Friede auf Erden – und den Menschen ein Produkt!

Keine Angst, das wird nicht so ein typischer „das richtige Weihnachten“ Artikel. Kein Aufruf zu mehr Bescheidenheit, zu mehr innerer Ruhe. Zu mehr Nächstenliebe. Nein, auch wenn ich kein Fan von Weihnachten bin rate ich jedem zu feiern was das Zeug hält. Und, um Himmels Willen; shoppen sie ordentlich ab.

XMas for the Win

Dieser Artikel hier hat marginale Verbindung zu Religion und damit zu Weihnachten. Der Grund warum ich ihn heute runter schreibe, hat viel damit zu tun, dass ich erst jetzt heute Morgen dafür Zeit finde und, zugegeben, dass ich in den letzten Tagen wieder einmal den Satz „Friede auf Erden – und den Menschen ein Wohlgefallen“ hörte und ich mich fragte was genau denn den Menschen heute ein Wohlgefallen ist resp. wäre.

Theologen unter Ihnen werden mir wohl die Argumentation um den Kopf watschen und würden mich aufklären wollen, dass mit Friede der Friede von Menschen zu Gott und der Wohlgefallen die versinnbildlichte Gnade Gottes für die Menschen bedeutet. Allerdings, ist das nur eine Interpretation von vielen und wie so oft, versteht der Mensch auf der Straße sowieso alles anders und direkter. Soll mich und damit Sie heute nun auch nicht kümmern.

Als einer meiner Söhne mich im Sommer fragte, ob es je wieder einmal Krieg geben würde, war ich eigentlich recht schnell bereit zu antworten, dass ich das für sehr unwahrscheinlich halte. Sämtliche Daten zeigen, dass wir uns in dem Bereich gut entwickelt haben. Auch wenn die Turbulenzen politischer Natur bisweilen an Groteske fast nicht mehr zu überbieten sind, gibt es erstaunlich wenig Anzeichen dafür, dass katastrophale Konflikte in der Grundgesamtheit wieder zunehmen werden. Das heißt noch lange nicht, dass das so bleiben muss.

Und das soll bitte auch nicht davon ablenken, dass es laufend schreckliche kriegerische Konflikte mit Hunderten von Toten gibt. Solange nicht der Hinterletzte verstanden hat, dass wir alle auf dem Planet vereint sind, wird das so bleiben.

Aber trotzdem, man weiß erstaunlich wenig darüber, wie kriegerische Konflikte letztlich entstehen und wir tun sehr wenig dafür das aufzuklären. Zwar gibt es den Bereich der Friedensforschung – der sich aber zu einem großen Teil um die Auswirkungen der Kriege oder deren grundlegende Motivation beschäftigt. Die systematisch rationale Erforschung des Friedens erfolgt praktisch nicht.

Was mich am meisten verblüfft hat die letzten 15 Jahre ist, dass wir die simpelsten Erkenntnisse gar nicht bekannt sind, geschweige denn zu einer Verhaltensänderung führen:

Gewalt funktioniert nicht

Mit Gewalt Probleme lösen zu wollen funktioniert nicht. Die Vorgehensweise produziert immer, absolut immer, nur Verlierer. Ich kann zwar meinem Kontrahenten den Kopf einschlagen und ihn damit für mich unschädlich machen, die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Vorgehen aber auf mich oder mein unmittelbares Umfeld zurückfällt ist fast 100%.

Mit militärischer Verteidigung sieht das ganz ähnlich aus; ich kann ein Land zwar versuchen zu verteidigen, aber der dadurch angerichtete Schaden in der Grundgesamtheit ist grösser als wenn sich das Land militärisch gleich ergeben hätte. Das kommt daher, dass, sobald Waffen im Spiel sind die Schäden auf allen Seiten ins Unermessliche steigen.

