Digitale Transformation: Lohnt es sich ein Early Technology Adopter zu sein?

Immer wieder mal fragen mich Führungskräfte von mittelständischen Unternehmen: Soll ich [hier x-beliebige neue Technologie einfügen] in meinem Unternehmen einführen oder in meinen Prozessen nutzen? Meist kann ich darauf keine eindeutige Antwort geben. Grundsätzlich bin ich jedoch der Meinung, dass es sich aus unternehmerischer Sicht meist nicht lohnt, ein richtiger Early Technology Adopter zu sein. Lesen Sie im folgenden Post warum.

(Lesedauer: 3 Minuten – English version here)

Eine Flut an neuen technologischen Möglichkeiten

Viel neue Technologie ist verfügbar. Überzeugende, ausgereifte, sowie erst im Ansatz erkennbare und in den Kinderschuhen steckende. Vieles davon lässt sich in Unternehmen nutzen, teilweise zu immensen Kosten, teilweise aber auch schon erstaunlich günstig. Wenn sie neugierige und wandlungsbereite Mitarbeiter beschäftigen, was ich doch sehr für Sie hoffe,  dann werden sie wohl immer mal wieder mit Ideen aus dieser Ecke angegangen. Wie entscheiden Sie, ob eine Technologie weiterverfolgt und für Ihr Business eingesetzt wird? Sie kucken ob die Konkurrenz das auch macht?

Sie beziehen einfach mal alles Neue mit ein, egal ob Sie darin Potential sehen? Sie warten, bis es gar nicht mehr anders geht als die Technologie einzusetzen? Ich denke keiner dieser Ansätze ist eine gute Herangehensweise. Wenn Sie sich die Wirkungsweise der Digitalen Transformation ansehen, liegt es auf der Hand: Sie sollten die neue Technologie dann einsetzen, wenn diese durch Ihre Kunden adaptiert wird.

Setzen Sie eine neue Technologie dann für Ihr Business ein, wenn mehr als 50% Ihrer Kunden sie bereits adaptiert haben – nicht wenn die Technologie verfügbar ist.

Ein Early Bird zu sein ist mutig. Das ist Pioniergeist und ich persönliche finde das extrem spannend. Aus unternehmerischer Sicht ist es aber erstmal nur risikobehaftet und zahlt sich selten aus. Es werden ja bei weitem nicht die Mehrheiten der neuen Technologien von den Kunden adaptiert. Es ist eher ein relativ kleiner Teil, welcher in der ursprünglich angedachten Art und Weise von der Gesellschaft genutzt wird.

Beispiele

Ein gutes Beispiel für diesen Effekt finden wir bei Apple – wenn auch im Grossen. Weder den Digitalen Musik-Player (IXI, 1979), noch das Smartphone (IBM, 1992) noch den Tablet PC (Dynabook, 1970 und Microsoft, 2001) hat Apple, entgegen der landläufigen Meinung, erfunden – geschweige denn die Basistechnologie dazu erarbeitet. Tatsächlich gab es diese Produkte alle schon mehrere Jahre zuvor und die Technologie dazu meist schon Jahrzehnte. Apple hatte aber genau das richtige Timing indem sie sich auf das Adaptionsverhalten Ihrer (potentiellen) Kunden eingelassen und ein Produkt entwickelt haben, dass den Bedürfnissen der Kunden entsprach/entspricht und nicht ein Produkt, das alle technischen Möglichkeiten ausschöpft.

Das richtige Timing ist also entscheidend. Das ist denn auch keine unternehmerische Bauchsache sondern ergibt sich aus dem permanenten Dialog mit dem Kunden. Aus meinen bisherigen Posts wissen Sie, dass ich den permanenten Austausch mit Kunden für ein zentrales Elemente bei der Bewältigung der Digitalen Transformation halte.

Wann ist die Zeit reif?

In dem Sinne werden Ihnen Ihre Kunden ganz einfach sagen wann die Zeit reif ist. Sie müssen nur hinhören. Die Kunden tun das indem sie Ihnen z. Bsp. einen (Early Adopter-) Konkurrenten zeigen, der etwas  technologisch innovatives bereits umgesetzt hat. Das schmerzt vielleicht im ersten Moment – machen Sie aber keinen Denkfehler: Dieser Early Adopter hat bereits Unsummen investiert und mit einem Markt der noch nicht reif ist operiert. Sie aber können ohne diese Vorinvestitionen relativ einfach auf bestehenden Best Practices aufsetzen und das Modell weiterentwickeln. Sie dürfen es nur nicht verschlafen.

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2 Kommentare zu Digitale Transformation: Lohnt es sich ein Early Technology Adopter zu sein?
  1. Michael Mollath Antworten

    Wenn ich dem hör dogmatisch folgen würde, dann würde ja nie jemand neue Technologien einsetzen:

    „Setzen Sie eine neue Technologie dann für Ihr Business ein, wenn mehr als 50% Ihrer Kunden sie bereits adaptiert haben – nicht wenn die Technologie verfügbar ist.“

    Oder sollen nur Startups neuenTechnologien machen ?

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