„Resistance is Futile“: Zeigen Sie Ihren Kindern StarTrek statt Star Wars!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, ich mache mir mit diesem Artikel wahrscheinlich keine Freunde. Auch wenn Star Wars sehr spannend und unterhaltsam ist («Wo sich StarTrek an seinem Technik-Schnick-Schack aufgeilt, macht Star Wars einfach Party») bin ich mit StarTrek was Technologie und Fortschritt angeht, gewissermaßen sozialisiert worden. Und ich halte StarTrek denn auch bis heute für wegweisend in vielen Aspekten wie wir als Gesellschaft Technologie wahrnehmen und zu eigen machen.

(Lesedauer: 6 Minuten)

Trivia

Für viele StarTrek-Unkundige ist auffällig, dass viele Gadgets die wir heute nutzen oder an denen heute gearbeitet wird in der Serie bereits im Einsatz sind. Ich finde dies eher belanglos, trotzdem hier ein paar Technologien und Produkte dazu, in unterschiedlichem Stadium, von «schon im Einsatz» bis «Basistechnologie grad erforscht». Im Netz finden sich unzählige weitere Vergleiche und Ausführungen dazu.

Communicator
Der Communicator, erstmals 1964 in der Serie gezeigt, ist das was wir als Mobilephone kennen. Zwar hat der StarTrek Communicator ganz andere Reichweiten (z. Bsp. Vom Raumschiff runter zum Planeten; bitte liebe Telco‘s, daran ein Beispiel nehmen, so wollen wir das haben :-)) aber viele Funktionalität die der Communicator imaginierte ist in heutigen Smartphones Realität.

Martin Cooper, der Erfinder der Mobiltelefone wie wir sie heute kennen, soll bei seiner Erfindung vom StarTrek-Communicator «inspiriert» worden sein. Kein Wunder bringt später Motorola, wo Cooper arbeitete, ein Mobiltelefon heraus, dass nicht nur vom Namen her sondern auch vom Aussehen her dem Communicator ähnelt.

iPad
Die Bedienung von Computern mittels Touchscreen ist in StarTrek Gang und Gäbe. Die Touchscreens sind auf den Konsolen für die großen Bordcomputer im Einsatz aber auch kleinere sogenannte PADDs finden sich laufend.

Warum das so ist, hatte jedoch wahrscheinlich einen banalen Grund: Die Erstellung von PADD-basierten Requisiten war schlicht viel einfacher und günstiger als das Erstellen einer Unzahl von Drehreglern und Knöpfen. Ein schönes Beispiel für die beiläufige Verwendung von PADDs – ganz ähnlich dem iPad – sehen wir hier.

Replicator
Ziemlich bekannt ist Captain Picards Befehl; “Tea, Earl Grey Hot” an den Replicator. Dieses Gerät repliziert ein Getränk oder Gericht innert Sekunden. Zwar haben wir den Replicator noch nicht aber es gibt verschiedene Unternehmen die daran arbeiten. Noch weit entfernt von dem was wir eigentlich wollen, aber wir werden ihn früher oder später sehen.

Teleporter/Transporter
Der Teleporter ist das zentrale Instrument um Menschen und Güter über kürzere Strecken zu verschieben. Dabei wird, vereinfacht gesagt, das Objekt nicht verschoben, sondern de-materialisiert, das Energiepattern des Objekts gespeichert und an einem anderen Ort, dem Zielort wieder materialisiert. Auch jene die den Teleporter nicht kennen, kennen sicherlich den Spruch “Beam me up, Scotty”. Scotty war einer der Typen die den Teleporter bedienten.

Den Teleporter gibt es nicht, auch wenn verschiedene Wissenschaftler, z. Bsp. Michio Kaku, ihn grundsätzlich für machbar halten. Erste Schritte wurden bereits gemacht wie man hier im Detail nachlesen kann. Oder ein wenig profaner, hier.

