Unser größter Feind sind wir selbst: Europa und die technologische Veränderung.

Wenn man sich im Europa der jetzigen Tage umsieht, wird man das Gefühl nicht los, dass wir in den Seilen hängen. Das wir so gar nix mehr können. Und, dass wir es mit unserer ganz eigenen Lust am Devoten auch zelebrieren wie nie zuvor. Wie dumm.

(Lesedauer: 4 Minuten)

“Welcome to a world of full throttle changes”

Ich predige schon eine ganze Weile, dass wir nicht die „Digitale Transformation“ meistern müssen, sondern, dass wir am Anfang eines Zeitalters des extremen technologisch getriebenen Wandels stehen.

Dass dies eine Herausforderung werden wird für eine „auf Ewigkeit angelegte“ Kultur wie jene welche wir hier in Europa pflegen, habe ich erwartet. Über das Ausmaß der Probleme und der Wahrnehmung dieser bin ich allerdings – offen gestanden – doch recht erstaunt.

Wer die verschiedenen Problemstränge/Herausforderungen analysiert, kann diese in zwei grundsätzliche Kategorien unterteilen. Die tatsächlichen realen Herausforderungen die sich aus äußeren Einflüssen, wie z. Bsp. durch neue Technologie induzierte Marktverschiebungen, außenpolitische Veränderungen und soziale Herausforderungen, ergeben. Und zweitens, die eher virtuellen Herausforderungen die wir uns selber zusätzlich aufbürden.

Probleme wo man hinsieht

Und ja, natürlich gibt es da Probleme: Zum Beispiel eine einst gloriose Automobilindustrie die wie nichts anderes auf dem Planeten das deutsche Qualitätsbewusstsein, die Produktexzellenz und Rechtschaffenheit verkörperte. Ich habe fest damit gerechnet, dass es für die Deutschen Hersteller in Bezug auf die technologischen Veränderungen eine Herausforderung wird. Dass sie sich aber derart dilettantisch mit einem groß angelegten Betrug sozusagen in beide Knie schießen, nein das hätte ich mir halt wirklich nie im Leben vorstellen können. Und, wir stehen in dieser Sache erst am Anfang, denn mit jedem Tag wird die Lage komplizierter und schwieriger zu lösen.

Dasselbe gilt z. Bsp. auch für den Datenschutz. Peter Thiel hat schon recht, wenn er sagt, dass die DSGVO ein riesiges Eigentor ist. Sie ist genau das, eine unglaubliche Dummheit. Ich habe in den letzten Monaten mit dutzenden Führungskräften dazu gesprochen. Restlos alle äußern sich genau in diese Richtung dazu. Zudem: Meine Erfahrung mit vielen Usern ist diese, dass zwar viele es schlimm finden, wenn mal irgendwo wieder Daten gestohlen oder missbraucht werden. Sobald es aber irgendwo etwas im Gegenzug zu Daten kostenlos gibt, ist Datenschutz egal. Reale Probleme sehen anders aus.

Und der Gesetzgeber macht verschiedenen, vielleicht gar nicht mal so falschen Motiven, ein Monstrum, das uns schon unglaublich beschäftigt hat und wohl viele Dinge welche wir in der zukünftigen Wirtschaft tun werden, unnötig behindern.

Solche Beispiele, also jene in denen wir uns selber die Probleme bereiten, gibt es endlos. Das ist zum einen bitter, zum anderen aber auch positiv. Denn wenn wir an vielen Problemen selber beteiligt sind, heißt das auch, dass wir diese vergleichsweise einfache(r) lösen können.

Negativkultur

Mehr als andere aber, sind wir gut darin uns selber schlecht zu machen. Ich weiß nicht wie oft ich die Sprüche und Vergleiche höre, dass Europa nur wenige oder gar keine Unicorns hätte. Peinlicherweise, haben viele, die diesen Umstand beklagen, gar keine Ahnung wie unbelastbar Bewertungen im Start-Up Umfeld (gerade auch die großen) sind. Dass es z. Bsp. in den US mehr Unicorns gibt als in Europa ist schon mit auch dem Umstand geschuldet, dass in Europa grundsätzlich konservativer bewertet wird.

Und diese Litaneien darüber, was wir alles nicht können, wie die Vorstände verstaubt seien und wie wir hier einfach überhaupt nix auf die Kette kriegten. Was soll denn das bringen? Wir sollten die Leute die etwas tun anfeuern.

