Meine Vision eines TYPO3 Marketplace

In den letzten Tagen hat auf Forge oder auch in Facebook eine Diskussion rund um das Thema Marketplace für TYPO3 stattgefunden. Ein Marketplace wurde im Scenario Paper für die Zukunft der TYPO3 Association kurz angerissen. Ich sehe nun, dass viele Leute sich wenig konkrete Vorstellung von einem Marketplace machen können und zu Recht befürchten, TYPO3 wäre in Zukunft nicht mehr als FOSS verfügbar. Ich wähle diesen Ort hier, um meine persönliche Sicht auf einen möglichen Marketplace zu skizzieren.

(Lesedauer: 5 Minuten – English version)

Was soll der Marketplace sein?

Ich verstehe das Konzept des Marketplace im besten Sinne des Wortes. Grundsätzlich sollte das ein (digitaler) Ort sein, wo Angebote und Nachfrage aufeinander treffen. Die ist ganz bewusst nicht auf die Extensions limitiert, sondern grundsätzlich sind für mich sämtliche Angebote und Nachfragen darüber abwickelbar. Diese Angebote müssen dabei überhaupt nicht zwingend durch Geld abgegolten werden. Vielmehr soll es den Anbietenden frei stehen, ob ein Angebot zu vergüten ist oder nicht. Gleichwohl soll es den Nachfragern möglich sein, Angebote kostenfrei zu beziehen. Soweit die Theorie. Wie kann das aussehen? Folgende Bereiche sollte der Marketplace meiner Meinung nach abdecken:

Extensions

Im Moment das vieldiskutierte Thema. Für mich sollte es in Zukunft zwei verschiedene Arten von Extensions geben. Die einen sind jene, die wir bis jetzt auch haben, frei verfügbar und von unterschiedlicher Qualität und Dokumentation. Dann sollte es aber auch Extensions geben, welche von der TYPO3 Association „approved“ sind. Die T3A stellt sicher, dass die Dokumentation ausreichend ist, dass die Qualität gut ist, etc. Anbieter, welche solche Extensions (oder Extension-Framesets) erstellen wollen, müssen also eine Reihe von Bedingungen erfüllen und können dafür eine jährliche Supportgebühr für die weitere Pflege der Extensions verlangen. Die Höhe der Gebühr für die Extension ist vom Anbieter frei wählbar, die Association nimmt für Ihre Dienstleistungen rund 30% des Umsatzes. Ein Teil dieses Geldes wird für die Qualitätssicherung und den Betrieb des Marketplace verwendet, der Rest fliesst in die Association-Kasse und wird dort für weitere Unterstützung von TYPO3 ausgegeben. Ein solches System hat folgende Vorteile:

  1. Der Endkunde kommt zu günstigerer Funktionalität, weil Extensions 1:1 eingesetzt werden können, da sie umfrangreicher gestaltet wer, wenn sie im Hinblick auf einen späteren universelleren Einsatz entwickelt werden.
  2. Die Hersteller von guten Extensions haben eine finanzielle Motivation diese mit anderen zu teilen, heute ist es so, dass die Agenturen verschiedene sehr gute Extensions haben, welche aber eben nicht im TER sind (und auch nicht geteilt werden).
  3. Es wird keine Lizenz verkauft (was auch gar nicht gehen würde). Die Extensions an sich ist weiterhin frei. Es steht dem Anbieter aber natürlich frei, höhere Preise als die Kosten für die Maintenance zu verlangen, um damit seinen Anfangsinvest zu amortisieren.
  4. Wir ermöglichen Agenturen als „Product-only-Companies“ zu agieren, in dem sie eben nur Extensions programmieren und keine Kundenprojekte realisieren. In der Praxis werden wir wohl eine Mischform sehen.
  5. TYPO3 profitiert als System, da es viel mehr gute Funktionalität aufweisen kann und diese vom Marketing-Team auch entsprechend beworben werden kann.
  6. Das bestehende Extension-Ecosystem wird nicht verändert. Wer will und kann, soll möglichst viele Extensions in möglichst hoher Qualität und möglichst hoher Konfigurabilität teilen. (Würde das heute bereits perfekt funktionieren, benötigten wir keinen Marketplace für Extensions.)

