12 Thesen für das Zeitalter des immer schneller werdenden technologischen Wandels.

Ich werde regelmäßig gefragt, welches meine grundlegenden Erkenntnisse und Thesen aus der Arbeit rund um die technologisch bedingten Veränderungsprozesse in Gesellschaft und Wirtschaft seien. Zeit also für einen nicht abschließenden Überblick. 12 Thesen für Politik/Gesellschaft und Wirtschaft.

(Lesedauer: 5 Minuten)

1. Die Digitale Transformation ist eine Übergangserscheinung ins Zeitalter des immer schneller werdenden Wandels

Der technologische Fortschritt ist seit Menschengedenken der Treiber hinter sämtlichen Verbesserungen des Lebens des Menschen. Dieser technologische Fortschritt schreitet exponentiell voran. Das was wir als Digitale Transformation erleben, ist das erste wirklich bewusste Wahrnehmen des Wachstums dieses technologischen Fortschritts.

Die Digitale Transformation ist der Anfang und Übergang in das, was ich das „Zeitalter des immer schneller werdenden technologischen Wandels“ nenne. Sie ist kein Projekt, kein abschließender Prozess. Aus diesem Grund ist die Bezeichnung irreführend und für viele Führungskräfte in der heutigen Wirtschaft irreführend.

Es gilt nicht, wie oft kolportiert, die Digitale Transformation „zu meistern“, sondern in Gesellschaft und Wirtschaft die Fähigkeit zu erlangen, schnellen Wandel antizipieren und nutzen zu können.

Die Hauptherausforderung besteht für die Gesellschaft darin, den sozialen Schaden von Strukturumbrüchen so klein wie möglich zu halten. Am besten tut sie das, indem sie diese sozialen Schäden in kleinen Schritten vorweg nimmt.

12 Thesen für das Zeitalter des immer schneller werdenden technologischen Wandels

2. Die Wahrnehmung des technologischen Wandels bestimmt unsere Handlungsgeschwindigkeit

Dass die große Mehrheit der Menschen in Ihrer Funktion in Wirtschaft und Gesellschaft derart von dem Aufkommen der „Digitalen“ Möglichkeiten überrascht wurde, ist dem Umstand geschuldet, dass wir jegliches exponentielle Wachstum schlecht einschätzen können.

Dies ist darum so, da wir bislang die Veränderungen und Auswirkungen des technologischen Fortschritts nicht in der Spanne eines Menschenlebens wahrnehmen konnten. Diese Wahrnehmung ist erst seit rund 2-300 Jahren möglich. Davor war der Fortschritt unter dem Strich zwar exponentiell, aber die Veränderungszyklen dauerte länger als ein Menschenleben.

Da wir nun länger leben und das Wachstum des Fortschritts selber auch wächst, sehen wir die Auswirkungen viel direkter. Sozialisiert wurden wir aber unter der Prämisse des linearen Fortschritts – und wurden dadurch von Neuerungen überrascht.

Das führt dazu, dass wir die Geschwindigkeit der Entwicklung (auf Basis der Überraschungen) überschätzen, und die langfristigen Veränderungen (aufgrund der Sozialisierung) unterschätzen. Das schafft ein psychologisches Umfeld, das für weitere Überraschungen gut ist. Dieser Effekt wird sich meiner Meinung nach erst in 5 oder 10 Generationen langsam auswaschen. Dann nämlich werden die jungen Menschen keinen Bezug zu einer Welt mehr haben, in denen der exponentielle wachsende Fortschritt nicht sichtbar war.

 

3. Obwohl wir Macher des technologischen Fortschritts sind, haben wir keinerlei Einfluss auf ihn.

Der Grund dafür ist simpel: Der Mensch will permanent seine Situation verbessern. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Zudem hat der Mensch einen spielerischen Umgang mit neuen Dingen. Wenn sich etwas verwirklichen lässt, wird es getan – unabhängig davon ob es im Moment Sinn ergibt.

Somit wird sich sämtliche Technologie früher oder später durchsetzen. In welche Richtung diese Entwicklung gehen wird, ist eine ideologische Frage und überlasse ich gerne Ihnen.

Ethik muss in diesem weitsichtigen Kontext als ein vorübergehend gültiger Katalysator gelten, der dafür sorgt, dass die Gesellschaft die Möglichkeit erhält technologisch bedingte Veränderungen auf für sie gute Art und Weise anzugehen. Das gilt für die Verzögerung sowie auch zur Beschleunigung der Einführung von neuer Technologie. Ethik wird daher als Argument für beides, Verzögerung wie auch Beschleunigung verwendet.

Ethik verändert sich im Laufe der Zeit, gerade in Bezug auf den Einsatz von Technologien, stark.

 

4. Schnell ist das neue Gross!

In einer Welt welche durch schnelle Veränderungen definiert und getrieben ist, ist es logisch, dass die Fähigkeit zur schnellen Adaption und Resilienz eine Kernkompetenz ist. Dies betrachte ich im Privaten wie vor allem im Geschäftlichen als eine der Grundvoraussetzungen für Erfolg und Zufriedenheit.

Stehen zu bleiben war schon immer teuer – neu ist, dass es viel schneller teuer wird.

Artikel zur These:

  1. Schnell ist das neue Gross!

 

5. Das Agile Unternehmen ist die Unternehmensform der nahen Zukunft

Daraus resultierend muss die Organisation in Unternehmen sich weiterentwickeln. Ich behaupte die Grundsätze des Agilen Unternehmens werden die erfolgreichen Unternehmen in Zukunft prägen. Sie sind schneller in Ihrem Wandel, können sich besser auf neue Gegebenheiten einstellen und sind so Konkurrenten voraus.

