit fortgeschritten und ich erwarte, dass diese Entwicklung auch in immer weiteren Bereichen unserer Wirtschaft Einzug halten wird.

Wir sehen, dass zum Beispiel die „Car as a Service“ Modell sehr großen Zuspruch erhalten und vielversprechend sind – das notabene nur ein paar Jahre nachdem mit Vertreter der Autobranche noch erklärten, dass man so etwas wie ein Auto niemals wird im Internet bestellen wollen.

Und es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieses Business-Modell sich in viele andere Bereiche ausbreiten wird. Möbelhäuser wollen Möbel im Abo anbieten, Fahrräder kann man im Abo bekommen, Wohnungen kann abonnnieren (nicht mit Miete verwechseln) – es scheint kein Bereich zu geben, in welchem das Modell nicht früher oder später angewendet werden könnte.

Wenn Sie also heute ein Business starten wollen, überlegen Sie sich bitte ganz genau, ob nicht eventuell ein „as a Service“ Modell das richtige ist. Heute ist es wohl noch ein Wagnis und besonderer Erfolgsfaktor gleichermaßen. In ein paar Jahren jedoch könnte es das Standardmodell per se sein.

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2 Kommentare zu Warum «Everything as a Service» das Gebot der Stunde ist.
  1. Hans-Jürgen Fillips Antworten

    Sehr schönes, sehr anschauliches Beispiel. Wobei man ja auch gleichzeitig dazusagen muss: Google macht uns das ja seit 1997, als Google als Suchmaschine Online ging, vor: früher hatte man Fachbücher/Lexika im Bücherregal stehen, und darin nach den Dingen gesucht. Seit Google kehren wir dem Bücherregal immer schneller den Rücken und wenden unseren Blick Richtung Laptop oder Smartphone um „schnell was zu suchen“. Bewusst oder unbewusst bezahlen wir mit unserer IP Adresse.

  2. Aleksandar Maksimoski Antworten

    Toller Beitrag. Vieles spricht dafür , dass solche Modelle eintreffen. Gesättigte Märkte = Produzenten wollen/müssen den Lebenszyklus kürzen um weiter zu wachsen. Konsumenten haben immer wie weniger Kapital und können für grössere Anschaffungen gar kein Geld mehr auf die Seite legen.

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