«New Enterprise» – Unternehmen auf der Sinn-Suche

Seit ein paar Jahren beschäftigen sich immer mehr Menschen mit „New Work“. Wie die Zukunft der Arbeit aussieht, welche Motivation Menschen haben eine Arbeit auszuwählen und wie gern sie diese machen, ist zumindest in der Debatte zum zentralen Punkt geworden. Was wir in den letzten Jahren bei der Arbeit sahen, wird nun zunehmend auch auf Unternehmen ausweiten. Zum einen weil sie mit der New Work Bewegung konfrontiert werden, zum anderen aber auch, weil wir immer weiter von einem allgemein gültigen Selbstzweck der Unternehmen wegkommen.

(Lesedauer 5 Minuten)

Fragen Sie zehn Unternehmer, was der Zweck einer Unternehmung ist und sie werden sehr wahrscheinlich zehn verschiedene Antworten bekommen. Natürlich muss eine Unternehmung einen wirtschaftlich sinnvollen Kreislauf unterhalten, um am Leben zu bleiben – sprich sie muss Geld verdienen. Darüber hinaus wird es aber heute schnell diffus und divers. Das hat, so glaube ich, gute Gründe:

Die Gesellschaft, und mit ihr die Menschen und die Unternehmen klettern die Maslow-Pyramide hoch

Ich glaube, dass unsere westlichen, fortschrittlichen Gesellschaften im Endeffekt selbst die Stationen der Maslow-Pyramide durchlaufen. Wir meistern eine um die andere Stufe, bis es nur noch darum geht, sich selbst zu verwirklichen.

In den letzten Jahrzehnten haben wir als Gesellschaften weltweit viele dieser Hierarchiestufen nach Maslow überwunden. Niemand muss in unseren Gesellschaften hierzulande ernsthaft Hunger leiden und das Leben war noch nie so sicher wie heute. Auch können wir unsere sozialen und individuellen Bedürfnisse in einer noch nie da gewesenen Breite und Diversität befriedigen.

Das gilt wohlgemeint nicht für jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft gleichermaßen, sondern für die Gesellschaft im Schnitt. Trotzdem nehmen sich viele Menschen z. Bsp. als arm wahr. Sie sind es im heutigen Kontext oftmals auch. Denn die Anforderungen und Ambitionen wachsen mit den Errungenschaften fortlaufend weiter. Das zählt und ist die heutige Wirklichkeit. Um zu bewerten, wo wir im Entwicklungsprozess stehen, ist es aber enorm hilfreich 50, 100 und 150 Jahre zurückzugehen und die damaligen und heutigen Lebenswirklichkeiten zu vergleichen. Schnell werden Sie feststellen, dass dazwischen sprichwörtlich Welten liegen. Eine ländliche Familie hat sich vor 150 Jahren zu einem ganz großen Teil von Kartoffeln (und sonst fast nichts) ernährt.

Ich denke wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir die unteren Stufen der „Bedürfnisshirarchiepyramide“ als Gesellschaft gemeistert haben. Auf was wir zugehen ist demnach die Selbstverwirklichung. New Work, so glaube ich, muss in dem Kontext gesehen werden.

Geld wird immer weniger wichtig

Ich beobachte denn auch, dass Geld immer weniger wichtig wird. Wenn Sie denken, dass es heute mehr denn je ums Geld ginge, dann verkennen Sie welche Mangelware Geld früher war. Es ist wohl zwar entgegen jeder volkswirtschaftlichen Lehrmeinung, doch es ist hilfreich, Geld als ein „Gut“ zu betrachten. Was mit diesem „Gut“ in den letzten Jahren passiert ist, ist schnell erklärt: Es gibt vielmehr davon und der Preis, den man für Besitz von Geld bezahlen muss, ist regelrecht eingebrochen (der Preis für Eigentum von Geld ist sogar negativ). Und nebenbei, ich wiederhole mich, wird auch irreversibel tief bleiben, so lange nach wie vor so viel Geld vorhanden ist. Im Moment wird laufend mehr Geld gedruckt. Was an Knappheit verliert, wird im Verhältnis zu anderen Gütern (und da dürfen gerne auch virtuelle wie z. Bsp. Zeit mit einbezogen werden) weniger wichtig.

Geld machen?

So sehen mehr und mehr Unternehmen Ihre Bestimmung nicht mehr im Geld verdienen für ihre Investoren. Natürlich sollen Investoren weiter von ihren Investments profitieren. Nur soll diesem einen Aspekt nicht mehr alles untergeordnet werden.

 

Unternehmen der nächsten Generation verfolgen die übergeordnete Aufgabe, einen Dienst an der Gemeinschaft zu tun. Das eigentliche Geschäft wird zum Instrument, diese Aufgabe zu erfüllen. Ihre Existenz bekommt so einen übergeordneten Sinn. Sie sind „New Enterprise“ – Unternehmen.

 

Willst Du die Welt verändern, gründe eine Firma

Eine der direktesten und besten Wege die Welt im Moment zu verbessern, ist diese Verbesserung nach geschäftlichen Gesichtspunkten anzugehen. Während vor ein paar Jahren die „Weltverbesserung“ noch als etwas naives und lächerliches angesehen wurde, sind große Ambitionen zu Gunsten der Gemeinschaft und Weiterentwicklung heute salonfähig. Ich sage, in Zukunft werden sie für Unternehmer die Basis sein, auf welcher jegliche Aktivität aufbaut.

Als wir Accounto und Parashift gründeten, stand als erste Überlegung auch die Verbesserung der Arbeit der Leute im Buchhaltungsbereich im Vordergrund. Es kann einfach nicht sein, dass Buchhaltung noch immer viel monotone, repetitive Arbeit für Menschen bedeutet. Anstatt jetzt hinzugehen und zu versuchen Buchhaltung als etwas tolles zu verkaufen, setzten wir da an, wo wir es übergreifend für sinnvoll hielten: Die Menschen werden erst von dieser Vergeudung von Lebenszeit befreit, wenn laufende Buchhaltung komplett eliminiert ist. Geld verdienen, sehen wir als Folge davon. Je radikaler und schneller wir diesen Paradigmenwechsel befeuern können, desto mehr Geld können wir mit dem Venture machen. Im Endeffekt ist aber die Erfüllung der übergeordneten Aufgabe wichtiger, als Geld zu verdienen (if you are reading this as one of my investors, don’t worry, we’ll still make a ton of money…).

Ich glaube dieser Ansatz ist universell gültig und kann für fast alles eingesetzt werden. Die erste Frage für Unternehmer muss daher immer lauten: Was kann ich mit meiner Unternehmung beitragen, dass es Menschen in der Gesellschaft besser geht?

Wir brauchen eine „New Enterprise“ Bewegung

Um diese Entwicklung weiter zu beschleunigen, benötigen wir den Diskurs von Unternehmern. Zum Teil findet das schon statt, zum Beispiel auch am diesjährigen WEF. Was wir aber benötigen, ist ein „Bergmann“ des „New Enterprise“. Bislang ist niemand in Sicht – aber es kann ja noch werden.

Dabei ist die Fragen für alle Unternehmer dieselbe: Was genau machen wir hier eigentlich? Was bleibt von dem, was wir hier tun? Welche Brücke kann ich in der Geschichte bauen? Und damit sind wir mitten in der Sinn-Suche angekommen.

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