Bist Du ein Developer?

Als ich im Jahr 2006 als Newbie die TYPO3 Konferenz besuchte, machte ich den Fehler als einer von 5 aus rund 600 Teilnehmern ein Hemd anzuziehen. Schnell merkte ich wie dieser Umstand die Blicke auf mich zog und als ich von einer Halle in die andere wechselte hörte ich zwei Leute zueinander sagen: „Wenn das hier so weiter geht mit den Business Leuten wird das ganz übel“. Heute 9 Jahre später, habe ich auf diesem Event so viele Anzüge gesehen wie noch nie. Es ist Sinnbild für eine Veränderung in der Art wie wir mit Software umgehen.

(Lesedauer 4 Minuten)

Man muss fairerweise sagen, dass auch ein allgemeiner Aufruf zum Dresscode an der diesjährigen TYPO3 Conference ein bisschen nachgeholfen hat. Fair enough.

TYPO3 Award at T3CON15 EU

Source: TYPO3 Association

Wer als Developer etwas auf sich hält wird „Nicht-Developer“

Vorgestern Abend dann die Frage in einer lockeren Raucherrunde: „Who is a developer?“ Eher betretenes Schweigen während alle verneinen und jemand anfügt: „Well, I used to be a developer, but then I started my company“. Am Schluss haben wir unter gefühlten 8 Leuten nur gerade einer der sich als Developer bezeichnet. Hätte die Frage gelautet wer kann coden, wäre ich wohl der einzige gewesen der hätte verneinen müssen. Es ist also primär eine Frage der Selbstwahrnehmung.

Was ich generell beobachte ist, dass immer mehr Leute die sich früher als Developer bezeichnet haben, heute Teams führen oder in Architekturarbeit verwickelt sind. Und sich eben selber nicht mehr als reine Entwickler verstehen, dessen einziges Ziel es ist schönen, schlanken, schnellen und intelligenten Code zu entwickeln.

Stirbt er aus der „Developer“?

Und ich denke diese Entwicklung ist auch gut so. Denn die Bedeutung von Softwarelösungen hat in den letzten 10 Jahren nochmals gewaltig zugenommen. Und damit eben auch die Bedeutung von Developern und des Programmierens an sich.

Und so hat sich das Selbstverständnis gewandelt. Weg vom reinen Spezialist mit dem Inseldenken („Ist mir egal wie ihr das einsetzt, sagt mir einfach was es tun soll“) hin zum Digitalexperten mit Spezialgebiet Softwareerstellung.

Das ist eine sehr positive Entwicklung, denn sie fördert eine bessere Zusammenarbeit und damit schlussendlich bessere Lösungen.

Business übernimmt Nerd-tum oder die Nerds übernehmen das Business?

Und so hat sich diese Befürchtung, dass die Business-Leute die Techies entern als kompletter Unsinn herausgestellt. Es ist in Tat und Wahrheit genau umgekehrt.

Wir sehen mehr Hemd und Anzug, weil die Techies daran sind das Business zu übernehmen. Und nicht umgekehrt.

In der Tat übernehmen sie nicht nur das Business, sondern die ganze Welt. Eine Welt die von Software aufgefressen wird portiert Entwickler sozusagen in die Höchste Kaste der Workforce des menschlichen Fortschritts. Ich weiß es tönt krass aber denken Sie darüber nach. Jede Zeit hat eine Berufs- und Berufungsgattung die prägend war – die unsere sind die Softwareentwickler und -Architekten.

Techies übernehmen

Es ist daher kein Zufall, dass mit „The Big Bang Theory“ eine Fernsehserie dominiert, welche Nerds und deren Leben ins Zentrum setzt. Als Techie gibt es ganz vieles an dieser Serie, das gar nicht so komisch ist – sondern eher alltäglich Denke – sobald man das bewusst überspitzte und gesketchte subtrahiert.

Wenn dann der Protagonist der Serie, Sheldon Cooper, mit Hilfe des Gedankenexperimentes „Schrödingers Katze“ versucht seiner Nachbarin bei deren Beziehungsproblemen zu helfen, ist das schon komisch.

Es ist jedoch auch insofern großartig, als dass gerade zu beiläufig grundlegende Konzepte (zugegebenermaßen sehr oberflächlich) an ein Publikum herangetragen würden, die sich damit wahrscheinlich nie befassen würden. Dies wiederum fördert die Akzeptanz von wissenschaftlichen Konzepten was wiederum die gesellschaftliche Adaption von Technologie beschleunigt.

Lerne eine Programmiersprache, nicht Chinesisch

Und so kann man den jungen nur zurufen: „Lernt eine Programmiersprache, nicht Chinesisch“. Und das sage ich mit Überzeugung. Nicht in dem Sinne als dann auch alle programmieren müssten, sondern ich denke einfach ein integrales Verständnis von wie Software konzipiert, erstellt, gewartet und ausgebaut wird sollte mit zum Rüstzeug eines jeden Entscheidungsträgers gehören.

Da dies eben noch nicht der Fall ist, bekunden so viele Firmen noch immer erhebliche Mühe die Veränderungen der Kunden hin zum Digitalen unternehmerisch mit zu gehen.

Aber das ist eine Frage der Zeit. Es wird besser – von Tag zu Tag. Während die Software unsere Welt wie wir sie früher kannten auffrisst. Und neu erschafft.

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2 Kommentare zu Bist Du ein Developer?
  1. Willi Kernen Antworten

    „Well, I used to be a developer, but then I started my company“ trifft auch auf mich zu. Mittlerweile sind wir 10 Leute hier, situativ ergänzt durch Freelancer (Oft Ex-Mitarbeiter). Nach Möglichkeit bevorzuge ich jedoch nach wie vor bequeme Shirts und Jeans. Heute bei den Temperaturen im Office sogar Shorts. (Sind immerhin orange und somit CI-konform)

    Einen Zusammenhang, zwischen der Fähigkeit, Software zu konzipieren und meinem Outfit konnte ich zudem bislang nicht feststellen. Und zugegeben: Manchmal darf’s auch – je nach Anlass – ein Anzug sein :)

    Die Aussage Deines Artikels, dass die Coder-Fraktion das Business übernimmt ist so aber schon korrekt. Und auch richtig so. Happy weekend – hoffentlich Anzugfrei im Strandbad.

  2. Stefan Antworten

    Lieber Alain,

    danke für diesen Post, der mir aus der Seele spricht. Gestartet als Entwickler mit einem Dipl.-Informatiker-Abschluss an der TUM habe ich schon früh in die Selbstständigkeit gewechselt und die Metamorphose vom Nerd zum Manager durchlebt.

    Auf der diesjährigen T3CON15 durfte ich erstmal langjährige Community-Mitglieder im Business-Dress erleben. Sehr erfrischend.

    Für mich zeigt die T3CON und der TYPO3 Award deutlich, dass TYPO3 erwachsen geworden ist und eine sehr positive Entwicklung genommen hat.

    Für mich persönlich fühlt es sich übrigens sehr gut an, mit Hemd und Sakko zu einer Konferenz zu kommen.

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