 

6. Die Arbeitsstelle wie wir sie kennen wird verschwinden. Zum Wohle aller.

Das Agile Unternehmen erfordert von den Mitarbeitenden jedoch auch wieder mehr Verantwortung und Engagement. Im Laufe der Industrialisierung der letzten 2 Jahrhunderte wurde ebendiese Verantwortung und das notwendige Engagement im Vergleich zur vorhergehenden Agrargesellschaft stark zurückgefahren.

Das führte in der Summe zu einer Arbeitswelt, die sich primär auf die Überlassung der Zeit des Mitarbeiter an den Arbeitgebers konzentriert. Dies war und ist für die Gesellschaft keine gute Entwicklung. In der westlichen Welt wird diese materielle Sicherheit überwiegend mit persönlicher Zufriedenheit und Lebensfreude bezahlt. Im Gegenzug konnte mit diesem System die materielle Sicherheit maximiert werden.

In Zukunft wird das klassische Arbeitsverhältnis aufgeweicht. Dies wird die Gesellschaft weiter hin zu einer selbstbestimmteren Lebensweise verändern. Die Aufweichung der starren Arbeitsverhältnisse kommt den Agilen Unternehmen entgegen. Dass die soziale Sicherheit weiterhin gewährleistet werden muss steht außer Frage – ist sie doch erst die Basis für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.

 

7. Schneller technologischer Wandel benötigt andere Führungsqualitäten

Während streng hierarchisch organisierte Unternehmen auf Anweisung und Kontrolle basieren, wird in Agilen Unternehmen versucht, Führung in selbstorganisierte Teams so weit wie möglich zu delegieren. Das bedingt ein größeres Maß an emotionaler Intelligenz und kooperative Führungsstile.

In Bezug auf die Qualifikation der Führungsleute wird es in Zukunft notwendig sein, über grundlegendes Verständnis der Technologien zu verfügen.

 

8. Unser Wirtschaftssystem wird sich grundlegend ändern müssen.

Da der klassische Produktionsfaktor Arbeit, in der Kontingentierung der Zeit, auch durch die Automatisierung immer mehr an Bedeutung verliert, wird es notwendig sein, neue politische Systeme zur Gewährleistung der sozialen Sicherheit zu entwickeln. Das Konzept des Bedingungslosen Einkommen ist als ein solches mögliches System einzuordnen.

Weitere Modell werden folgen. Die Politik sollte sich auch hier darauf konzentrieren Wandel zu antizipieren und pro-aktiv neue Modelle zu entwickeln. Unter Zugzwang, aus einer Krisenposition heraus, wird dies nicht ohne erhebliche soziale Einschnitte möglich sein.

 

9. Langfristig orientiertes Handeln wird sich auch in Zukunft ausbezahlen

Das kurzfristige, finanzgetriebene Quartalsdenken, hindert Unternehmen daran, sinnvolle und weitsichtige Entscheidungen und Investitionen fällen zu können.

Eine weitsichtige Investition in neue Technologien ist zwar risikoreich, wird sich aber immer durchsetzen. Die bessere Technologie gewinnt – auch nach „Rückschlägen“ – mittelfristig immer.

Ein Handeln entgegen diesen technologischen „First Principles“ wird sich über kurz oder lang immer ökonomisch rächen.

 

10. Die Mehrheit der heutigen Unternehmen wird nicht bestehen können

Unternehmen sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Sie sind immer eine Momentaufnahme des ökonomisch Machbaren, eine vorläufige Antwort auf eine Nachfrage.

Die Aufgabe der Wirtschaftspolitik darf nicht sein, Unternehmen welche sich strategisch ins Abseits manövriert haben, zu erhalten. Auch wenn viele Arbeitsplätze daran hängen. Vielmehr sollte die Aufgabe darin bestehen, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Unternehmen sich permanent bewegen und weiterentwickeln müssen. Dazu kann z. Bsp. über die Besteuerung Anreize geschaffen werden.

Zudem muss ein Umfeld geschaffen werden, in dem es für neue Unternehmensgründer möglichst einfach ist, neue Ideen umzusetzen.

 

11. Der technologische Fortschritt wird demokratische Prozesse grundlegend verändern.

Die neuen technologischen Möglichkeiten wird es ermöglichen die direkte Demokratie als ernst zunehmende Bürgerpflicht zu etablieren. Dies ermöglicht eine pluralistische, humanitäre Gesellschaft, welche in Sachfragen sehr granular und konzentriert Lösungen finden kann.

Die verhindert, dass die politische Energie nicht auf Fronten- und Grabenkämpfe – wie wir es etwa heute mit den Parteien erleben – verschwenden. Zudem wird Lobbyismus auf natürliche Weise stark vermindert.

 

12. Unsere Gesellschaft muss den Umgang mit der riesigen Menge an verfügbaren Information erst lernen.

Der Zugang zu einem weltweiten Wissen und „super-aktuellen“ Nachrichten ist für die Menschen Fluch und Segen. Segen, weil Informationen die hilfreich sind schnell verfügbar sind und Ungerechtigkeiten nicht lange unter Verschluss gehalten werden können. Der Fluch dabei ist, dass wir uns diesen Umgang mit den Daten noch nicht gewohnt sind. Es ist für die meisten Menschen sehr schwierig Informationen hinsichtlich deren Quellenlage, Wahrheitsgehalts, Faktentreue einzuschätzen. Entsprechend verunsichert ist man heute im Umgang mit diesen Gefäßen.

Die Gesellschaft wird über die neuen Generationen diese Fähigkeit erlernen und einen natürlich Umgang mit großen Informationsmengen und schnellen Aktualisierungszyklen erlernen.

 

 

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