Softwareentwicklung wird zu Firmenentwicklung

Ich habe schon ein paar Mal darüber geschrieben, dass ich denke, praktisch jedes Business wird über kurz oder lang software-basiert sein. Es gibt sprichwörtlich kein Bereich, den man mit hochintegrierender Software nicht optimieren könnte.

Ich glaube schlicht, dass Software über kurz oder lang das Asset No1 eines jeden erfolgreichen Unternehmens wird. Software welche die ganze Businesslogik und Intelligenz abbildet.

Umso mehr erstaunt es mich immer wieder, wenn mir Entscheidungsträger auf der einen Seite von der Herausforderung der Digitalisierung berichten. Vom Zwang hin zu mehr Technologie und Software. Um aber im selben Atemzug auch klar zu formulieren, dass man „kein Softwareunternehmen“ werden und keine eigenen Programmierer anstellen will. Das passt nicht zusammen.

Wandelndes Verständnis von Software-Firmen

Ich stelle oft gewisse Hemmungen in Bezug auf Softwareentwicklung fest und glaube, das hat damit zu tun, dass die heutigen Entscheidungsträger selbst nicht den Hauch einer Ahnung haben, was Softwareentwicklung ist.

Die meisten finden diese Tätigkeit deshalb abstrakt und gehen mit der vermeintlichen Komplexität auf Distanz. Das ist auf der einen Seite verständlich, auf der anderen Seite sollte es aber die logische Folge des Drucks durch die Digitalisierung sein, sich zumindest Grundkenntnisse in dem Bereich anzueignen. Damit meine ich nicht, dass CEOs nun Coding-Kurse besuchen sollten.

Aber es wäre aber hilfreich, wenn Leute im Management mit allgemeinen Prozessen und der Methodik in der Entwicklung vertraut wären. Wenn sie besser einschätzen könnten, warum Dinge Zeit und Geld kosten.

So könnte vermieden werden, dass man sich gedanklich nicht von der Lösung der Herausforderungen durch die Digitalisierung abwendet. Denn stellen Sie sich vor, alle Leute um sich herum würden plötzlich nur noch Italienisch sprechen. Was würden Sie tun? Ich denke über kurz oder lang würden Sie versuchen Italienisch besser zu verstehen (wenn Sie es nicht schon können…) und zu lernen.

Menschen passen sich ihrem Umfeld in der Regel sehr rasch an. Unternehmen sollten es ihnen gleichtun.

„Nein, wir wollen kein Softwareunternehmen werden“

Was ein Softwareunternehmen heute ist, ist unklarer als je zuvor. Ist Amazon ein Softwareunternehmen? Oder Tesla? Oder Apple? Es ist schon lange nicht mehr eindeutig.

Vielmehr ist es so, dass alle erfolgreichen Unternehmen leichtfüßig Software einsetzen, um ihr Business zu betreiben und weiter zu entwickeln. Sie setzen Software so ein, wie Unternehmen früher begannen Elektrizität einzusetzen. Dabei würde es ihnen nicht in den Sinn kommen, sich selber als Softwareunternehmen im klassischen Sinn zu bezeichnen. Ebenso wenig würde sich heute ein Unternehmen als Elektrizitätsunternehmen bezeichnen, nur weil es Elektrizität einsetzt.

Die normalste Sache der Welt

Ich glaube als Unternehmen selber Software zu bauen wird in ein paar Jahren die natürlichste Sache im Business sein. Das heißt nicht, dass Softwaredienstleister oder Softwarehersteller verschwinden. Im Gegenteil, der Bedarf steigt unter dem Strich eher für Anbieter und Dienstleister, welche größeren Unternehmen beim Aufbau und der Skalierung eigener Entwicklungsteams helfen.

Chance für Anbieter

Für Anbieter heißt das, dass es immer wichtiger wird, zusammen mit Kundenteams arbeiten zu können. Das ist für viele Software-Dienstleister schwieriger als man auf den ersten Blick denken würde. Denn rund um Entwicklung gibt es immer auch verschiedene „Glaubensrichtungen“ wie Dinge gelöst und aufgebaut werden sollen.  Dass viele Wege nach Rom führen und dass nicht alles was „hier erfunden“ wurde das einzig wahre ist – dafür braucht es meiner Meinung nach auf Anbieter wie auch Abnehmerseite noch einiges an umdenken.

Softwaredienstleister, die das aber erkannt haben, unterstützen Ihre Kunden besser und sind in der Lage langfristige, projekt-unabhängige Kundenbeziehungen aufzubauen und zu unterhalten. Und das ist, was wir in der Softwarebranche eigentlich tun möchten.

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