Gesellschaftskonzept

Viel interessanter und spannender finde ich seit jeher das von StarTrek aufgezeigte Gesellschaftskonzept. Denn StarTrek mag auf den ersten Blick nach Sci-Fi-Fantasy aussehen, die Handlungen der Episoden behandeln jedoch immer politische, philosophische, soziale und ethische Probleme. Und dabei zeigen sie alternative Handlungsoptionen auf, die wir in unserer heutigen Zeit, so glaube ich immer mehr adaptieren. Wohl nicht von StarTrek nein, aber ich stelle seit längerem einen Trend zu einer egalitäreren Gesellschaft fest (ja, natürlich nur in der westlichen Welt). Dieser Entwicklung hat StarTreck vor mehr als 50 Jahren teilweise vorgegriffen.

Sie werden mir nun entgegnen; sieh Dir doch die Einkommensschere und die Vermögensverteilung an, von wegen egalitär. Das stimmt wohl, trotzdem sind wir gerade auf bestem Weg die bis dato liberalste, offenste und toleranteste Gesellschaft die es je gab zu werden.

An dieser Entwicklung war StarTrek auch beteiligt. Es brauchte in den 60er Jahren schon ein wenig Mut einen russischen Navigator (Chekov) und einen weiblichen, schwarzen Kommunikationsoffizier (Uhura) zu besetzen. Die entsprechenden Debatten haben, anders als heute, nicht nur für Publicity gesorgt, sondern waren ein ernsthaftes Risiko für die Produzenten. Auch als Captain Kirk Leutnant Uhura in einer Episode küsste, gingen die Wogen hoch. Noch heute gilt dieser „gemischtrassige“ Kuss als erster im amerikanischen Fernsehen – obwohl es nicht stimmt, da es sehr wohl schon frühere solche Küsse gab.

Gezeichnet wird ein Bild der Menschheit die viele, vor allem soziale, Probleme überwunden hat und daran ist seinen Aktionsradius extrem zu vergrößern. Selbstredend gibt es daher weder Länder, Religionen noch Geld. Vielmehr basiert das Konzept auf humanistischen Grundwerten die, komme was wolle, verteidigt werden. Gene Roddenberry, Schöpfer der Serie und btw Bomberpilot mit über 90 Einsätzen im Zweiten Weltkrieg und im Pazifikkrieg, war denn auch erklärter Humanist.

Ich denke, und damit sind auch viele Nicht-StarTrek-Fans einverstanden, dass wenn sich die Menschheit so entwickelt, es als eine gute Entwicklung bezeichnet werden kann. Eine Menschheit, die mit Technologie gut umgeht, sprich sie verantwortungsvoll nutzt, und es schafft menschliche Werte weiter zu entwickeln und zu bewahren. Der Mensch wie in StarTrek gezeichnet ist uns nicht fremd.

Besonders verdeutlicht wird das in den Ausführungen von Captain Jean-Luc Picard der immer wieder grundlegenden Aussagen zu verschiedenen Themen macht. Solche Passagen sind es denn auch welche kulturprägend sind. Hier findet sich ein Zusammenschnitt von verschiedenen solchen Szenen (sehenswert!). Gerade in der ersten Szene wird das Thema der Akzeptanz des Menschseins im Generellen angesprochen (anhand von „Data“ einem Androiden).

Das sind politische und gesellschaftliche Themen, die angesichts der rasend schnellen technologischen Entwicklung nur an Relevanz gewinnen.

Borg

Sozusagen, das Gegenkonzept zur Menschheit in der Sternenflotte sind die Borg. Die Borg werden oft als schlimmster Alptraum des Transhumanismus oder als Inversion der Ängste in Bezug auf unsere weitere Entwicklung beschrieben.

Für Unkundige: Die Borg sind eine menschähnliche Spezies welche mit allerhand Technik zu Transhumanoiden aufgewertet werden. Schlüsselmerkmale dieser Spezies ist ein kollektives Bewusstsein, physische Stärke des einzelnen Individuums (eben durch die Technik), eine kollektive Organisation und eine aggressive, expansive Verhaltensweise. Die Borg zielen darauf ab, möglichst viele andere Spezies zu „assimilieren“, also auch zu Borg zu machen. Bekannt ist Ihre Ankündigung bei der Begegnung mit anderen Arten:

We are the Borg. Your biological and technological distinctiveness will be added to our own. Resistance is futile.