Zudem, und das ist wirklich verrückt, gibt es keine Beispiele wo ein Krieg einen Konflikt wirklich gelöst hätte. Es ist viel mehr so, dass nach einer gewissen Zeit im Krieg die eine oder andere Partei oder oft beide Parteien, der kriegerischen Handlungen überdrüssig werden und sich am Ende um den Schaden kümmern. Der emotionale Schaden dauert über Generationen und ist damit selbst über Generationen hinweg inhärent vorhanden.

Wir geben Unsummen für Kriegsgerät und Organisation aus und bezeichnen es als Erfolg wenn wir es nicht einsetzen müssen. Wir investieren aber keinen Cent in neue, bessere Optionen für die Konfliktlösung.

Nur wer den Krieg nicht kennt, zieht Krieg in Erwägung

Ich habe noch niemanden getroffen, der im Krieg war und Krieg als etwas ehrbares oder lohnenswertes bezeichnet. Der Großvater meiner Frau, der im 2. Weltkrieg stark involviert war, pflegte zu sagen: „Wer stolz auf den Krieg ist, war garantiert nie im Krieg.“

Was ich mit Sorge wahrnehme ist, dass die allermeisten Leute nicht ansatzweise eine Ahnung haben, wie sich Krieg anfühlt. Das ist gefährlich, weil man solche Leute mit Kriegsversprechen locken kann. Die Generation meiner Großväter, hätte gar nix mehr in den Krieg getrieben. Spannend ist da auch der subjektive Vergleich von alten Deutschen und alten Schweizer Männer. Während die Schweizer Männer stolz auf Ihre Leistung im Krieg waren – aber eben gar nie in Kriegshandlungen verwickelt waren (für diese Aussage hätte ich von meinem Großvater selig eine runtergeklatscht zu bekommen riskiert), sprachen deutsche Kriegsveteranen die ich kennen lernen durfte sehr ungern über den Krieg. Völlig unvorstellbar auch, dass nur ein einzelner nochmals in den Krieg gezogen wäre.

„Friede ist wie funktionierende Informatik. Wir nehmen ihn kaum zur Kenntnis und würdigen ihn nicht bis er bricht.“

Meine Kinder lernen in der Schule viel. Wir lernen jeden Quatsch, z. Bsp. wie die Singvögel der Region benannt wurden, aber wir lernen nichts darüber wie Konflikte entstehen, was Krieg ist. Wir haben kein Fach Frieden – auch wenn Frieden für die Menschheit die Basis ist, auf welcher jegliche gesellschaftlichen Errungenschaften aufbauen. Warum nicht? Es ist das nächstliegendste. Das ist paradox.

Wir „engineeren“ Frieden nicht.

Die Lösung des Problems ist, so glaube ich, viel einfacher als viele denken. Es ist nur unmöglich mit dem historischen Mindsets, das wir noch immer herumschleppen. Die Möglichkeiten, Friede weltumspannend zu etablieren, erweitern sich laufend. Wenn Sie sich denken „Jöö, wie naiv“, denken Sie nochmals darüber nach. Warum verbinden Sie ambitionierte Vorhaben in Friedensbemühungen mit Naivität? Ist dieses Denken nicht Teil eines eben „historischen Mindsets“?

Gerade in der Weihnachtszeit prangern viele Leute wieder die „Ersatzreligion Konsum“ an. Ich glaube das greift zu kurz.

Die Welt hat sich in den letzten 200 Jahren rasant kommerzialisiert. Alle denken mehr und mehr wirtschaftlich, im privaten wie geschäftlichen. Ich glaube diese Entwicklung ist ein starker „Friedenstreiber“. Wenn wir mehr und mehr nur noch tun was sich lohnt, dann wenden wir weniger Gewalt an, weil sich das schlicht und einfach nicht lohnt.