Wir stehen ja zum Beispiel beim Radrennen auch nicht am Streckenrand und rufen dem Zweit- und Drittplatzierten zu: „Du liegst um Lichtjahre zurück, Du kannst nix, das wird jetzt ganz schwierig für Dich. Du Pfeife!“

Nein, wir feuern die Leute doch an, wollen Sie gewinnen sehen.

In Deutschland will niemand mehr jemand anderen gewinnen sehen. Alle wollen nur tunlichst selber nichts verlieren. Und bevor Sie sich als Schweizer oder Österreicher jetzt heimlich freuen; das gilt für Sie in genau gleichem Masse.

Wir müssen aufhören mit diesem Beklagen, dem Rumgeheule, dem permanenten Prophezeien einer möglichen Europäischen Apokalypse. Und das gilt gerade in hohem Masse auch für Thoughtleader aus der Digital- und Start-Up Wirtschaft. Denn aufgewacht sind alle längst, die Zeichen der Zeit sind erkannt.

Wir schaffen das.

Es ist schon auf bitterböse Art witzig, dass ausgerechnet dieser Schlachtruf zum Synonym der Versagenskultur in der breiten europäischen Bevölkerung avanciert ist. Als wären Flüchtlinge und Terror wirklich Probleme. Uns fehlt die Sicht auf das Faktische.

Dabei benötigen wir doch eben genau das: Leute, die hinstehen und sagen „Wir schaffen das!“ Nicht Ihr schafft das sondern wir alle zusammen.

Kulturwandel

Wir können die Dinge ändern indem wir aufhören, jedem der etwas machen will, einzureden, dass es schwierig wird oder unmöglich ist.

Alles, restlos alles das zu großartigen Resultaten führt ist schwierig.

Ich mag mich noch gut daran erinnern, als ich einer älteren Bekannten mal von meinen unternehmerischen Plänen erzählte und sie mir antwortete ich „sei ja nicht Steve Jobs“ und ich sollte kleinere Ambitionen haben und kleinere Brötchen backen. Ich dachte damals, dass die gute Dame wirklich nicht bei Trost ist: Natürlich kann ich meine superambitionierten Pläne erreichen. Heute, gute 10 Jahre später, sind längst nicht alle dieser superambitionierten Pläne aufgegangen, aber vieles konnte ich erreichen, einen Unterschied machen und auch Arbeitsplätze schaffen. Hätte ich diesen Ratschlag damals für bare Münze genommen, ich wäre wohl in einem sicheren, angepassten Job gelandet. Ich hätte mir gar nie zugetraut das zu tun was ich heute tue.

Wir müssen unbedingt aufhören unseren jungen Leuten zu erzählen, dass sie die verrückten Dinge nicht tun können. Wir sollten sie anfeuern und wir sollten sie darauf konditionieren, dass es viel wichtiger ist, großartige Dinge zu bauen oder zu machen als kurzfristig Geld zu verdienen und um 17:00 Uhr nach Hause zu gehen und eine ruhige Kugel zu schieben. Denn mehr denn je zuvor, bauen die jungen Unternehmer und Unternehmerinnen die wirtschaftliche Realität von morgen. Und es ist einfach auch viel mehr Spass, als dieses „fitter, happier, more productive“.

Und wieder lernen, die notwendige Arbeit reinzustecken

Und – da mache ich mir wohl jetzt keine Freunde damit – wir müssen wieder lernen hart zu arbeiten. Ich habe viele junge Leute kennen gelernt, die sich für doof halten wenn sie sich irgendwo richtig reinhängen. Viele sind überhaupt nicht in der Lage, mal 12 Stunden ohne Pause durchzuziehen. Ich halte den Sozialstaat für eine der bedeutendsten und wichtigsten Errungenschaften des europäischen Kontinents. Wir sollten stolz darauf sein und ihn gut behüten.

Ein Nachteil aus wirtschaftlicher Sicht ist, dass diese Wohlfahrt auch mit dazu führt, dass viele sehr fähige Menschen nicht mehr Ihre ganze Schaffenskraft einsetzen und dem Müßiggang frönen. Arbeit und Engagement muss cool werden. In den USA, mit denen wir uns ja permanent vergleichen, ist es das grundsätzlich eher. Und, das vergessen wir oft, es ist auch gar nicht anders möglich als mit viel Arbeit in den USA gut über die Runden zu kommen. Es reicht schon wenn man die gesetzlichen Urlaubsansprüche vergleicht. Großartige Dinge entstehen erst, wenn man sie tut.

