Digitale Transformation: Welche Führungsqualitäten sind gefragt?

In den vergangenen 2 Wochen wurde ich öfters danach gefragt, welche Merkmale für mich Führungsleute in der Phase der Digitalen Transformation mitbringen sollen. Grund genug, ein paar Gedanken dazu hier zusammenzufassen

(Lesedauer 4 Minuten)

Wo kommen unsere heutigen Führungspersonen her?

Grundsätzlich muss man zuerst den wirtschaftlichen Gesamtkontext der Digitalen Transformation verstehen. Ich habe schon viel darüber geschrieben, warum wir den massiven Wandel den Digital in den letzten Jahren gebracht hat und den weitere Technologien in den nächsten Jahren bringen werden unterschätzen.

Bevor wir uns den Führungsqualitäten zuwenden, muss man erkennen, dass die letzten 70 Jahren im historischen Kontext eine wirtschaftlich außergewöhnlich prosperierende Periode darstellt. Die große Nachfrage bedingt durch die Nachkriegszeit kombiniert mit dem viel schneller voranschreitenden technologischen Fortschritt hat eine wirtschaftliche Scheinwirklichlichkeit geschaffen.

In dieser Wirklichkeit sind Sicherheit, Kalkulierbarkeit & Planbarkeit, Garantien, Verwaltbarkeit an der Tagesordnung. Vor den Weltkriegen gab es dies in diesem Ausmaß nicht und wir erleben nun gerade, dass genau diese vermeintlichen Grundlagen gar nicht mehr gültig sind. Und ich habe keinen Zweifel, dass sie verschwinden werden. Wir sehen dies bereits zum Beispiel im Bereich der Investitionen, wo man eigentlich überhaupt keine grosse Investition in bewährte Technologie mehr machen kann ohne über einen extrem kurze Zeit eine Amortisation herbeizuführen.

Viel zu groß ist das Risiko, dass eine neue Technologie die bestehende Investition zu erheblich günstigeren Konditionen ersetzt. Das ist nur ein Beispiel von vielen, das aufzeigt, dass diese goldenen Jahre vorbei sind.

Ausbildung in Wirtschaftswissenschaften: ?

In Bezug auf die Führungskräfte von heute ist das ein enormes Problem, weil sie exakt in dieser Ausnahmezeit ausgebildet und sozialisiert wurden. Das heißt ihr Weltbild und ihre Handlungsoptionen basieren auf Konzepten denen diese Ausnahmezeit zu Grunde liegt. Und in dieser Zeit war es wichtig Risiko zu minimieren, viel Controlling zu machen, über Arbeit, Kapital und Boden Wertschöpfung zu generieren. Wir haben so die letzten 50 Jahre die perfekten Verwalter und Unternehmenspolitiker ausgebildet und herangezogen. Und nun? Ja nun verändert sich das Umfeld gerade in die Richtung wo exakt dieses Skillset viel weniger benötigt wird.

Sie glauben mir nicht? Finden Sie es nicht sonderbar, dass wir seit fast 20 Jahren von „heiklen wirtschaftlichen Bedingungen“ und „Krisen“ sprechen? In Zeiten wo die Einkommen und die allgemeine Wohlfahrt inklusive der Durchschnittsarbeitszeit nochmals gestiegen sind. Was wir gerade erleben ist keine 20 jährige Krise sondern eine Zeit des Um- und Aufbruchs. Die volkswirtschaftliche Lehre hat dafür jedoch keine Konzepte bereit, sie kann die Signale gewissermaßen nicht deuten und verharrt daher im altbewährten Sprech.

Und diese Wirtschaftswissenschaften werden fast unverändert weiter gelehrt, der Wert einer solchen Ausbildung sinkt kontinuierlich und ich denke wir sehen die Effekte daraus teilweise bereits im Arbeitsmarkt.

Traditionelle unternehmerische Tugenden sind gefragt: Unternehmer statt Manager

Ich denke um in einer neuen, sich schnell wandelnden von Unsicherheit geprägten Wirtschaft erfolgreich zu sein benötigen wir Führungspersönlichkeiten mit traditionellen unternehmerischen Qualitäten. Diese sind:

Risikobereitschaft

Wahre Unternehmer gehen reale Risiken ein. Ein reales Risiko ist immer ein Risiko, dass sich eben nicht so genau kalkulieren lässt. Das Eingehen eines Risikos muss als eine Wette auf eine unternehmerische Vision verstanden werden.

Sehen Sie sich unter den enorm erfolgreichen Unternehmern um, allen ist gemein, dass sie an einem oder mehreren Punkten ihrer Tätigkeit ihr ganzes Unternehmen auf eine Vision verwettet haben. Das ist etwas was ein Verwalter nie tun würde, und es trennt den unternehmerischen Spreu vom Weizen. Wenn Sie in der digitalen Transformation richtig erfolgreich sein wollen, müssen sie bereit sein, massive Wetten einzugehen. Nur ein bisschen anpassen und me too wird dazu führen, dass sie von den Konkurrenten überrollt werden.

In Chancen denken

Wie viele Male lesen wir über die Digitale Transformation als Bedrohung („…somebody is stealing your business…“) als Herausforderung im negativen Sinn. Ganz ehrlich, wenn Sie es so sehen haben sie zu 80% schon verloren.

Denn ein Geschäftsmodell ist eben kein Asset der ihnen gehört, sondern es ist eher wie eine Welle die sie genug früh erkennen und sich in Stellung dazu bringen müssen. Dann im richtigen Moment aufspringen und versuchen, sie so lange zu reiten wie es für sie lukrativ ist.

