Das Jahr der Krypto-Währungen: Warum das Tor zur schnellen „Financial Disruption“ offen steht

Die Krypto-Währungen, allen voran Bitcoin, sind in aller Munde. Kein Tag vergeht ohne Schlagzeilen über enorme Zugewinne, verlorene Festplatten und immer Firmen, die nun etwas mit Kryptowährungen machen. Einfach die nächste Blase?

(Lesedauer: 5 Minuten)

Tulpen- und Hausfrauen-Hausse

Als ich neulich in München mit dem Taxi unterwegs war, fragte mich der Fahrer schon früh am Morgen was ich denn beruflich so mache. Ich antwortete, ich hätte mit Computern zu tun, worauf er erwiderte, das hätte er schon gedacht (Aha!) Ich erwartete schon, dass er mich nun nach der Lösung irgendeines doofen Problems mit seinem Smartphones fragt. Stattdessen sagte er:

„Sage, solle investiere diese Bit-e-goin?“

Mir lief es kalt den Rücken runter. Soweit ist das Ganze also schon. Am selben Tag stieg der BTC Kurs nochmals 3k US$. Und, zugegebenermaßen, damit auch meine BTC Positionen.

Eine Blase?

Seit dem enormen Anstieg von Bitcoin ist die Frage, ob das alles eine Blase ist, omnipräsent. Die Kurven der Kursanstiege aller Crash-Titel werden übereinandergelegt und so mancher Experte zieht ungesehen den Vergleich zur „Tulpenblase“ in Holland.

Diese schnellen Kursanstiege sind ungesund und haben ihre ganz eigene Psychologie. Und klar ist der Bitcoin aufgeblasen wie ein Ballon an einem Kindergeburtstag. Und ja es wird eine Bereinigung stattfinden.

Aber: Geld kann per se nie eine Blase bilden. Es kann nur im Vergleich zu anderen Währungen höher- oder tiefer bewertet sein. Die Werthaltigkeit von Geld per se ist bekanntlich ein Gedankenkonstrukt – eine menschliche, fiktionale Konvention.

Ist zwar so, spielt aber zugegebenermaßen beim Spekulieren und im täglichen Leben gerade nicht so eine große Rolle. Und doch ist dieser Unterschied im Vergleich zu historischen Blasen enorm wichtig.

Etwas ist hier komplett anders

Denn ich glaube, der allgemeine, momentane Wahnsinn rund um den Bitcoin vernebelt den Blick auf was eigentlich im Gange ist – auf das unterliegende Prinzip:

Im Unterschied zu solchen Finanzszenarien haben wir es diesmal mit einer komplett neuen Technologie für ebendiese Transaktionen zu tun. Eine Technologie welche in der Lage ist, die Transaktionskosten für den ganzen Finanzbereich komplett zu pulverisieren. Und diese Transaktionen, etwas banal formuliert, ohne aufwändige Verifikationsstellen durchlaufen zu lassen.

Speed of Adaption

Eine meiner grundlegenden Thesen in Bezug auf die Veränderung durch Technologie ist, dass jede Technologie, sobald sie für den User einen fundamental besseren Nutzen als herkömmliche Wege bietet, von ebendiesen Usern auch genutzt wird. Das ist hier mit keinem Teil anders.

Der Werteaustausch war bislang in Form von Geld, Wertpapieren und Sicherheiten eine staatlich und inter-staatlich regulierte Domäne. Krypto-Währungen brechen das auf, indem sie als mehrheitlich unregulierte und vor allem auch unkontrollierbare Parallelwährungen diesen Nutzen bieten können. Wenn Sie etwas nicht richtig kontrollieren können, ist auch jede Regulierung obsolet. Darauf werden die heutigen Kontrollstellen über kurz oder lang auch kommen.

Genau diese Adaption hat bei Bitcoin in den letzten Monaten immer größere Kreise gezogen. Verschiedene Unternehmen haben begonnen, als Zahlungsmittel Bitcoin zu akzeptieren. Der vorläufige Gipfel dieser Adaption ist der ETF auf Bitcoin der Chicagoer Börse.

Was zur Hölle geht hier ab?

Leute aus der Finanzindustrie haben mir in den letzten Tagen erzählt, dass sie im Team zusammen saßen um zu verstehen „was hier eigentlich gerade abgeht“. Das Ganze einfach zur Blase und Eintagsfliege zu erklären ist zwar bequem und mit Blick auf die Vergangenheit in sich stringent. Es ist aber auch enorm gefährlich.

Krypto-Kinderschuhe

Es ist darum gefährlich, weil Krypto-Währungen noch komplett in den Kinderschuhen stecken. Vor ein paar Tagen hat das gesamte Volumen der Krypto-Währungen erstmals 0.5 t US$ überstiegen.