Tun wir es

Unsere Zukunft ist großartig. Sie ist nur dann nicht großartig, wenn wir sie nicht aktiv gestalten und versuchen den Status-Quo zu verwalten und zu verteidigen.

Was wir tun müssen ist auf breiter Front zu investieren: Der Staat, in dem er die Rahmenbedingungen und den Nährboden für soziales Unternehmertum verbessert und die wirklichen Probleme löst, die Kapitalgeber mit, Überraschung, viel höherem und riskanterem Kapitaleinsatz, die Unternehmer mit stark vermehrter Risikonahme und alle anderen in der Gesellschaft mit täglicher, auch moralischer, Unterstützung. Dann, so ungern Sie das vielleicht jetzt hören, ja dann, schaffen wir das.

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4 Kommentare zu Unser größter Feind sind wir selbst: Europa und die technologische Veränderung.
  1. Titus von Unhold Antworten

    Die meisten hier haben schlicht noch nicht gemerkt dass die USA wirtschaftlich zu Grunde gehen und China wieder die große Weltmacht wird. Außer ein paar Unternehmen in einem kleinen Abschnitt der Westküste und einem noch kleineren Teil der Automobilwirtschaft gibt es in den USA kaum Unternehmen die eine weltweite Bedeutung haben. Der Wohlstand der USA hängt zum großen Teil von fossiler Energie ab. Dazu kommen die Wirtschaftsdaten die von einigen Volkswirtschaftlern im Deutschlandfunk schon jetzt als sicheres Zeichen für einen dauerhaften Abschwung gedeutet werden.

    Auf der anderen Seite stehen Länder wie China die irrsinnige Mengen Dollar horten und die USA mal eben mit einem Fingerschnipp in eine Wirtschaftskrise wie in den 1920er Jahren katapultieren können. Zudem investiert Peking international Milliardensummen in Infrastrukturen von Straße bis Schiene und sichert sich den Zugriff auf Rohstoffe aller Art. Zu diesen Rohstoffen gehören natürlich auch geschliffene Diamanten wie Personal von z. B. BMW oder ganze Unternehmen wie Kuka.

    Einer der größten Analytiker der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge ist wohl Heiner Flassbeck, der kürzlich sagte die einzige Marktwirtschaft der Welt würde von der chinesischen Regierung geführt.

  2. Alexander Röhrig Antworten

    „[…]Faktisch betrachtet, ist der Aufwand und die Kosten die wir für die Terrorbekämpfung aufwenden nicht im Ansatz durch den Schaden den dieser verursacht gerechtfertigt. Die Dominanz des Themas in der öffentlichen Debatte ist unverhältnismäßig und nur durch diffuse Ängste begründet. Wir haben vor Terror so Angst, wie Kinder vor der Dunkelheit Angst haben. Es ist total unbegründet. Wie absurd das Ganze ist, zeigt sich wenn wir das Thema Terror z. Bsp. durch Haushaltsunfälle (welche weitreichende Schäden verursachen) ersetzen würden: Warum investieren wir nicht Milliarden in die Bekämpfung von Haushaltsunfälle?[…]“

    Aus statistischer Sicht ist das richtig. Es gibt aber zwei Aspekte, die hierbei der Nichtbeachtung zum Opfer gefallen sind.

    1. Terror

    Die Zahl der Terroropfer ist pro Land selbst in schlimmen Jahren nur wenige hundert (Ausnahme 9/11), weltweit geht die Zahl allerdings regelmässig in die Tausende, was medial bei uns leider kaum durchdringt.

    Man muss aber vor allem die extreme Bösartigkeit der Täter ins Kalkül ziehen, die höhere (prinzipiell unbegrenzte) Opferzahlen anstreben und bislang nur aus logistischen Gründen so „wenig“ Menschen töten konnten. Daher ist Terrorismusbekämpfung nicht nur aus rein psychologischen und solidarischen Gründen notwendig sondern auch, um uns gegen mögliche weitaus schwerwiegendere Anschläge in der Zukunft effizient und schlagkräftig zu schützen. Insofern kann dieser Milliardenaufwand nicht einfach aufgehoben werden. Bei den Islamisten muss auch verstanden werden, dass hier eine Form von Wahn stattfindet, bei der grundsätzlich und kategorisch einer religiösen Gottesfiktion der Vorrang vor den Interessen der Menschheit, insbesondere der „westlich geprägten“ Menschheit eingeräumt wird. Man muss hier mit allem rechnen.