TYPO3 Jobs

Ein weiteres interessantes Feld sind die TYPO3 Jobs. Es kann nur im Sinne der TYPO3 Community sein, dass Stellensuchende und -anbietende schnell zueinander finden (btw, natürlich nicht nur Dev-Jobs). Auch hier sollte es möglich sein, Beiträge kostenfrei einzustellen. Daneben sollte es aber auch möglich sein, gewisse Stellenausschreibungen prominenter zu gestalten. Diese würden dann einen entsprechenden Betrag kosten. Wenn Agenturen Geld für Stellenausschreibungen ausgeben, dann bei der TYPO3 Association. Auch dieses Geld würde dann wieder TYPO3 zugute kommen.

TYPO3 Crowdfunding

Ähnlich sehe ich das auch für das Crowdfunding. Wir sollten eine entsprechende Funktionalität bereitstellen, die es TYPO3 Community Mitgliedern ermöglicht, mittels Crowdfunding verschiedene TYPO3-Projekte (oder auch z. Bsp. Extensions) zu finanzieren. Die TYPO3 Association würde dabei handelsübliche Gebühren verlangen, welche dann auch wieder dem TYPO3 Projekt zur Verfügung gestellt werden.

TYPO3 B2B

Viele Freelancer aber auch kleinere und mittelgrosse Agenturen arbeiten fast ausschliesslich für andere TYPO3 Agenturen. Sie erhalten diese Aufträge um Know-How in einem Bereich zu verstärken oder Auslastungsspitzen zu brechen. Denkbar wäre, dass die TYPO3 Association einen Bereich zur Verfügung stellt, wo konkrete Anfragen und Angebote zueinander gebracht werden können. Ob da auch eine finanzielle Komponente ins Spiel kommen könnte, kann ich im Moment nicht beurteilen. Es ist aber klar, dass es für alle an TYPO3 interessierten Agenturen so leicht wie möglich sein sollte, professionelle Hilfe zu erhalten. Damit meine ich in erster Linie gar nicht unbedingt die „TYPO3 Agenturen“, sondern Internetagenturen, welche von Kunden angefragt werden, ein Projekt mit TYPO3 umzusetzen. Es kann der TYPO3 Community nur helfen, wenn mehr Leute und Firmen in TYPO3 involviert sind.

TYPO3 Themes

Gerade für kleine Projekte ist das Themeing interessant. Ich bin persönlich überhaupt kein Fan von „TYPO3-Themes“, da ich denke die Positionierung der Produkte wird so in Richtung Kleinprojekt gefördert (wie uns das z. Bsp. WP eindrücklich vormacht). Trotzdem muss ich anerkennen, dass es wohl für viele Leute in der Community Sinn machen würde. Zudem würde es wohl bald von den bekannten erfolgreichen WP/Drupal/Joomla-Themes auch TYPO3 Versionen geben und so unseren Systemen weitere Türen öffnen.

TYPO3 Education

Ich mag was aktuell im Bereich Education vorangetrieben wird und ich kann mir gut vorstellen, dass die verschiedenen Angebote, ob sie jetzt von der Assoc oder von Privaten kommen, über den Marketplace angeboten und abgewickelt werden.

Weitere Ideen

Weiteren Ideen sind erstmal keine Grenzen gesetzt. Ich denke, es ist immer dann interessant den Marketplace einzusetzen, wenn dadurch folgende Dinge erreicht werden können.

  1. Den Zugang zu Dingen für die TYPO3 Community einfacher machen (ganz konkret „einfach“ wie z. Bsp. dass nur an einem Platz gesucht werden muss).
  2. Einen Austausch von Ideen, Deliverables, etc. zu beschleunigen, sei das nun bezahlt oder nicht.
  3. Kosten, welche extern anfallen würden (wie z. Bsp. bei Nutzung einer ext. Crowdfundingplattform oder einer externen Stellenbörse) zur TYPO3 Association fliessen. Dann werden diese Gelder im Sinne von TYPO3 weiterverwendet.

