Liebe Digitalwirtschaft: Bitte mehr Optimismus für die Digitale Transformation!

Viele Entscheidungsträger mit denen ich spreche, empfinden die Digitale Transformation als Bedrohung. Auf der einen Seite kann ich das verstehen, denn ja, es geht darum ein angestammtes Geschäft, ein mehr oder minder sicherer Hafen zu verlassen. Auf der anderen Seite habe ich damit meine liebe Mühe, denn; wie kann man Neues entwickeln wenn man durch Verlustängste getrieben ist?

(Lesedauer 4 Minuten)

Rolle der Digitialwirtschaft und der Berater

Betrachtet man die Rolle unserer Branche muss man leider sagen, dass wir vielfach dazu beitragen. Da werden etwa Slogans wie „Meistern Sie die Digitale Transformation“ verwendet, was eine ganz subtil verklärende Botschaft ist. Denn sie setzt die Digitale Transformation in den Kontext einer (negativ besetzten) Herausforderung oder eines Problems. Folgt man diesem Ansatz gedanklich würde das bedeuten, dass man sein angestammtes, nicht digital transformiertes Geschäftsmodell nur eben transformieren müsste und gut ist. Genau das funktioniert leider in den seltensten Fällen. Vielmehr geht es darum die vorhandenen Ressourcen und das Knowhow in neue Geschäftsmodelle einzubringen.

Akquisitions-Propaganda

Auf der anderen Seite werden viele von uns nicht müde unseren Kunden vorzubeten, wie schlimm es z. Bsp. dem Retail ergehen wird. Da wird in hunderten von Vorträgen, Blog Posts und Fachartikel darauf verwiesen, dass es nun 5 vor 12 ist. Ganz ehrlich, ich glaube es ist mittlerweile angekommen! Was eine solche „Propaganda“ nun noch bringt ist pure Angst. Angst, die sowieso schon latent da ist, vor Veränderungen, Investitionen und ganz generell sich aus der unternehmerischen Komfortzone zu bewegen. Also eigentlich genau das Gegenteil von dem was wir in der Digitalindustrie von unseren Kunden gerne hätten.

Falsche, versteckte Schadenfreude

Und hie und da habe ich das Gefühl es schwingt bei manchen Branchenkollegen auch eine gewisse Schadenfreude mit. Wer wie ich schon ein Jahrzehnt mit dabei ist, kann das sicher auch verstehen. Was wurden wir belächelt damals, in diesen frühen Jahren der Digitalwirtschaft, von Entscheidungsträgern. Verkauf damals war vielmehr Missionarsdienst. Wir mussten die Kunden überzeugen, dass es wichtig ist eine Website, einen Online-Shop zu haben. Und oft wurden wir gerade zu abgekanzelt: „Das benötigen wir für unser Geschäft nie. Unsere Kunden nutzen das Internet nicht. Dieses Internetz wird sich nie durchsetzen“.

Ein Teil dieser Leute nun in Ihrer unternehmerischen Baustelle hart arbeiten zu sehen (weil dieses Internetz gerade dabei ist das Stammgeschäft zu zerlegen), schafft mitunter schon ein Gefühl der Gerechtigkeit. Man sollte sich aber bitte nicht daran laben, und, man sollte es weiss Gott nicht forcieren. Das empfinde ich als unlauter.

Der Wake-Up Call ist durch

Auf der anderen Seite war das bisschen Drama, dass wir unseren Kunden vorsetzten ok im Sinne eines Wake-Up Calls. Der ist aber mittlerweile von fast allen gehört worden. Wir können also getrost aufhören damit. Aufhören z. Bsp. mit dem sinnbefreiten Vergleichen von Offline- vs. Online Kanälen. Oder mit Marktbeobachtungen die Online gegen Offline ausspielen. Diese Betrachtungen zielen an der Wirklichkeit vorbei. Und sehr bald schon wird es auch nicht mehr möglich sein, diesen Cut zu machen, zum Beispiel bei E-Commerce. Wollen Sie als Berater oder Agentur mittelfristig glaubwürdig bleiben, hören Sie am besten sofort damit auf.

Fokussierung auf Chancen

Wir sollten als Vertreter der Digitalwirtschaft vielmehr die Chancen der Digitalen Transformation propagieren. Denn das ist das eigentlich relevante an den ganzen Veränderungen.

Die Digitale Transformation bietet jedem Unternehmer bislang ungeahnte Chancen.

Die Karten werden gerade neu gemischt und eine neue Runde des Spiels beginnt. (btw: Das Spiel geht neu über viel kürzere Runden und es werden die Regeln während des Spiels geändert. Get used to it.)

Es sind brillante Zeiten um neue Firmen zu gründen und mit bestehenden Firmen in neue Gebiete vorzudringen. Genau das aber, predigen wir unseren Kunden nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Kunden sehr offen dafür sind wenn man ihnen Möglichkeiten und Wege aufzeigt.

Digital Transformation Hidden Champions

Vielfach sind es die kleineren Firmen mit jüngeren Führungskräften welche ganz natürlich Schritte in Richtung Digitale Transformation machen. Ich habe einen Kunden, der gerade wie nebenbei, sein ganzes Auftrags- und Abrechnungswesen mit seinen Aussendienstmitarbeitern auf einen digitalen Prozess umstellt. Warum er das tut? Weil es sein Geschäft vereinfacht und dem Kunden eine bessere Dienstleistung bringt. Und weil es ihm Kosten spart und die Fehlerquellen reduziert. Und; als er mir die Plattform zeigt, O-Ton: „Ist doch cool oder?“ Ja ist es. Weniger der digitale Prozess an sich, sondern die Art und Weise wir er mit den neuen Möglichkeiten umgeht. Er nutzt sie eben auch. Davon können sich viele Mittelständler und Grossunternehmen eine Scheibe abschneiden.

Opportunismus wie zu Gründerzeiten

Um in Zukunft erfolgreich sein zu können, muss man Lust auf sie haben.

Eigentlich haben wir ja heute wieder Gründerzeiten. Ich wünschte mir, dass unsere Branche mehr dazu beitragen würde, diesen opportunistischen Optimismus zu versprühen und die Kunden ermutigen würde, neue, radikalere Schritte zu machen. Wir alle wissen, dass die Digitale Transformation nur der Anfang ist. Die Lust, neben dem Mut, neue Wege zu gehen ist entscheidend. Nachdem wir unsere potentiellen Kunden nun ein paar Jahre die Lust genommen haben könnten wir ja nun dazu beitragen, dass unsere Kunden wieder Lust auf Neues bekommen. Ich bin überzeugt, das ist dann auch das viel bessere Geschäft für uns in der Digitalwirtschaft.

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