    2. Islam

    Der Islam sollte von Publizisten mit intellektuellem Zugriff auf das Zukunftsthema „Superintelligenz“ nochmals kritischer analysiert werden. Hier gibt es noch immer eine naive Toleranz, die davon ausgeht, man könne die islamische Kulturbewegung mit einer Gegeninitiative der Offenheit und Wertschätzung in den westlich-humanistischen Zeitgeist einer generellen Toleranzkultur assimilieren oder transformieren und die gegenwärtigen Anpassungsprobleme sozusagen „aussitzen“. Diese Vorstellung stellt eigentlich eine Art Wette dar, die davon ausgeht, dass der Islamismus sich als veraltete Kulturform in den nächsten Generationen irgendwann auflöst oder sich zumindest an den globalen Lebensstil der Toleranz, Gleichheit und gegenseitigen Empathie in einer vernetzten Welt angleicht. Diese „Wette“ kann auch verloren gehen, da der Islam an sich ein Gegenkonzept zu unseren humanistischen Idealen darstellt und Veränderungen von religiösen Vorstellungen extrem langsam ablaufen.

    Das erklärte Ziel der gläubigen Muslime, auch wenn diese den Terror als geeignetes Mittel ablehnen, ist die weltweite Verbreitung und Dominanz des Islam. Dieses Denken habe ich auch bei völlig Gewalt ablehnenden Muslimen angetroffen, und zwar als Regelfall.

    Der Islam kann aufgrund seiner kulturell-politischen und demographischen Verbreitungstendenz nicht mit anderen Religionen in einen Topf geworfen werden und muss mit höchster Aufmerksamkeit kritisch studiert und analysiert werden. Ich empfehle jedem, der bei diesem Thema ernst genommen werden will, die Newsletter von jihadwatch.org längere Zeit zu abonnieren und sich nach langfristiger Auseinandersetzung eine Meinung zu bilden. Die Artikel sind durchgehend faktenbasiert und sachlich genau, auch wenn proislamische und linke Kritiker versuchen, Jihadwatch als „einseitig“ und „hassschürend“ zu diskreditieren. Die virale Verbreitungs- und Propagandakultur des Islam, die sich erklärtermassen über alle anderen Religionen und Kulturen stellt, macht es notwendig, die propagandistischen Inhalte kritisch zu überprüfen und politische Vorgänge sowie Gewalt- und Straftaten auf den religös-kulturellen Hintergrund hin abzuklären, auch wenn dies aus streng neutraler Sicht ungerecht und gewissermassen rassistisch-„islamophob“ wirken mag, da man ja den Gewalttaten und suprematistischen Verhaltensweisen von Christen oder anderen Religionen keine Beachtung schenkt.

    Es gibt im Moment kein grösseres kulturelles Konfliktpotential als das globale Vordringen des Islam in westliche bzw. nichtislamische Länder. Dieses Konfliktpotential kann nur mit klaren Spielregeln entschärft und friedlich gesteuert werden. Die derzeitige Unwissenheit und Naivität unserer Medien- und Politiklandschaft ist hierbei das grösste Risiko und die eigentliche Ursache für den Rechtsruck in der Bevölkerung.

  3. Hans Antworten

    Frage mich gerade, wie dieser Abschnitt gemeint ist: „Als wären Flüchtlinge und Terror wirklich Probleme. Uns fehlt die Sicht auf das Faktische.“

    Ich meine, wenn man sieht, wie schlecht viele der Flüchtlinge integriert werden können, was sie kosten und wie sie z. T. über uns denken, dann kann das für viele Bürger ein Problem darstellen. Zusammenleben ist eine Grundlage für gesellschaftliches und ergo wirtschaftliches Weiterkommen. Es reicht eben bereits, wenn ein kleiner Teil aufgrund der eigenen Möglichkeiten (Sprache, Fertigkeiten) nur herumlungert und die Träume in Europa in die Brüche gehen: Dann rutscht man in die Kriminalität/Armut ab. Das ist ein Problem. Wer das kleinredet, beschäftigt sich auch nicht wirklich mit „dem Faktischen“.