Geschäftsmöglichkeiten sind wie Wellen. Surfen Sie auf Ihnen!

Die Schwierigkeit dabei ist, dass sie während sie die eine Welle reiten, bereits nach der nächsten Ausschau halten müssen. Bleiben sie auf der bestehenden Welle und investieren Sie ihre ganze Zeit und Kraft ausschliesslich in das möglichst gute Bereiten der Welle, werden sie am Schluss in der Brandung liegen.

Zwar waren die Wellen der letzten 60 Jahre, und das ist eben das irreführende, gross und hielten (und halten) enorm lange an. Aber sie alle, ausnahmslos, enden einmal. Werfen wir auch hier wieder einen Blick auf die traditionellen Unternehmer sehen wir, dass sie sich, gerade in den Vorkriegsjahren, vielfach viele verschiedene mögliche Businesszweige versucht haben. Sie waren Opportunisten im bestmöglichen Sinn und ich denke genau diesen Spirit sollten heutige Führungskräfte mitbringen. Sie sollten in der Lage sein Chancen, auch sehr unkonventionelle, zu erkennen und weiterzuverfolgen. Surfen halt…

Teambuilder

Eine weitere wichtige Fähigkeit ist jene zur Teambildung. Dass Alphatiere als einsame Krieger Firmen zu Ruhm und Erfolg führen ist eine verklärte Legende. Es sind und waren schon immer viel mehr die Teams die außerordentliche Leistungen erbracht haben. Neu ist, dass auch in der Außenkommunikation das Team zentraler dargestellt wird. Gute Unternehmer sind in der Lage Teams zu schaffen die entkoppelt und autonom vom Unternehmer in eine gewisse Richtung arbeiten. Und gute Unternehmer stellen Leute ein die besser sind als sie selber, lassen sie machen und lernen auf dem Weg von ihnen.

Leidenschaft & verzettelte Motivation

Um in der Digitalen Transformation erfolgreich zu sein müssen sie leidenschaftlich bei der Sache sein. Eigentlich müssen sie das immer wenn ein Beruf sie erfüllen soll. Aber sie sollten es als Führungskraft ganz besonders sein. Sind sie es nicht, machen sie doch etwas anderes das Ihnen gefällt. Zudem, und das finde ich auch wichtig, sollte Ihre Motivation verzettelt sein.

Damit meine ich, dass sie aus vielen verschiedenen Komponenten bestehen sollte. Das können Gründe der Selbstverwirklichung, einer Weltanschauung (die Welt verbessern), die Freude an der Sache (z. Bsp. Technikbegeisterung) oder aber auch materielle Motivation sein (wenn im Moment grad auch ein wenig in Verruf geraten). Am besten ist es eben ein Mix, weil Motivation und Erfolg Motivation fördert. Sind sie nur einseitig motiviert, laufen Sie Gefahr, dass wenn diese eine Motivation Dämpfer erleidet (z. Bsp. durch einen Misserfolg), Ihr ganzer Antrieb verloren geht. Ist die Motivation verzettelt, kann das nicht so schnell geschehen.

Be a Tiger

Entwickeln Sie ein Selbstbewusstsein, das grösser als sie selbst ist. Denken Sie groß, motivieren und bestärken Sie sich an Ihren Zweiflern.

Confidence is everything!

Damit meine ich nicht blind an einer Idee oder Vision festzuhalten wenn die Fakten dagegen sprechen. Wenn die Fakten aber für Ihre Vision sprechen investieren sie mental in sie. Nur weil sich etwas surreal anfühlt, ist es nicht unrealistisch. Etwas ist immer so lange unmöglich bis es jemand macht. Ich denke, dieser Punkt ist in Bezug auf die Kultur und die neuen zukünftigen technischen Möglichkeiten etwas vom wichtigsten. Es wird immer ein Seitenrufer geben, der ihnen weissmachen will, dass ihre Vision Utopie ist. Das ist gut so, denn es zeigt Ihnen, dass ihre Vision einen disruptiven Charakter hat. Die Grenzen von Vision und Utopie verschwinden im Zeitalter hoch getakteter neuer technologischer Innovationen zunehmend. Ihre Ambition ist entscheidend.

Back to the roots

Ich denke wir sind also gut beraten uns wieder auf ein Unternehmertum wie zu Beginn der industriellen Revolution zurück zu besinnen. Eine Errungenschaft unserer Zeit ist, dass die Einstiegshürden (zumindest in der westlichen Welt) einiges tiefer liegen als damals. Im Kern hat sich, nachdem wir nun dabei sind die Nachkriegszeit auch wirtschaftlich abzuschließen, für Führungspersönlichkeiten nicht viel geändert. Neu und positiv ist, dass die Führungspersönlichkeiten diese Qualitäten als Intra- oder als Entrepreneur ausleben können. Ich wünsche mir, dass wir davon in Zukunft möglichst viel sehen werden.

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Ein Kommentar zu Digitale Transformation: Welche Führungsqualitäten sind gefragt?
  1. roli Antworten

    alain

    du hast mit vielem von dem du sagst recht, aber so wie du es auch selber erfahren hast, kann fast keiner innerhalb eines unternehmens wirklich objektiv funktionieren…würde mal wieder gerne mit dir quatschen.

    bis bald mal auf ein essen…

    gruss roli

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