Sie wollen einen Digital-Rockstar, einen CodeNinja, einen Agile-Jedi-Ritter?

Bevor ich mich in den nächsten Artikeln wieder mehr der Technologie, Kultur und der Unternehmensführung zuwenden werde, hier mal wieder etwas eher banales. Als Auflockerung sozusagen :-). Wer in der Digitalbranche arbeitet und sich einigermaßen gut anstellt, erhält hin und wieder mehr oder minder konkrete Job-Angebote. Der grosse Fachkräftemangel weckt auch eine ganze Horde von Recruitern auf den Plan, die jeden zu verticken versuchen, der die Begriffe Big Data, Digital Transformation und eCommerce fehlerfrei buchstabieren können. Das treibt bisweilen ganz schön „komische“ Blüten.

(Lesedauer: 3 Minuten)

Digital Rockstar vs. Digital Schlagersänger

Sehr beliebt ist die Analogie zum Rockstar. Vor zwei Wochen erhielt ich wieder eine Mail eines Recruiters mit Betreff „Digital Rockstar gesucht“, in dem mir lang und breit erklärt wird, wie dringend Firma XY jemanden sucht, der im digitalen Bereich Projekte voranbringt. Die ganze Mail spielt auf diese Analogie an. Was auf den ersten Blick lustig erscheint, ist es aber eigentlich überhaupt nicht. Es ist total kontraproduktiv. Hier ein paar Punkte warum:

Are you serious?

Im ernst jetzt liebe Recruiter… Wollt ihr wirklich einen Rockstar? Z. Bsp. jemand wie Curt Cobain, der wie ich denke, sich zu 100% für die Rolle des Rockstars qualifiziert. Ein Mann, der keine Ausbildung hatte, an Presseterminen unmöglich war, Termine verpasst hat, oft ganz schlechte Performances lieferte, von schlechter Gesundheit war, der stark drogenabhängig war und sich in der Blüte des Leben ebendieses entledigt hat. Dessen einziger Verdienst es war EIN wirklich gutes Album geschaffen zu haben (und das bei weitem nicht alleine). Oder ein Rockstar wie Amy Winhouse, die zwar großartig singen konnte, aber auch nur das und nur zu Beginn ihrer Karriere. Oder, oder, oder…

Die Liste der Rockstars, die eigentlich so gar nix auf die Reihe kriegen, ist lange. Also mal ehrlich liebe Recruiter: So ein Quatsch! Und ich schreibe es gleich nochmals, damit es auch ganz sicher ankommt: So. Ein. Quatsch!

Was ihr wollt, sind doch nicht solche Leute. Die überstehen in der Regel nicht mal die Probezeit und das fällt dann wieder auf Euch zurück und das ist schlecht. Und viel schlimmer: Es fällt auf die ganze Digitalwirtschaft zurück und das geht wohl uns alle was an!

Was ihr doch sucht, sind eher Schlagersänger: Leute wie Udo Jürgens, die ein Leben lang Erfolge feierten und konstant Leistung erbrachten. Koryphäen und Institutionen. Glamourös und nicht komplett frei von Skandälchen, jedoch grundsolide Gestalter und Performer.

Signalwirkung

Natürlich verstehe ich, dass das Rockstar Ding mit einem Augenzwinkern gemeint ist. Ich bin ja nicht komplett humorbefreit. Aber unterschätzen sie nicht die Signalwirkung. Ich habe genug Leute kennengelernt, die was weiss ich von sich halten, weil sie in dem allgemeinen Upstream der Branche rasch zu Position und Gehalt gekommen sind. Diese Leute halten sich sehr wohl für moderne Rockstars und führen sich ansatzweise auch so auf. Gut sind sie aber nicht. Im Gegenteil. Es sind wahre Bozos. Und da die meisten Leute, die digitales Personal einstellen, auch nicht so recht wissen, was wichtig ist, liefert ihr Recruiter diese eher schlechten Leute praktisch ungefiltert in die Firmen.

Da „Digital“ aber mehr und mehr unternehmenskritisch wird, werden genau die wichtigsten Lücken mit den schwächsten Leuten besetzt. Und ja, natürlich gibt es löbliche Ausnahmen bei den Recruitern, die einen wirklich guten Job machen. Z. Bsp. Cribb. Die schwarzen Schafe bringen aber die ganze Branche in Verruf.

Die Headhunter-Mails sind ein Running-Gag auf fast jeder Konferenz. Richtig gute Leute bekommt man fast nur noch auf Empfehlung.

Agile Code-Ninja for Big Data Multi-Channel Touchpoints für Internet of Things

Ganz schlimm sind auch die vielen Recruiter, die Development-Leute suchen aber null Plan von Entwicklung haben. Und dann Technologien, Produkte und Programmiersprachen wild mischen und falsch in den Kontext setzen. Auch hier spielt das Prinzip der falschen Auslese wieder übel mit.

Die wirklich guten Leute lachen über solche Job-Postings nur. Das Resultat dieses Effekts ist, dass sich nur Leute melden, die mittelmäßig sind. Ich habe das Privileg bei der AOE mit den talentiertesten und besten Leuten zusammen zu arbeiten und keiner, wirklich keiner würde auf ein solches Posting ansprechen. Gründe warum die Leute ganz allgemein wechseln sind: Private Gründe (habe eine Freundin in Stadt XY), spannende und herausfordernde Projekte und Kunden, ein besseres Team, mehr Freizeit. „Beeing THE Code-Ninja“ findet sich auf keiner Liste.

Eigentlich wäre es ja ganz einfach

Wie mit vielem wäre es ja eigentlich auch hier recht einfach: Um sich einen Überblick über Programmiersprachen, Plattformen und Methoden zu verschaffen, braucht man nicht länger als einen Nachmittag. Dann kann man bereits astrein C++ von CSS auseinanderhalten. Und wenn man es nicht selbständig mit diesem Internetz hinkriegt, bucht man sich einfach jemand, der das sicher gerne erklärt. Kostet dann halt vielleicht mal 500 €, aber verglichen mit der Wirkung dieses banalen Hintergrundwissens, ist das Trinkgeld. Und ganz ehrlich: Im Vergleich mit den Vermittlungs–Agios, die ihr Recruiter nehmt auch.

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