    Und einfach nur zu sagen: „Wir schaffen das!“ reicht eben bei weitem nicht. Gerade die überforderten Einwanderungsbehörden, die nicht vorbereitete Bevölkerung und die planlose EU-Flüchtlingspolitik zeigen das in aller Deutlichkeit! Oder sagst du auch: „Wir schaffen das! Hab zwar keinen Plan, wie!!“??

    • Alain Veuve Antworten

      Ich meine es so wie ich es geschrieben habe. Im Vergleich mit den anderen Herausforderungen sind Terror und Flüchtlinge zu vernachlässigen. Faktisch betrachtet, ist der Aufwand und die Kosten die wir für die Terrorbekämpfung aufwenden nicht im Ansatz durch den Schaden den dieser verursacht gerechtfertigt. Die Dominanz des Themas in der öffentlichen Debatte ist unverhältnismäßig und nur durch diffuse Ängste begründet. Wir haben vor Terror so Angst, wie Kinder vor der Dunkelheit Angst haben. Es ist total unbegründet. Wie absurd das Ganze ist, zeigt sich wenn wir das Thema Terror z. Bsp. durch Haushaltsunfälle (welche weitreichende Schäden verursachen) ersetzen würden: Warum investieren wir nicht Milliarden in die Bekämpfung von Haushaltsunfälle? Warum lesen wir über das Thema nicht jeden Tag?

      Natürlich ist das Flüchtlingsdebakel ärgerlich und die Issues werden von der Politik äußerst dilettantisch gehandelt. Man darf sich aber nicht der Illusion hingeben, Migration, aus irgendwelchen Gründen, könnte aufgehalten werden. Deutschland, als lauter Rufer in der Debatte, hat immer noch relativ wenig Ausländer und wahrscheinlich muss Deutschland einfach noch lernen wie man aktiver Integrationspolitik macht. Die Arbeitnehmer brauchen wir in Deutschland allemal. Natürlich ist fehlende Integration ein Problem, der negative Effekt daraus, den Sie hier beschreiben, haben Sie aber grundsätzlich, ob jetzt mehr oder weniger Immigranten kommen. Es ist einfach etwas, das ein Staat heute im Griff haben muss.

      Man kann sich nun auf den Standpunkt stellen, dass man einfach die Grenzen schließt, das wird aber zu einer Abkapselung führen und wird die Migration halt nur sehr kurzfristig eindämmen. Man muss nur den Betrachtungshorizont ein wenig öffnen. Migration ist nix neues und wird da bleiben resp. verstärken weil sich Kommunikation und Transport derart verbessert und vergünstigt haben. Wenn man den Effekt kurzfristig abschwächen möchte (das einzige was möglich ist) dann wäre eine gute Möglichkeit systematisch dafür zu sorgen, dass in den Ländern in welchen Konflikte entstehen, bessere Bedingungen herrschen. Offensichtlich ist, dass man in die Gebiete keine Waffen liefern sollte, das man mit diesen Ländern eben Business machen sollte, damit dort auch Wohlstand entsteht. Im Moment machen wir aber das Gegenteil; wir liefern Waffen und wir schaffen wirtschaftliche Grenzen die bereits jetzt verlierende Staaten weiter in Bedrängnis bringen. Das ist nicht nur unlogisch, sondern einfach dumm.

      Viel grössere Herausforderungen als Terror und Flüchtlinge sind (nicht abschliessend):

      – Anpassung der Wirtschaftsordnung an zukünftige Anforderungen (Sicht auf nächste 40 Jahre)
      – Schaffung der Voraussetzungen um in einer veränderten Wirtschaft Sozialsysteme zu sichern und weiter zu entwickeln
      – Mitigation und Handling der Auswirkungen des Klimawandels
      – Reformation der Energiegewinnung, Speicherung und Verteilung
      – Reformation des Gesundheitswesens
      – Evolution der Politiksysteme
      – Infrastrukturthemen: Verbesserung der internationalen Transportwege, Verbesserung der Kommunikation

      Jedes dieser Themen hat auf die nächsten 20 Jahre einen fundamental grösseren Impact also Terror und Flüchtlinge.

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