Content Marketing: Reach vs Relevance!

Vor ein paar Tagen wurde ich auf einem Meet-Up als Content Marketing Experte vorgestellt und in eine Diskussion rund um Blogging, Journalismus, Marketing 4.0 und Content Marketing verwickelt. Ich habe mich leicht geniert, denn ganz ehrlich, ich habe keinen Plan von diesen Dingen. Als ich das sagte, gab es auf dem Event gute Lacher. Man nahm es mir nicht ab.

 (Lesedauer: 4 Minuten)

So viele Content Marketing Experten

Sobald wieder mal ein Buzzword im Trend ist, schießen die Experten wie Pilze aus dem Boden. Das ist im Moment bei Content Marketing nicht anders. Der Spreu vom Weizen zu trennen ist vielfach nicht so leicht. Ganz einfach, weil jeder, der schon mal einen Artikel mit 5’000 Besuchern am Tag veröffentlicht hat, geneigt ist, sich Experte zu nennen.

Das ist natürlich Quatsch. Richtige Experten sind rar. Aldo Gnocchi, z. Bsp. ist ein solcher Experte. Er hat x-Jahre Erfahrung und viele Firmen beraten. Man kann ihn engagieren und mit ihm arbeiten. Er kann strategisch Wert reinbringen.

Solche Leute wie er faseln denn auch nicht einfach drauflos, sondern sie können grundlegende Prinzipien erklären und die richtigen Maßnahmen daraus für Ihre Kunden ableiten.

Also ein Experte bin ich wahrlich nicht, und trotzdem glaube ich, dass ich aus etwas mehr als 2 Jahren Schreiben und Talks geben, das eine oder andere gelernt habe. Ein paar Dinge teile ich hier, bitte genießen Sie es mit Vorsicht, wie gesagt, ich bin kein Experte.

Follower, Likes, Reach wohin das Auge reicht

Ein typischer Anfängerfehler, so finde ich, ist sich auf die Anzahl Follower und/oder Likes etc. zu konzentrieren. Es ist gar nicht so schwer viele Follower zu kriegen. Die Art und Weise wie ich die kriege, definiert die Qualität der Follower. Warum liked jemand meine Facebook Page oder wird Twitter-Follower?

Ein guter Follower ist jemand der mit mir interagiert, der kritisch ist, der als Netzwerk-Hub funktionieren kann, der selektiv und wählerisch ist und über kurz oder lang ein Kollege wird. Ein schlechter Follower ist im Extremfall gekauft. Damit meine ich nicht unbedingt primär monetär, sondern durchaus z. Bsp. durch das Mitbesetzen von Trending Topics.

Und so treffe ich immer wieder Leute, die mir sagen, sie hätten xy Anzahl Follower etc. und mich nach meinen Zahlen fragen. Ich muss jeweils passen, weil ich es so genau nicht weiss.

Followerschaft sprich Reach ist wichtig, aber nur Mittel zum Zweck. Und sie ist auch nur darum wichtig, weil großartiger Content nicht so viel bringt, wenn er mit niemandem geteilt werden kann.

Zu oft erlebe ich aber, dass Reach als das zu produzierende Resultat im Social Media- und Content Marketing angesehen wird. Ich halte das für fundamental falsch, weil ich von großem Reach erstmal nix habe.

Interaktion ist die Konsequenz von Relevanz

Was für mich wichtig ist, und ich denke, das ist eine ziemlich gute Messgröße, ist die Menge an Interaktion die sich aus den Content Marketing Aktivitäten ergibt. Also z. Bsp. die Leute die Ihnen schreiben, die kommentieren, die Sie anrufen oder Sie einfach ansprechen.

Für mich ist das alles was zählt. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht auf die Artikel angesprochen werde. Das ist natürlich erstmal toll und ist gut fürs Ego. Es treibt denn bisweilen auch erstaunliche Blüten: So wie die beiden mir bis dato unbekannten, älteren Herren eines Mittelständlers, die mich in der Lounge am Frankfurt Airport einfach ansprachen um über das Agile Unternehmen zu sprechen. Von solchem (und weniger spontanem Austausch) lebe ich mitunter intellektuell.