Warum dieser Marketplace?

Ich denke, es gibt ganz viele Gründe dafür. Der eine wichtige Grund ist, dass ich denke, es muss viel mehr, gerade im Code-Bereich, geteilt werden. Dabei ist es mir erstmal egal, ob das bezahlt oder unbezahlt geschieht – Hauptsache es geschieht.

Ich durfte in den letzten Jahren in verschiedene Agenturen reinsehen und ich denke, es ist vielen nicht bewusst, wie viel gute Funktionalität eben nicht geshared wird. Zudem: Die überwiegende Anzahl von Agenturen nutzt nur einen Bruchteil der in TER verfügbaren Extensions, ganz einfach weil diese nicht ausreichend umgesetzt und/oder zu wenig universell einsetzbar sind und sie daher, bevor sie im Projekt eingesetzt werden können, tiefgreifend überarbeitet werden müssen. Viele Developer sagen sich da zurecht, na wenn schon, dann bauen wir diese Funktionalität exakt auf den Kunden zugeschnitten neu. So entstehen jedes Jahr hunderte neue Extensions, welche nie TER sehen und teilweise genau dasselbe können. Ein ressourcentechnischer Irrsinn, der so rein gar nichts mit „Inspire to Share“ zu tun hat.

All jenen, die jetzt die ideologischen Wurzeln von TYPO3 in Frage gestellt sehen, kann ich nur sagen, dass ich diese Bedenken verstehe. Auf der anderen Seite wundere ich mich aber auch ein wenig, dass wir unsere Kultur ernsthaft in Gefahr sehen, nur weil wir ein Businessmodell ändern würden. Ein Businessmodell kann nie Kultur sein und vice versa. Eine gerade auch ideologisch geprägte Kultur kann man über Jahrzehnte beibehalten, ein Businessmodell nicht. Wir tun gut daran, das eine nicht mit dem anderen zu verwechseln, denn das Umfeld ist nicht dasselbe wie 2002 und Open Source ist nicht mehr, was es einmal war. 

Der andere wichtige Grund ist für mich, dass wir einfach einen zusätzlichen Revenue-Stream für die TYPO3 Association finden müssen. Es ist traurig: In einem Ecosystem dass rund 400 Mio. EUR umsetzt, finden sich gerade mal knapp 700k EUR im jährlichen Budget der Association. Das mag viele Gründe haben und sie sind sicher berechtigt. Wollen wir jedoch mit unseren Produkten auch im Markt erfolgreich sein, müssen wir einfach viel mehr Ressourcen für Marketing, Events und Produktverbesserungen (Code und Nicht-Code) einsetzen.

Ich möchte nochmals kurz klarstellen, dass es sich bei den oben erwähnten Ausführungen um meine persönliche Meinung handelt. Ich war im Strategieprozess sehr stark involviert und werde, sofern ein Änderungszenario an der GA angenommen wird, wohl in der Vorbereitung mithelfen. An der eigentlichen Ausführung werde ich voraussichtlich nicht mehr mit dabei sein.

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4 Kommentare zu Meine Vision eines TYPO3 Marketplace
  1. Sebastian Gärtner Antworten

    Wäre toll wenn sowas schnellstens umgesetzt werden könne. Die Extensions sollten aber nicht mehr als 10 USD kosten. Sonst wirds wie bei apps. Je weniger sie kosten desto öfter würde man sie verkaufen und die Anzahl der Nutzer würde dann die Qualität des Produktes pushen…

  2. […] they will meet. Alian Veuve wrote an excellent article about his vision of a TYPO3 Marketplace (Ger... typo3worx.eu/2015/03/how-do-you-earn-money-with-typo3
  3. […] Extensions aufgreift, hat Alain Veuve, Mitglied im Vorstand der TYPO3 Association, in einem eigenen ... typo3blogger.de/typo3-association-denkt-ueber-strategiewechsel-nach
  4. Jörg Velletti Antworten

    Dem ist aus meiner Sicht nichts mehr hinzuzufügen.

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