Die Borg zeichnen ein Bild einer technologisch und sachlich überlegenen Menschheit welche Biologisches mit Technologischem in höchstem Masse vereint und dabei genau diese als menschlich gedeuteten Werte auf dem Weg zu dieser Überlegenheit geopfert hat.

Es ist symptomatisch für Roddenberrys Konzept, dass die Sternenflotte ein paar Mal an den Borg fast scheitert, es aber eben genau diese menschlichen Werte und Konzepte sind (ok, im Falle des Angriffs auf die Erde waren auch noch 39 Kriegsschiffe involviert :-) ) welche schlussendlich dafür sorgen, dass es dann doch nicht so weit kommt.

Damit macht Roddenberry die humanistische Grundhaltung und Verhaltensweise klar zum entscheidenden Merkmal der (guten) Menschheit. Dasselbe ist, natürlich in anderem Kontext, auch Kernaussage vieler religiöser Gleichnisse. Es ist daher nicht zufällig, dass so manche Folge von StarTrek den Anschein eines Gleichnisses macht. Sie sind es.

Realismus?

Bitte kommen Sie mir nicht mit Realismus. Dabei geht es bei Sci-Fi nie. Eigentlich generell nie in Film und Fernsehen.

Ich denke weder das Sternenflotten-Szenario noch das Borg-Szenario ist realistisch. Beide sind ja bewusst überzeichnete Extreme und Extreme haben es mit uns Menschen in der Regel schwer.

Zudem ist der Transhumanismus zu verheissend als, dass er sich nicht durchsetzen wird. Zuerst wohl nur bei verletzten Menschen, wie z. Bsp. Leute die Gliedmassen verloren haben.

Schon heute gibt es voll funktionsfähige Prototypen welche z. Bsp. Oberarme (nicht-invasiv) ersetzen können. Sie kosten im Moment einfach noch USD 500.000. Aber das wird sich rasch ändern und eine künstliche Hand wird in 10 Jahren nicht mehr sonderlich neuartig oder befremdlich sein. Ist diese Technologie durch die Gesellschaft adaptiert, stehen die Türen offen für weitere Anwendungen. Es spricht sachlich gesehen nicht viel dagegen.

Kung-Fu Panda

Noch sind meine Kinder zu klein um sich mit StarTrek auseinander zu setzen. Ich finde sie sind schon mit Kung-Fu Panda überfordert. Was ich allerdings sehr bemerkenswert finde ist, wie stark diese Filme einen Einfluss auf ihre gedankliche Konzeption haben und wie schnell Verhaltensmuster in das tägliche Leben einfliessen.

Von Star Wars habe ich gelernt, dass es Leuchtschwerter gibt (verzeihen Sie mir den Seitenhieb; O-Ton meine Mutter: «So ein Gugus»). Das ist gute Unterhaltung und viele tolle Szenen.

Meinen Kindern werde ich aber StarTrek näherbringen. Dies in der Hoffnung sie würden wie ich ein entspanntes, neugieriges Verhältnis zu Technologie entwickeln und verstehen, dass sich die Menschheit durch eine humanistische Grundprägung weiterentwickelt. Nicht durch Angst vor Wandel und Veränderung. Oder durch geographische und kulturelle Separation.

Wahrscheinlich wird das Unterfangen aber scheitern, ganz einfach darum, weil es vom Vater kommt. Ist ja nie gut. Und enden wird es damit, dass ich Ihnen dann mal Leuchtschwerter zu Weihnachten kaufen muss. Fuck it. Aber ich sehe es schon kommen.

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Ein Kommentar zu „Resistance is Futile“: Zeigen Sie Ihren Kindern StarTrek statt Star Wars!
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