Mit ökonomischer Kurzsichtigkeit verlieren Sie in der Digitalen Transformation.

Ich habe vor längerer Zeit schon einmal geschrieben, wie schädlich das bei Großunternehmen weit verbreitete Quartalsdenken in Bezug auf die Investitionen in digitale Unterfangen ist. Leider sehe ich das auch heute noch oft. Es ist nicht nur fehlender strategischer Weitblick – sondern oft regelrechte ökonomische Kurzfristigkeit.

(Lesedauer: 5 Minuten)

Tiefgreifende Veränderungen bedingen moderate Investitionen?

Oft beobachte ich wie Unternehmen sich mit den um sie stattfindenden Veränderungen schwer tun. Oft werden diese noch immer negiert. Zwar sind wir mittlerweile grundsätzlich darüber hinweg, dass Entscheider noch in Frage stellen ob sich „dieses Internet durchsetzen wird“.

Aber im Detail höre ich oft genug: „Wir glauben nicht, dass das für unsere Kunden so auch gilt.“ In unserem Bereich wird sich das bestehende Modell noch lange halten. Und so weiter und so fort.

Ist erkannt, dass Handlungsbedarf da ist – was früher oder später meiner Erfahrung nach bei allen Unternehmen der Fall ist – wird dann aber nicht etwa entsprechend investiert. Nein, es wird abgewartet, es werden Vor-Projekte oder so ein wenig „me too-Investments“ gemacht.

Das Resultat dieser Taktik ist immer ähnlich; es kommen halbgare Produkte und Projekte dabei raus. Und am Schluss ist man nicht weiter.

Kann man es nicht sehen oder will man es nicht sehen

Ich frage mich ob man diese Entwicklung nicht sehen kann oder nicht sehen will. Und oft genug finde ich für mich keine eindeutige Antwort. Manchmal, so habe ich das Gefühl, ist es auch eine Mischung aus beidem.

Alles wird schneller und kurzfristiger – Investitionen auch?

Wenn es um Investitionen geht, war man schon immer gut bedient, antizyklisch, gegen die Massen, zu arbeiten. Als ich zum Beispiel in jungen Jahren anfing, Geld an der Börse zu investieren, habe ich immer in einem Fort verloren. Meine Entscheidungen waren jeweils von meiner Intuition getrieben und diese Intuition wurde (und wird) ganz wesentlich von den Massen und Meinungen der Mit-Investoren geprägt.

Eines Abends, ich hatte gerade wieder nur verloren seit einer Woche, habe ich mir gesagt, dass wenn ich schon ein zuverlässiges System gefunden hätte, Geld zu verlieren, die jeweils gegenteiligen Entscheidungen eigentlich zu Gewinnen führen müssen. Also habe ich einfach mal immer das Gegenteil von dem gemacht was ich intuitiv richtig fand. Hätte ich 10 Aktion von xy zukauft, habe ich 10 verkauft etc. Zu meinem Erstaunen hatte das genau den gewünschten Effekt. Seit dann weiß ich, Intuition ist in der Regel ein schlechter Ratgeber wenn es um Investitionen geht.

In einer Welt in der sich alles immer schneller dreht, fühlt es sich intuitiv richtig an, auch im Corporate-Bereich den Investitionen ROIs in immer kürzerer Zeit abzuverlangen. Ich glaube aber, dass genau das gefährlich ist.

Investition ist nicht gleich Investition

Gefährlich ist es aus zwei Gründen:

Zum einen sind die Investitionsrückstände mancher Unternehmen in Bezug auf Digitales derart groß, dass die Investitionen gar nicht in überschaubarer Zeit abgeschrieben werden können. Die Frage ob z. Bsp. die digitale Infrastruktur geschaffen werden muss und amortisiert werden kann stellt sich dann gar nicht mehr, weil man ohne die Infrastruktur in Zukunft kein Business mehr hat. Meist werden diese Notwendigkeiten so spät erkannt, dass der Wandel des Business sehr kritisch wird.

Zum anderen fordert das Erproben und Etablieren von neuen Geschäftsmodellen und Produkten meist einen langen Atem. Wie bei Start-Ups auch, muss man aus den Dingen lernen und den Case drehen und anpassen. Wer denkt er kann das in ein paar Quartalen bewerkstelligen liegt fast immer falsch. Und läuft damit ganz schnell in Guidance-Themen der unangenehmen Art.

Mehr Weitsichtigkeit gefragt

In einer Zeit der immer schnelleren Wandel wird meiner Meinung nach die weitsichtige Betrachtung von Investitionen immer wichtiger. Ich weiß, das fühlt sich erstmal komisch an. Aber ich glaube genau so ist es.

Und meist heißt das, kurzfristige Gewinne einer langfristig guten Positionierung und nachhaltigen Ertragslage zu opfern. Denn ein kurzfristig strategisch zu Tode finanz-optimiertes Unternehmen ist vor allem eines; Tod. Der Stapel der langfristigen Probleme einer Unternehmung steigt in der Regel progressiv zu den kurzfristig erzielten hohen Quartalsgewinnen. Tolle Dividenden und Boni hin oder her.

 

 

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