Technologie wird uns alle umbringen. Oder doch nicht?

Vor ein paar Tagen ging die Meldung um, dass ein Montageroboter einen Werkmitarbeiter von VW beim Einrichten eines solchen Geräts tödlich verletzt hatte. Was ein grausamer Arbeitsunfall ist, wie er leider fast jeden Tag irgendwo vorkommt, wurde in den Medien zum (ersten) Schlag der Roboter gegen die Menschen hochstilisiert. Bisweilen in einem Mass, dass schon fast an Satire grenzt. Auch wenn Satire bekanntlich alles darf, fand ich das ein wenig geschmacklos. Denn: Es war ein Unfall, der Roboter hat weder Intention noch Intelligenz um so eine Tat zu begehen. Das ist jedem Kind bewusst.

(Lesedauer: 4 Minuten)

Warum aber hat dieses Thema so viel Aufmerksamkeit bekommen? Weil da eine diffuse Angst vor neuen Technologien ist, gerade bei denjenigen deren Wirkungsmechanismen wir nicht auf den ersten Blick durchdringen können. Das war schon immer so und wohl nichts Neues für Sie.

Neue Technologie wird von der Gesellschaft schnell adaptiert

Blickt man aber auf die Gesellschaft als Ganzes, finde ich es erstaunlich wie schnell die Beziehung zu einer Technologie sich verändern kann – sprich wie schnell die Gesellschaft den Schritt vom Ablehnen einer Technologie zu deren Akzeptanz macht.

Böse Technologie

Bewusst wurde mir das wieder einmal als ich vor einer Woche am Bahnhof Friedrichstrasse in Berlin ein paar Minuten übrig hatte, bevor ich auf den Zug musste. Es gibt da in der ehemaligen Ausreisehalle (Tränenpalast) die von der „Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ bereitgestellte ständige Ausstellung „GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung“ (interessant, gut gemacht, überschaubar, freier Eintritt) über das Leben im geteilten Land und über den Bahnhof, der früher ja so etwas wie ein Grenzbahnhof war. In einer Ecke der Ausstellung wurde ein Teil der alten DDR Überwachungszentrale aufgebaut. Ich habe ein Photo gemacht:

monitorwall_ddr

Instinktiv beschleicht einem bei der Betrachtung der Installation und beim Lesen der Erklärungen ein ungutes Gefühl; das war schon ganz übel, dieser Überwachungsstaat, diese DDR. Wie bei Orwell. So viele Kameras, so viele Bildschirme.

Gute Technologie

Wieder draussen auf der Strasse, kuckte ich mich um und zählte die Überwachungskameras und komme auf 3 Stück ohne gross zu suchen. Und schnell realisiere ich, dass der Bahnhof Friedrichstrasse heute wohl ein Vielfaches an integrierter Überwachung aufweist als damals. Und interessanterweise interessiert sich dafür überhaupt niemand mehr. Vielmehr ist es so, dass die flächendeckende Überwachung von Innenstädten in Deutschland für alle Städte, die etwas auf sich halten, die Norm ist. Die Überwachungstechnologie ist angekommen und gesellschaftlich akzeptiert.

Was man daraus macht

Sie werden jetzt einwenden, das hat ja mit der eigentlichen Technologie nicht viel zu tun. Es kommt drauf an wer die Technologie wie und für was einsetzt. Genau das ist der Punkt. Denn: In der gesellschaftlichen Wahrnehmung wird dieser Umstand beim Aufkommen von neuer Technologie erstmal gar nicht berücksichtigt. Die Technologie ist vorerst die Verkörperung des Bösen. Vorerst.

Kommt neue Technologie in der Breite ins Bewusstsein der Gesellschaft ist da erstmal eine Abwehrhaltung da und die Mahner und vermeintlichen Weckrufer weisen lauthals darauf hin was damit alles schlimmes angestellt werden kann. Und in der Tat, natürlich kann man mit Technologie allerhand falsche Dinge anstellen. Wobei falsch immer im Kontext zum Zeitgeist verstanden werden muss, und wir verändern uns ja permanent. Was heute schlecht ist, kann aus einer Wertesicht morgen gut sein. Der rasche technologische Wandel wird da so seine Herausforderungen für die Gesellschaft bereithalten.

Der Mensch ist viel besser in der Adaption von neuer Technologie als wir denken

Betrachtet man jedoch den Einsatz von neuer Technologie im historischen Kontext muss man erkennen, dass es der Mensch in der Vergangenheit immer ziemlich gut schaffte über eine längere Zeit die Technologie zum Wohle aller einzusetzen. Zwei Beispiele:

Nukleartechnologie
Auch wenn diese Technologie durch den Einsatz in Kernwaffen der Menschheit geschadet hat, wird gelegentlich vergessen, dass sie seit Jahrzehnten erheblich zur weltweiten Stromproduktion bei (weltweit 12% / Industrienationen 20%). Das heisst nicht, dass diese Technologie unproblematisch wäre. Es zeigt aber gerade, dass wir sehr wohl in der Lage sind sehr gefährliche Technologien zu unserem Wohl zu nutzen.

Raketentechnologie
Die Aggregat 4 Rakete wurde von Wernherr von Braun im Deutschen Reich als erste funktionsfähige Grossrakete mit Flüssigkeitstriebwerk konzipiert. Das ist grundsätzliche dieselbe Technologie (wenn auch stark weiterentwickelt) die Elon Musk’s SpaceX nutzt um ihre Raumfrachter in den Weltraum zu bringen. Dazwischen sahen wir unzählige Missionen und Meilensteine der menschlichen Geschichte, welche alle ohne diese (im Ursprung todbringende) Technologie nicht möglich gewesen wäre.

Technologie wird uns helfen – weiterhin

Die neuen Technologien welche wir in den nächsten Jahren sehen, werden in der Gesellschaft zuerst mal Unbehagen auslösen. Und es wird weiterhin die Möglichkeit bestehen, dass diese so eingesetzt werden, dass sie der Gesellschaft schaden. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, ist diese Sorge allerdings unbegründet.

Technologie hat bislang dazu geführt, dass auf diesem Planeten mehr Menschen in guten Bedingungen ein Leben in Frieden führen konnten als bisher. Ausser vielleicht, Sie betrachten das Jagen mit Pfeil und Bogen als einziger wirklich passender Lebensstil. Oder das Reisen mit Pferd und Wagen. Oder das Lesen von Papier-Zeitungen.

Ein bisschen mentale Beweglichkeit fordert die technologische Entwicklung schon von der Gesellschaft und damit von jedem Einzelnen. Wir sind aber bereits viel besser darin als vor 20 Jahren. Und mit den immer kürzeren Erscheinungszyklen von neuer Technologie wurden und werden wir als Gesellschaft auch entsprechend konditioniert.

Treten Sie also neuen Technologien offener entgegen und denken Sie nicht an all das was alles Böses und schlimmes damit angestellt werden kann. Unser Kollektiv findet nämlich einen Weg etwas Gutes daraus zu machen. Es braucht nur manchmal seine Zeit.

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