Das Internet wird verschwinden! Kommen Sie drüber weg…

Als ich vor ein paar Monate mit Michael à Porta zum Lunch war, hat er den tollen Satz „Es ist gut zu sehen wie das Digitale immer mehr in den Offline-Bereich vordringt“ gesagt. Michael entwickelt mit seinem Team unter anderem Lösungen für interaktive Schaufenster und andere Touchpoint-Technologie. Wir haben uns darüber unterhalten, wie digitale Technologie im täglichen Leben die Wahrnehmungsschwelle langsam aber sicher unterschreitet.

Wer hier regelmäßig liest, weiß, dass mich das gesellschaftliche Verhältnis zu Technologie sehr interessiert. Ich halte es für grundlegend dafür, wie, welche und wie schnell Technologie in der Masse adaptiert wird.

Was passiert, wenn immer mehr Daten verfügbar sind und Rechner immer schneller und kleiner werden?

Vor zwei Wochen hatte ich dann die Ehre, die Keynote anlässlich der TYPO3 Conference 2015 zu halten. Sie trug den Titel „Why you should think beyond Digital Transformation“ und behandelte verschiedene Elemente des exponentiellen Fortschritts und wie wir damit umgehen. Die Kernaussage war jedoch eine Heranführung an das Thema „Internet of Things“. Ohne es gross als solches zu erwähnen.

Die überhaupt nicht mehr hypothetische Frage was denn in Zukunft wohl passieren wird, wenn immer mehr Daten verfügbar sind und die Rechner immer kleiner werden, kann nur damit beantwortet werden, dass das Internet wie wir es kennen aus unserer Wahrnehmung verschwinden wird. Doch der Reihe nach.

1 disappear

Das ist, gerade in einem Saal mit sehr vielen Leuten aus der europäischen Digitalwirtschaft, erstmal feine Provokation. Natürlich wird das Internet aus technischer Sicht nicht verschwinden. Sondern…

1 far beyond digital

Und:

3 everyday

Zwei Entwicklungen deren gemeinsame Auswirkung nicht grösser sein könnte

Der technologische Fortschritt bringt uns zwei grundlegende Entwicklungen die erst in Kombination mit dem Internet ihre Wirkung so richtig entfalten können:

Exponentielles Wachstum der Rechenleistung

Darüber habe ich so viel geschrieben, dass ich es nicht weiter ausführe. Leistungsfähige Rechner werden so klein, dass wir sie überall unterbringen können. Sprich: In allen Alltagsgegenständen die wir kennen. Wir können also sämtlichen Gegenständen eine gewisse „Intelligenz“ verleihen.

Exponentielles Wachstum der gesammelten Datenmenge

Die weltweit gesammelte Datenmenge steigt, welch Überraschung, auch exponentiell. Durch das Internet sind sämtliche Daten früher oder später für alle verfügbar. Wir halten uns noch an der Vorstellung, dass Daten etwas sind, dass einen Eigentümer hat resp. braucht. Immer wenn Daten jedoch möglichst vielen Individuen zur Verfügung gestellt werden, sehen wir eine beschleunigte Entwicklung. Das ist im Kern warum ich OpenSource für ein zukunftsträchtiges Modell halte.

Was kann eine Glühbirne, die Rechenleistung hat und über sämtliche Daten verfügt?

Am Beispiel einer smarten Glühlampe habe ich dargestellt, wie Technologie diesen Gegenstand verändern kann. Kann die Glühbirne erstmal in Millisekunden aus allen verfügbaren Daten errechnen ob sie sich im Moment in dem Sie den Raum betreten an- oder abschalten soll, verändert das den Gegenstand fundamental. Wir werden viel weniger Zeit darauf verwenden, mit den Dingen umzugehen. Sie werden unsere Wünsche und Erwartungen schlicht antizipieren. Ich denke genau dahin geht die Reise.

Übergangsphase und Umfang mit „internetted things“

Dazu habe ich folgende Theorie aufgestellt:

5 relation

Dass wir Computer heute instruieren, muss ich nicht weiter ausführen. Wir alle geben Computern jeden Tag hunderte Befehle, auch denjenigen Geräten die wir nicht als Computer per se wahrnehmen.

In einer zweiten Phase, wenn wir mehr Gegenstände mit Intelligenz haben, werden die Gegenstände selbständig erste Entscheidungen treffen und wir korrigieren sie wenn wir mit diesen Entscheidungen nicht zufrieden sind. Durch unsere Korrekturen lernen die Computer wie sie ihr Verhalten das nächste mal verbessern können.

Ist dieses System perfektioniert, geben wir den Computern weder Befehle noch müssen wir sie korrigieren. Wir werden den Bezug zum Computer im Gegenstand verlieren und dann das „Handeln“ des Gegenstandes als natürliche Eigenschaft des Gegenstandes als solches wahrnehmen.

Generationenfrage

So werden vielleicht die Kinder meiner Kinder, die Lampe als zu bedienendes Element gar nicht mehr kennen. Für sie wird Licht verfügbar sein und es ist völlig normal, dass es immer dann da ist, wenn es gebraucht wird. Ohne, dass man sich darum kümmern wird.

Den ganzen Talk können Sie hier sehen (die Slides wurden nachgeschnitten):

Die TYPO3 Conference war vollgepackt mit spannenden Vorträgen. Es lohnt sich hier durchzusehen.

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