Krieg ist ein Big-Business

Ich bin ein großer Fan davon, Business dafür zu „missbrauchen“, ideelle Ziele zu erreichen. Diesen Effekt können wir mehr und mehr beobachten: Superreiche wie Bill Gates geben das Geld, das sie erwirtschaftet haben für die Lösung von gesellschaftlichen Problemen aus. Andere wie Elon Musk aggregieren so viel Geld wie möglich um auf den Mars zu fliegen. Ob sie es nun für erstrebenswert halten Kinder zu retten oder Menschen auf dem Mars zu haben ist dabei gar nicht so wichtig, denn es sind zweifellos Dinge welche der Menschheit zu Gute kommen. Business muss einen größeren Sinn haben.

So scheint der Zeit des „Ackermann-Kapitalismus“ eine Zeit des „Gute-Taten-Kapitalismus“ zu folgen. Und, wir internalisieren immer mehr negative Effekte in das wirtschaftliche Modell. Angekommen ist diese Entwicklung beim Umweltschutz, wo immer mehr Verursacher gezwungen werden, die gesamten Kosten ihres Handelns in ihren Produkten abzubilden. Es ist nur logisch, dass das früher oder später auch mit sozialen negativen Effekten passieren wird. Das Konzept des „Bedingungslosen Grundeinkommens“ ist gewissermaßen ein erster wenn wohl auch noch unreifer Ansatz genau in diese Richtung.

„Wenn Krieg also Big-Business ist, warum kann Frieden nicht auch Big-Business sein?“

Die meisten Menschen auf dem Planet wollen unbedingt Frieden, das sollte allen etwas wert sein. Die Zahlungsbereitschaft für Frieden ist grundsätzlich höher als jene für Krieg. Für mich sieht das nach einem unglaublich großen, interessanten Markt aus.

Spannend daran ist, dass wir die Spendings ja bereits haben: Die weltweiten Ausgaben für Militär betrugen im 2017 1.739 Trillionen USD.

Würde man dieses Geld an alle Menschen auf der Welt verteilen ergäben das rund USD 200 pro Jahr und Person. Das ist unglaublich viel Geld – besonders wenn man bedenkt, dass ein erheblicher Teil der Menschen mit weniger als USD 500 pro Jahr auskommen muss.

Würden Sie es tun?

Wenn nun jemand käme und Ihnen einen Deal anbieten würde: Sie bekommen USD 200 bar auf die Hand wenn Sie sich im Gegenzug verpflichten, keinerlei kriegerische Handlungen direkt oder indirekt zu unterstützen? Würden Sie es tun? Die große Mehrheit würde es tun. Genug groß, um Abtrünnige wirtschaftlich zu kontrollieren.

Zu radikal? Ok, bin ich bei Ihnen, ein solches Umdenken ist schwer zu erreichen. Aber wohl nicht unmöglich. Es ist alles unmöglich, bis man es tut.

Aber bleiben wir erstmal moderater: Was wäre wenn wir alle, die wir momentan für kriegerische Aktivitäten bezahlen, neu dafür bezahlen würden, genau diese Aktivitäten nicht mehr zu verfolgen. Wir würden also dem Soldaten sagen, wir bezahlen dich ab heute dafür, dass Du auf gar keinen Fall kriegerisch handelst. Würde das nicht tendenziell für mehr Frieden sorgen als umgekehrt?

Unsere Friedensbemühungen unterliegen altem Denken

Die Bemühungen für Frieden, die vielen Hilfsorganisationen, alle agieren auf dem gedanklich abgesteckten Rahmen, dass wir militärische und politische Optionen als gegeben und unverrückbar annehmen müssen. Das ist grundfalsch. Anstatt wir uns mit der rationalen Lösung des Problems auseinandersetzen, hegen und pflegen wir die Umstände die das Problem erst so unberechenbar machen. Alles im besten Wissen und Gewissen, mit absolut hehrem Hintergrund. Und ich schätze alle, die versuchen Menschen zu helfen. Aber vielleicht ist, so verrückt das auch gerade klingt, Frieden als Produkt, das man konsumieren kann für unsere Epoche für die Menschheit zugänglicher als alles andere.

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