Wenn also etwas zählt, ist es die Interaktion mit den Lesern, Viewern und Hörern. Wenn Sie kommerziell unterwegs sind, ist das der Startpunkt von dem man in Geschäfte startet. Wenn Sie, so wie ich, das aus Interesse an der Sache machen, ergeben sich viele neue Kontakte und ein Austausch. Sich so zu verbinden und auszutauschen ist heute alles.

Relevanz

Wenn das Ergebnis der Relevanz Interaktion ist, was genau ist dann Relevanz? Ich kann Ihnen darauf keine wirkliche Antwort geben – ich weiß es nicht.

Ich kann Ihnen nur sagen, was ich tue und was mir meine Leser erzählen. Die halten die meisten Artikel für spannend, anregend, für inspirierend und hilfreich. Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Vielleicht ist es, weil ich 3 simple Regeln einhalte: a) Ich schreibe nie, weil ich muss resp. nur wenn mich ein Thema beschäftigt, b) ich schreibe nie über Themen für die es einen allgemeinen Konsens gibt und dieser Konsens meiner Meinung entspricht (Wasser in den Rhein tragen) und c) ich schreibe was mir passt und ich argumentieren kann, egal was andere davon halten.

Content Marketing ist Showbiz

Die halbe Miete der Relevanz ist jedoch Show. Der Teil Show dabei ist, das Thema so in eine Geschichte zu verpacken, dass die Leute gerne weiterlesen, dass sie unterhalten werden. Es muss in gewisser Weise Spaß machen. Finden Sie hier Ihr „Mojo“ nicht, wird es ziemlich schwierig.

«Noise»

Was heute an Content in der Breite produziert wird, ist unglaublich mittelmäßig. Ich glaube, auch darum hat mein Blog Erfolg; weil tagtäglich so viel «Noise» produziert wird. «Noise», das ausgerichtet ist auf SEO, «Noise» das dem Boss passt, «Noise» das unendlich Studien zitiert. Da braucht es nicht viel «Signal» um sich abzuheben.

Relevanz zieht Reach an

Eine unweigerliche Folge von relevantem Content ist, dass sich dadurch der Reach automatisch vergrößert. Das geht nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit. Aber, zu meiner völligen Überraschung anfangs, passiert es tatsächlich: Mit der Zeit kommen Partner und allen voran die Medien von alleine. Kleiner Rat: Nicht alles annehmen, öfter mal Nein sagen.

Corporate Blogs

Auch wenn ein vermeintlich unabhängiger Blog (niemand ist ja unabhängig) es sicher einfacher hat, bin ich überzeugt, dass Corporate Blogs gut funktionieren. Aber nur dann, wenn auf breiter Front die unzähligen Geschichten die in einem Unternehmen passieren, gegen außen erzählt werden. Wenn die PR-Abteilung orchestriert oder Artikel von extern eingekauft werden, dann Gute Nacht.

Darum ist es wichtig, Exponenten im Unternehmen zu definieren die das «Quorum» der Firma nach außen tragen können. Und aus einer guten Geschichte eine richtig spannende Geschichte machen können. Der Rest kommt, über kurz oder lang.

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3 Kommentare zu Content Marketing: Reach vs Relevance!
  1. Ingo Ebert Antworten

    „Fünf von fünf möglichen Punkten!“ ;-)))

  2. Mael Roth Antworten

    Hallo Alain,
    Du sprichst mir bei vielen Punkten aus der Seele (und ich habe teilweise auch darüber geschrieben) :-) Dein Blog gehört zu den wenigen, die in meinem Feedly in der Kategorie „Special Attention“ landen. Da sind die Absender drin, von denen ich zu 90%er Wahrscheinlichkeit weiß, dass sie gute Inhalte produzieren. Bei den anderen Kategorien fliege ich meisten nur drüber. In dem Sinne machst du auch gutes Content Marketing. Allerdings gibt es sehr viele unterschiedliche Formen des Content Marketing, ich glaube die siehst es in diesem Post sehr aus der Perspektive „wenn ich Content Marketing mache dann ist es das“. Wie Content Marketing in der Umsetzung aussihet variiert je nach Branche, B2B oder B2C (v.a. Zielsetzungen und welche Interaktionen wertschöpfend wirken für verschiedene Unternehmen). Also das ist keine Kritik, nur eine Anmerkung :-)

    Beste Grüße vom Rhein, der genug Wasser hat :-)

    Maël

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