Chief Digital Officer. Leider nein.

Vor 2 Jahren habe ich einen Artikel mit dem Titel „Warum jede Firma ihren Chief Digital Officer haben sollte!“ geschrieben. Ich war überzeugt vom Konzept des Sonderbeauftragten. Nach 2 Jahren unzähliger Gespräche mit Menschen die sich mit Digitalem Wandel in Unternehmen beschäftigen, muss ich einsehen, dass ein Chief Digital Officer in den allermeisten Fällen keine so gute Idee ist. Hier ist warum.

(Lesedauer: 5 Minuten)

Wo sind sie denn?

Gartner hatte 2012 prophezeit, dass 2015 25% aller Unternehmen die Stelle eines CDO schaffen und besetzen würden. Dazu ist es nicht ansatzweise gekommen. Wie ein Artikel von „com! professional“ aufzeigt, verfügen gerade mal 4 Dax/MDax Unternehmen in Deutschland über einen CDO. Und weltweit sieht es nach Schätzungen des CDO Clubs nicht viel besser aus.

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Die Allzweckwaffe CDO: Vergessen Sie es.

Vielmehr erlebe ich es so, dass verschiedene Leute aus dem C-Level verschiedene Aufgaben bezüglich der Digitalen Transformation wahrnehmen. Wenn ein CEO neu in seiner Position ist geschieht meist relativ viel in kurzer Zeit.

Dabei glaube ich wünschten sich manche Unternehmensleiter durchaus eine Person mit digitalem Knowledge. Dass es so selten zu Stande kommt liegt meines Erachtens an einem fundamentalen Zielkonflikt:

CEO’s die einen CDO einsetzen möchten, wollen diesem in der Regel nicht wirklich große Befugnisse einräumen. Potentielle CDO’s aber, können ihren Job nur wirklich gut machen, wenn umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten haben. Die guten Kandidaten wissen das und zielen eher auf traditionelle C-Level Positionen ab.

Unerwünschte Effekte

Das Einsetzen eines CDO’s provoziert aber auch unerwünschte Effekte:

Auslagern des Digitalen Knowhows

Anstatt sich die Unternehmensspitze intensiv selbst digitales Knowhows aneignet, wird dieses nur bereitgestellt. Ich habe schon viel darüber geschrieben, dass „das Digitale“ nicht separiert betrachtet werden darf sondern integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie und des daraus abgeleiteten Handelns sein muss. Mit einem Spezialbeauftragten fürs Digitale arbeitet man eher in die entgegengesetzte Richtung.

Der macht das jetzt

Damit verbunden ist die Haltung des C-Level die ich oft in der Beratung erlebe: Der (CDO) kann das, der macht das jetzt. Damit wird diese mühsame Digitale Transformation gedanklich ab delegiert und man muss sich als Unternehmensleitung nicht weiter damit beschäftigen. Ja, das ist natürlich jetzt überspitzt. Aber diese Haltung ist, auch wenn nur ansatzweise vorhanden, sozusagen das Freiticket für die eigene Abdankung.

Alibi-CDO

Ich habe in den letzten 2 Jahren selbst zweimal erlebt, dass jemand als CDO (resp. „Digital Rockstar der jetzt alles anders macht“) eingestellt wurde einzig und allein mit dem Ziel, dass „man einen hat“. Um z. Bsp. Dem Aktionariat zu zeigen, dass „man etwas macht in Richtung Digital“. Besonders perfid finde ich wenn sich der vermeintliche CDO dann mit dieser Rolle arrangiert und sie überhaupt nicht ernst nimmt sondern einfach intern Social Media erklärt und die Büros in Richtung Start-Up Style umbauen lässt. Dann geschieht nämlich gar nichts, ausser dass es nun neben dem Automatenkaffee noch free Club-Mate gibt. Gute CDO’s, so meine Meinung, verlassen das Unternehmen schlagartig wenn sie erkennen, dass sie nichts bewegen können.

Besser so?

Sie sehen also, ich bin nicht mehr überzeugt, dass der CDO das richtige Instrument für die Digitalisierung ist. Ich habe mich getäuscht.

Und wahrscheinlich ist das auch besser so. Denn es gibt sehr wenige Leute die die Rolle eines CDO ausfüllen könnten. Über die Qualifikation die es braucht um seine Mission erfüllen zu können habe ich hier bereits geschrieben.

Solche Leute suchen keinen Job. Sie sind heiß begehrt. Und zu allem Übel sind sie meiner Erfahrung nach auch ganz schlecht extrinsisch zu motivieren.  Eigentlich positiv.

Wie denn, wenn nicht mit einem CDO

Viel besser ist es, wenn die CEO’s, resp. die Unternehmensleitung, den mühsamen Weg geht und sich selber weiterbildet. Ich habe dazu letzthin folgenden Satz getwittert:

„Ein CDO ist dann am erfolgreichsten, wenn er im Nebenamt CEO ist.„

Ich denke die Hauptaufgabe von Unternehmensführern ist heute wie früher, die Unternehmen in die Lage zu bringen sich zu behaupten. Wandlungsfähigkeit ist dabei das A und O, heute mehr denn je. Und „Digital“ ist der Wandel der Stunde.

Wer das erkannt hat, wird nur noch Führungsleute mit Change-Erfahrung und einer positiven Einstellung zu Veränderungen einsetzen. Die „Digital-Skills“ sind für mich eher zweitranging.

Natürlich ist es gut wenn Führungsleute bereits mit Digital etwas gemacht haben und ich denke es ist heute schlicht und einfach die Basis von der man startet. Mittelfristig entscheidend wird aber sein, wie gut diese Führungsleute mit Change umgehen können.

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2 Kommentare zu Chief Digital Officer. Leider nein.
  1. Peter Neumann Antworten

    Ich glaube, Sie haben einige ziemlich wichtige Punkte, die zum Scheitern des „Konzepts CDO“ und auch der Person CDO führen können, aufgezeigt. verhindern können sie dieses Scheitern nur, wenn der CDO auch tatsächlich Mitglied der Unternehmensleitung, des Vorstandes oder der Geschäftsführung ist und dort die nötige Traktion hat. Als Stabsstelle, Sonderbeauftragten oder sonstwie nebenbei eingebundene Position kann eine solche Aufgabe nicht erledigt werden. Der CDO muss völlig ins Unternehmen eingebunden sein und dort auch seine Gesamtaufgabe wahrnehmen können – mit allen Vor-, aber eben auch Nachteilen, die das mit sich bringt. Dann klappt es auch mit der Position.

  2. […] sich mit der Schaffung einer CDO-Position auseinanderzusetzen. Was dabei herauskommt, hat Alain Veuv... https://stefanfritz.de/warum-der-cdo-scheitern-muss-und-ein-digital-board-das-bessere-konzept-ist

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