Zum Vergleich: Apple hatte Ende des FY2017 rund 0.26 t US$ an Cashreserven. Die globale Geldmenge wird auf rund 90 t US$ geschätzt. Es wird jetzt sehr spannend sein, zu sehen wie der Anteil Krypto-Währungen wachsen wird. Die Anzahl der Transaktionen sollte über die Zeit erstmal dieselbe bleiben – um dann mit erhöhtem Krypto-Anteil allmählich abzunehmen, weil die intermediären Transaktionen wegfallen.

In diesem Szenario spielt Nachfrage und Angebot. Je mehr Transaktionen auf Krypto-Währungen verlegt werden, desto gefragter sind diese auch. Entsprechend steigt der Wert dieser Währungen.

Wenn wir uns in einem Paradigmen- und Technologiewechsel betr. der Währungen befinden, erleben wir eventuell im Moment nicht eine sagenhafte Aufwertung der Kryptowährungen, sondern eine allmählichen Abwertung der traditionellen Währungen.

Wenn Sie also heute konventionelles Geld in Kryptowährungen tauschen, dann setzen Sie unbewusst auf diesen Mechanismus und unterstützen ihn. Ob Ihnen das jetzt bewusst ist oder nicht.

Beschleunigung

Wenn Sie hier öfter lesen, wissen Sie, dass ich in Wahrscheinlichkeiten denke. Was den technologischen Wechsel im Wertetausch, also die Umstellung auf Kryptowährungen angeht, sehe ich langfristig eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie eintreten wird. Die Frage ist, welche Einflüsse bestimmen die Adaptionsgeschwindigkeit.

Im Bezug auf die Beschleunigung dieses Adaptionsprozesses könnte wieder einer der größeren Plattformplayer zuschlagen. Allen voran Apple, welche die gesamte Infrastruktur fast schon komplett vorliegen haben. Eine Adaption von Bitcoin, ein paar durchgehend durchdachte B2C und Businessprodukte und Bitcoin kommt in unserem täglichen Leben an. Die Frage die man sich wahrscheinlich bei Apple stellt ist, ob man nicht direkt einen eigenen Coin issued.

Krypto-Währungen sind für Finanzinstitute das, was für die Post die E-Mails waren.

Eine derartige Umstellung kann so schnell gehen, dass die Regulation nicht mitkommt. Sie kommt ja eigentlich heute schon nicht mit. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Player eine Beschleunigungsfunktion wahrnimmt, sehe ich aber trotzdem nicht so hoch.

Verteidiger

Das liegt daran, dass die konventionelle Finanzindustrie das Feld auf gar keinen Fall einfach so aufgeben wird. Einem großen Player wie Apple oder Amazon, der diesen Schritt wagt, werden so viele Steine in den Weg gelegt wie es nur geht. Also überlegt dieser sich das zweimal, schließlich ist man von „good old finance“ auch abhängig.

Denn auch wenn ich viel Verzweiflung aus Gesprächen mit Bankenvertretern raus höre, so ist genauso klar, dass man kampfbereit ist. Und viele haben erkannt, dass man den Fehler wie ihn z. Bsp. die Musikindustrie oder auch die Autoindustrie anfangs gemacht hat, nämlich die neuen Technologien zu negieren, nirgendwo hinführt. Was unter dem Strich zu tieferen Kosten führt, wird sich über kurz oder lang durchsetzen. Darum experimentieren viele große Banken mit der Blockchain Technologie. Das ist sehr erfreulich.

Investieren

Ich höre dieser Tage oft, dass man sagt man hätte in Krypto-Währungen investiert. Ich glaube das ist nicht korrekt. Was man mit Währungen tut ist immer Spekulation. Eine Währung schafft ja nichts Neues. Sie hat keine Dividende. Liefert per se keinen Return.

Es ist eine Wette auf diese „Financial Disruption“ – dem größten Wandel in dem Bereich seit der Einführung des Fiat Money. Die Chancen stehen meiner Meinung nach gut für diese Wette. Das einzig Vernünftige was Sie tun können, wenn Sie Geld übrig und Lust auf Wetten haben, ist einzukaufen und HODL. Und Ihren Account erst in 3 Jahren wieder anzusehen.

Disclaimer: Der Autor hält allerlei Krypto-Positionen und rät jedermann davon ab. Wetten sind unvernünftig. Wenn Sie eine sinnvolle Investition suchen, investieren Sie in Ihr Leben. Denn; in the long run we’re all dead. Manchmal kann “long run” schon morgen sein. Tulpen auf dem Grab machen das nicht schöner.

 

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Ein Kommentar zu Das Jahr der Krypto-Währungen: Warum das Tor zur schnellen „Financial Disruption“ offen steht
  1. K. Weissenboeck Antworten

    Um zu Geld zu werden fehlt dem bitcoin das Backing von Notenbanken. Das ist derzeit nicht in Sicht.

    Gerade darum läßt sich so trefflich mit dem bitcoin spekulieren.

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