Jump!

Ich bekomme sehr oft Mails von Leuten, welche meinen Blog lesen und verfolgen was ich tue. Ich versuche möglichst alle zu beantworten (sorry, wenn es mal nicht klappt). Eine Frage, die mir dabei oft gestellt wird, ist jene nach dem Sprung in die Selbständigkeit resp. ins Unternehmertum. Hier ein paar Gedanken dazu.

(Lesedauer 4 Minuten)

Oben auf der Klippe stehen

Die Leute, welche mich danach fragen, ob Sie den Schritt ins Unternehmertum machen haben in der Regel meist schon einen beachtlichen Weg hinter sich. Zum einen meist beruflich, fast immer aber gedanklich.

Ich vergleiche den Prozess zum Wechsel in das Unternehmertum gerne mit dem Sprung von einer Klippe. Man muss sich damit auseinandersetzen, die Klippe von der flachen Seite her besteigen. Das ist meist ein längerer Prozess. Gestandene Leute, welche ja schon eine Berufskarriere leben, machen den größten Teil der Firmengründer aus. Das Ausbrechen aus der vermeintlichen Sicherheit, hinein in eine ungewisse Zukunft ist für viele der mental größte Schritt.

Wenn alle diese Überlegungen gemacht sind, stehen diese Leute bildlich gesprochen dann oben auf dieser Klippe, mit einem Fallschirm, von dem man nicht so recht weiß, ob er einen tragen wird. Und dann schreiben sie mir eine Mail. In 99 von 100 Fällen rate ich zum Sprung. Ich stelle mir das manchmal so vor, als würde ich danebenstehen und „Jump!“ schreien.

Geht es schief?

Der Sprung an und für sich muss wirklich beängstigend sein. Es ist gleichzeitig ein Sprung raus aus der Komfortzone. Er ändert die persönlichen Lebensumstände. Öffnet sich der Fallschirm richtig – sprich kann das Unternehmen im Markt Fuß fassen? Völlig offen. Und: meist haben Gründer eine drakonische Vorstellung des Scheiterns. In der Wirklichkeit ist es meist weniger schlimm. Das auch darum, weil sich in der Regel immer wieder neue Türen öffnen.

Mit der Zeit ändert sich fast immer auch die Definition von Erfolg und Misserfolg. Oft wird das Geschäftsmodell angepasst und neu ausgerichtet.

Wechselwirkung zwischen Risiko und Ambition

Ich denke, dass sich der Entscheid zur Unternehmensgründung für Leute, welche bereits im Berufsleben stehen, immer auch als Trade-Off zwischen hinzunehmendem Risiko und der eigenen Ambition zu verstehen ist.

Ich glaube, die meisten Menschen sind recht ambitioniert, auf der anderen Seite aber zu wenig risikobewusst. Das führt bei vielen dazu, dass sie mit ihrem zwar risikolosen aber eintönigen Leben unzufrieden werden.

Ein anderer Faktor ist beruflicher Erfolg. Ich selber hatte lange Zeit sehr viel Angst, wirklich viel unternehmerisches Risiko zu nehmen. Zwar hatte ich immer irgendwelche Unternehmen und/oder war in welche involviert bei denen ich auch Anteile oder Mitsprachrecht hatte, es wurde für mich aber erst allmählich klar, dass ich damit nie glücklich werden würde. Obwohl ich Spaß an der Arbeit hatte und immer schon gut verdienen konnte. Eines Tages wurde mir schlagartig klar, dass mir das Geld in der Bank nichts helfen wird.

Ich stand also vor der Entscheidung so weiter zu machen oder die Dinge grundlegend zu ändern. Ich entschied mich für letzteres – was für mich hieß, alle fünf Jahre ein Hochrisiko-Venture zu gründen und parallel in möglichst viele Start-Ups involviert zu sein. Das ist kein Rezept für ein einfaches Leben – eher ein Garant für kontinuierliches Drama. Aber etwas von dem ich denke, dass es mir entspricht.

Ich stand vor 2 Jahren also, obwohl ich schon selber Zeit meines Lebens immer irgendwie selbständiger Unternehmer war, selber auf der Klippe. Und ich habe mich angeschrien: „Jump!“

Warum ich dann tatsächlich gesprungen bin, hatte mit der simplen Überlegung zu tun, dass ich, wenn ich jetzt einfach so weitermache, unter dem Strich mehr verliere, als wenn ich springe. Vielleicht nicht unbedingt finanziell – sondern generell für mich in meinem Leben.

„Ich ehre jede/n der es versucht. Ganz einfach darum, weil etwas Neues zu wagen immer besser ist, als den Status-Quo zu erhalten. Und weil jeder Anfang etwas Magisches hat.“

Alles ist möglich – wenn man nur daran glaubt

Oft höre ich auch Schlachtrufe wie „Alles ist möglich – man muss nur daran glauben“. Das halte ich für ausgemachten Schwachsinn. Es ist ganz vieles nicht oder noch nicht möglich und daran glauben ist das was wohl am wenigsten hilft.

Neben der Motivation für Jungunternehmer es doch zu wagen, gebe ich meist noch ein paar Tipps mit. Wenn Sie jetzt denken, da kommen ganz viele weise Dinge irren Sie. Es ist alles viel banaler als einem überall in den einschlägigen Start-Up Formaten andauernd erzählt wird.

Die wichtigen Dinge sind nicht hip. Es sind eher althergebrachte Tugenden wie Fleiß und Disziplin die einen wirklich weiterbringen. Was den Unterschied macht, ist wohl nicht aufzugeben – auch wenn sich das richtig anfühlen würde. Wer dann noch dankbar seinen Weg gehen kann, wird es leichter haben. Und am Ende, das unterschätzen viele, gehört einfach unglaublich viel Glück dazu. Je mehr man macht, desto mehr man sich engagiert, ergeben sich glückliche Umstände. Da ist nichts Esoterisches dabei – es ist vielmehr profane Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Wenn Sie sich also mit dem Gedanken rumschlagen, ein Unternehmen zu gründen oder sich selbständig zu machen kann ich nur eines sagen: Tun Sie es. Denn wie Erich Kästner schon sagte:

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Also tun Sie es.

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