6 Business-Signale, die Sie in der Digitalen Transformation kennen sollten

Über die Jahre habe ich mir im Potpourri von Business und Technologie angewöhnt, wachsam zu sein. Denn in der „Digitalen Transformation“, so viel habe ich gelernt, liegen Drama und Schlamassel immer hinter der nächsten Ecke auf der Lauer (nach Ihnen, wohlgemerkt.) Darum hier 7 Signale mit welchen Sie für sich erkennen können, wenn Ungemach droht. Ausdrücklich ohne Garantie.

(Lesedauer: 4 Minuten)

Heutige Diskussionen rund um Digitalisierungsvorhaben sind geprägt von viel Floskel-Füllmaterial und Halbwissen. Das meiste kommt von Studien und Talks oder ist schlicht nachgeplappert. Die etwas älteren Semester unter Ihnen, die sich solche Diskussionen die letzten 15 Jahre gefühlte 3 Tausend Mal mitmachten, driften in der Regel schnell weg. Man hört nicht mehr so richtig zu – weil man alles schon kennt. So auch ich.

Das ist gefährlich. Denn schnell verpasst man so, wenn wichtige Wendungen in den Projekten und Initiativen genommen werden. Ich habe mir daher angewöhnt, gewisse Muster zu suchen und sie an entsprechende Aussagen zu knüpfen. Ich nenne sie Signale. So wie in „Signal vs. Noise“.

„Wir haben eine GANZ klare Strategie…“

Wenn Sie diesen Satz hören, gerade von ranghohen Unternehmenslenkern, sollten Sie ganz besonders aufpassen. Nicht nur, dass es so etwas wie eine unklare (oder GANZ unklare?) Strategie nicht geben darf – der Satz heißt in Wahrheit etwas ganz anderes. Nämlich: „Die Dinge sind durcheinander, wir sollten eigentlich von Grund auf über die Bücher gehen, aber wir ziehen das jetzt so durch wie einmal in einer ganz anderen Situation beschlossen – und Ihr Spezis badet das jetzt aus “. Meist gehen solche Aktionen schief; versuchen Sie keinen guten Sündenbock herzugeben und halten Sie sich möglichst auf Distanz.

„Experten sind sich einig, dass…“

Immer wenn ich diesen Satz höre, sagt mein inneres ich leise: „Obacht, wir verlassen gerade das Rationale und segeln auf den See der Analogien“. Denn etwas haben Experten in der Regel so an sich; Sie sind sich nie einig – außer bei den Dingen die so sonnenklar sind, dass man sich gar nicht uneinig sein kann. Genau jene Dinge aber, sind dann wiederum so unbedeutend, dass sich die Experten gar nicht einig darüber sein müssen. Vielmehr will man Ihnen in der Regel mit diesem Satz suggerieren, dass etwas, was fragwürdig ist, doch bitte nicht hinterfragt werden sollte. Per se ganz schlecht.

„Die GL/den Aufsichtsrat abholen…“

Typische Situation im klassischen Digitalisierungsvorhaben. Ein Team von aufbruchfreudigen, innovativen Leuten hat eine gute Idee und arbeitet ein Konzept und/oder Projekt aus und muss nun die GL oder den Aufsichtsrat „abholen“ um das bewilligt zu kriegen.

Ich stelle mir das immer so vor, wie wenn man im Möbelhaus die Kinder zu Beginn des Einkaufs in der Spielecke abgibt, um in Ruhe das neue Wohnzimmer auszusuchen. Wenn man soweit fertig, also alles Spannende durch ist, muss man die Kinder dann so abholen, dass sie bei der Realisierung mit dabei sein können. Resp. die ganze Zeche bezahlen können. (Könnte man das nur auch im Möbelhaus so machen!)

„Den CEO Müller bitte abholen, den CEO Müller.“ Das reale Abholen gestaltet sich mitunter in selbem Masse absurd, wie in der Spielecke. Nein, das Eröffnen von mehr Retailfläche führt nicht mehr automatisch zu mehr Umsatz. Ja, auch UNSERE Kunden bestellen tatsächlich auf dem Smartphone. Etc. Etc. Es fühlte sich in meinen Fällen manchmal so an, als wollte man einem 8 jährigen Vektoralgebra erklären.

Aber, und das muss man auch mal ganz klar sagen: Die Situation in Aufsichtsräten hat sich stark verbessert – und nein das meine ich jetzt nicht sarkastisch.

„Schnittstellen sind bei uns kein Problem…“

In typisches Signal der Umsetzung. Generell gilt: Je weniger der Satz in digitalen Projekten fällt, desto einfacher und reibungsloser sind Schnittstellen-Integrationen in der Regel. Sagt ja eigentlich schon alles.

„Aber das zahlt auf die Brand ein…“

Früher war dieser Satz ein beliebtes Instrument, um komplett falsche Investitionen im Marketing im Nachhinein doch noch schön zu reden. Die Maßnahme, das Tool, die Kampagne hat zwar keine Leads generiert, keinen ROI erziehlt – aber hey – hat auf die Brand eingezahlt. Top.

Damit ließ sich damals jedes noch so schräge Unterfangen im Marketing „posthum“ rechtfertigen. Man hört den Satz nicht mehr oft. Wenn Sie ihn hören; aufgepasst.

„Wir machen das doch nicht mit Excel…“

Als letztes hier ein Beispiel, das in die entgegengesetzte Richtung geht; überambitionierte und „überengineerte“ Lösungen. Da wird schon für die banalsten Aufgaben ein Tool evaluiert und eingesetzt. Pragmatismus ist gefragt. In Schönheit sterben können andere.

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2 Kommentare zu 6 Business-Signale, die Sie in der Digitalen Transformation kennen sollten
  1. Andrea Susan Nolte Antworten

    Genauso ist es, charmant dargestellt!
    Als Siebtes fiel mir spontan ein: Geschäftsführer im klassischen Mittelstandsbereich, die sich verpflichtet fühlen, einen klaren, hocherfolgversprechenden Weg mit allen Einzelheiten präsentieren zu müssen und daran verzweifeln: diese Anforderung an sich selbst ist einfach nicht erfüllbar. Lieber gezielt mit den Mitarbeitern Erfahrungsgewinnungsszenarien und Testungsprojekte entwickeln und durchführen …

  2. Stephan Neuner Antworten

    Musste mindestens viermal kräftig schmunzeln … ja, diese Situationen sind symptomatisch. Gute Zusammenstellung!
    Wenn man bei Digitalisierungsvorhaben die GL abholen muss, ist etwas grundverkehrt (genauso übrigens, wer seine Kinder für Einkäufe ‚wegorganisieren‘ muss). Digitale Transformation darf nicht von unten nach oben kochen, sondern muss von oben vorgedacht, vorgelebt und vorangetrieben werden (ja, ich weiss, die Realität sieht nicht immer so aus).

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