Enterprise Service Bus: Wie im eCommerce technisch flexibel bleiben?

Nachdem die letzten Artikel in diesem Blog eher strategischer/unternehmerischer Natur waren, möchte ich hier wieder einmal etwas Konkreteres thematisieren, von dem ich denke, es ist bei vielen CIOs und eCommerce-Verantwortlichen noch nicht ganz durchgedrungen. Ich war gestern wieder einmal bei einem aufstrebenden eCommerce Pureplayer zu Besuch und durfte ein mögliches Projekt besprechen. Die Firma betreibt einen Nischenshop und hat in den letzten Monaten kontinuierlich ihre Präsenz in Europa ausgebaut, Marketing gemacht und den Umsatz stark gesteigert.

(Lesedauer 3 Minuten)

Punkto Infrastruktur-Setup herrscht da eine Situation, wie ich sie oft antreffe: Ein Shopsystem, ein ERP System, ein CRM System, drei externe Logistikpartner, viele externe Payment- und Fraudprotectionsysteme. Und jede Menge Schnittstellen. Es scheint, dass fast alle Systeme über irgendeine individuelle Schnittstelle miteinander verbunden sind. Dieses Setup ist meist nicht bewusst gewählt, sondern im Laufe der Zeit mit dem Unternehmenswachstum entstanden.

Interface-Dead-Lock

Ein solches Setup schafft jedoch viele Abhängigkeiten und führt typischerweise zu einem Gesamtsystem, das nur sehr schwer zu verändern ist. Ganz zu schweigen von der Maintenance, gerade wenn APIs einzelner Syteme durch Upgrades verändert werden, was zwar rein theoretisch nicht sein dürfte, aber leider doch recht oft vorkommt. Wer ein solches Setup fährt, ist rasch in seinen eigenen technischen Strukturen gefangen. Das heisst, dass Veränderungen z. Bsp. die Einführung neuer Systeme oder Ablösung von bestehenden Systemen immer zu großen Projekten verkommen. Dies weil in der Regel die Schnittstellen zu Umsystemen angepasst werden müssen. Sollen Prozesse und Abhängigkeiten grundlegend verändert werden, wird es kompliziert. Schon sind sie gefangen in Ihrem ganz eigenen IT-Korsett.

Front-End-Systeme sollten einfach austauschbar sein

Nur wenige CIOs realisieren respektive sehen, dass die Notwendigkeit zur Agilität aus dem Business gegeben ist. Während Backoffice-Systeme in der Regel nicht sehr oft ausgetauscht werden (müssen), unterliegen Front-End Systeme einem gewissen Innovationsdruck. Sie glauben mir nicht? Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihr Front-Store-System das Mobil- und Desktopinhalte ausliefert. Vielleicht haben Sie zusätzlich eine Customer-Service-App und vielleicht stellt dieses System auch In-Store Funktionalität und Inhalte in ihren Brick & Mortar Stores bereit (sofern Sie denn solche haben). Sind diese Touchpoints das Ende der Commerce-Entwicklung? Gibt es überhaupt ein Ende dieser Entwicklung? Sie wissen so gut wie ich: Nein, wir werden in naher Zukunft neue und verbesserte Kunden-Touchpoints sehen, welche wir aus unseren Commerce Systemen beliefern müssen. Und diese müssen Sie Ihren Kunden auch zeitnah bereitstellen können. Schliesslich wollen Sie ja nicht von der Konkurrenz abgehängt werden.

Enterprise Service Bus als Rückgrat Ihres Commerce Systems

Enterprise Service Bus Systeme bündeln die Dienste aus verschiedenen Systemen im Unternehmen und stellt diese wiederum anderen Systemen systematisch zur Verfügung. Dabei können die Informationen aggregiert, konsolidiert, eventbasiert oder transformiert werden. Austauschformate können verändert werden. Zusätzlich können die Abläufe Workflows unterworfen oder zeitverzögert werden. Es ist so relativ einfach, neue Systeme anzubinden, Funktionalitäten von einem System in ein anderes zu legen. Die nachfolgende Vorher / Nachher Illustration zeigt die klare Strukturierung der eCommerce IT mittels eines ESB.

Vorher:

Systemlandschaft ohne ESB

 

Nachher:

Systemlandschaft unter Verwendung eines ESB

 

Steigende Verbreitung von ESB Systemen

Die überwiegende Anzahl von RFPs, die ich auf den Tisch bekomme, sehen den Einsatz eines Enterprise Service Bus nicht vor. Stammt das RFP aus einer altgedienten IT-Abteilung, kann ich das ja noch verstehen. Ist es allerdings von Beratern erstellt oder begleitet worden, kann ich nur den Kopf schütteln. Im eCommerce nicht flexibel zu sein, ist ganz einfach ein elementarer Nachteil. Dahingehend kann, auch wenn aus Kostengründen (oder gerade dann), nicht beraten werden. Mein Kunde von gestern ist diesbezüglich vorbildlich. Zum einen hat er zwar nicht unmittelbaren Handlungsbedarf. Zum Anderen sieht er aber ganz klar, dass seine Firma flexibel sein muss und treibt daher eine Entkoppelung der Systeme voran, damit er in Zukunft neue Touchpoints einfach hinzufügen und bestehende einfach ablösen kann. Er wird mit seiner Infrastruktur dann bereit sein, Innovationen aufzugreifen und für sich zu verwenden, wenn seine Konkurrenten noch damit beschäftigt sein werden, große Migrationsprojekte zu stemmen.

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